Tage auf Diu (Indische Insel in der Arabischen See)

Tage auf Diu (Indische Insel in der Arabischen See)

Mit einem Freund war ich in der indischen Hauptstadt Delhi. Wir hatten einige anstrengende Tage in der Hitze des indischen Februar und dem Dreck und Lärm von Old Delhi um die Ohren. Deshalb beschlossen wir, noch für einen kurzen Abstecher einen ländlicheren und erholsameren Flecken dieses schönen Landes aufzusuchen. Wir entschieden uns für die kleine Insel Diu. Diu und Daman sind im Gegensatz zu den Bundesstaaten Indiens der Zentralregierung direkt unterstellte Territorien. Das heißt, es gibt keine Landesregierung und auch einige Regeln sind anders als im Rest des Landes. Unter anderem fließt der harte Alkohol auf Diu recht freizügig, weshalb der benachbarte Bundesstaat Gujarat bei der Wiedereinreise „harte“ Grenzkontrollen durchführt und auch schon mal „Alkoholschmuggler“ aus dem Bus abführt.

Übersichts - Karte Diu Insel, Gujarat in Indien

Nach einer langen Zugfahrt durch den Wüstenstaat Rajastan und einer Fahrt mit einem „Luxusbus“ erreichten wir die Insel Diu in der Arabischen See. Nur eine schmale Straße führt über einen Damm und eine kleine Brücke auf diese Insel, die lange Zeit von Portugal besetzt war. Erst zu Beginn der 60er Jahre wurde Diu „befreit“, indem Indien dafür extra einen kleinen 36-stündigen Krieg führte. Die Spuren der Portugiesen sind vor allem in der Architektur noch deutlich wahrnehmbar. Kleine Forts schützen Hafenbuchten und typisch katholische Kirchenbauten stehen in den Städten, zwischen einigen Villen mit eher „mediterranem“ Anstrich.

Wir finden ein hübsches Guesthouse in Strandnähe und mit Geckos an der Decke. Aber die sind ja hier überall zu Hause. Am nächsten Tag suchen wir einen Fahrrad-Verleiher auf und holen uns wiedermal zwei Fahrräder. Das sind so typisch indische, „handgeschmiedet“ mit schwerem Stahlrahmen, etwas plump und schwerfällig, dicken Reifen (was auf den vielen sandigen unbefestigten Wegen gar nicht so schlecht ist) und sowieso ohne Licht. Zuerst schauen wir uns die Stadt an, klettern auf einer der Festungsanlagen herum und ich stelle mir vor, wie das mal aussah, als noch die Portugiesen diesen Vorposten in der arabischen See beherrscht haben. Ob es hier Piraten und Schmuggler gegeben hat? Wie wird das Verhältnis zwischen den Einheimischen und den fremden Herren gewesen sein? Gab es irgendetwas, was diese Insel neben der militärstrategischen Lage bedeutsam gemacht hat? Wurde die „Schutzmacht“ von Portugal aus versorgt oder konnte sich der abgelegene Posten irgendwie selbst unterhalten? An einer typisch portugiesischen Kirche frage ich mich, wieviele der Inder hier eigentlich katholisch sind?

Wir beschließen, weiter raus „aufs Land“ zu fahren. Leider ist schon nach den ersten Metern der erste Reifen platt, so daß wir umdrehen müssen und ein neues Rad bekommen.

indische Insel Diu in der  Arabischen See
Insel Diu – Felsenküste

Damit erkunden wir die kleine Insel, zuerst nach Westen, bis es nicht mehr weitergeht. Der Boden ist karg und es stehen trockene Gräser, ein paar Kräuter und Sträucher auf den Dünenartigen Hügeln. Teilweise schauen Felsen aus dem Boden, die einige Strand-Buchten einrahmen. In und in der Nähe der Siedlungen stehen einzelne Gruppen von Kokospalmen und werfen etwas Schatten, dazwischen flattern die typischen grünen Papageien-Vögel umher. Wir erreichen die Westspitze von Diu, ohne weiter erwähnenswerte Ereignisse. Auf dem Rückweg machen wir Halt in einer der Badebuchten und genießen das etwas erfrischende, klare Wasser des Ozeans. Ich fülle mir weiter draußen gleich ein kleines Fläschchen ab – als Meerwasser-Nasenspray für den nächsten Schnupfen. In einiger Entfernung sind auch ein paar Inder baden, die Jungs wie üblich in Unterhosen, die Mädels komplett in seidige Saris gekleidet.

Gegen Abend fahren wir zurück. Kurz vor der Stadt dann der nächste Platten. Und es wird schnell dunkel – im Februar sind die Tage auch in Indien noch sehr kurz. Mein Freund beschließt, das Rad gleich noch zum Verleiher zurückzubringen. Ich gehe dagegen in Richtung des Guesthouse.. zumindest meiner Meinung nach. Die Dunkelheit ist in Indien schwärzer als in Westeuropa. Jedenfalls gibt es nur in den Zentren und reicheren Gegenden großer Städte sowas wie Straßenbeleuchtung. Auf der Insel Diu erleuchten nur ein paar Lampen von fliegenden Händlern deren Stände und die nähere Umgebung drumherum.

Nuß-Händler auf der Insel Diu in Indien
Markthändler auf Diu

Mein Weg führt ein paar Straßen entlang, die fast vollständig in der Dunkelheit liegen. An einem kleinen Platz sitzen ein paar Menschen, es sieht aus wie eine Familie mit Erwachsenen und mehreren Kindern und Halbwüchsigen im Licht einer Lampe. Sie sind mit Nähen, Früchte auspulen und anderem beschäftigt und unterhalten sich. Als ich näher komme und links an ihnen vorbeigehen möchte, sprechen sie mich an und ich erwarte wie in Indien überall „Whats name?… Where you come from?… Are you married?“

Doch überraschenderweise höre ich plötzlich „You are wrong!“, sie wiederholen das mehrfach und die Älteren zeigen in die rechte Richtung. Woher wissen die, wo ich hinwill? Wieso sind sie so überzeugt, daß ich gerade dabei war, falsch zu laufen? Eines der typischen Wunder in Indien… Als ich den Namen des Guesthouse erwähne, nicken sie lebhaft und zeigen nochmals auf den Weg nach rechts.. Eine Geschichte, die mich immer mehr glauben läßt, daß ich in Indien bestens aufgehoben bin, eigentlich nichts schiefgehen kann, weil sich dort alles wie durch ein Wunder fügt. So ähnlich wie die Story mit dem verlorenen Paß in Varanasi oder dem verspäteten Zug auf der Rückfahrt von Hampi

Zielsicher komme ich auf dem von den Indern gewiesenenen Weg zum Guesthouse, wo ich später am Abend meinem Freund von dieser Begebenheit erzähle. Klar, daß er sofort mit ähnlichen Geschichten aufwarten kann.


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