Im Jagdrevier August des Starken – Radtour in der Dahlener Heide

Im Jagdrevier August des Starken – Radtour in der Dahlener Heide

In der südlichen Dahlener Heide unterwegs

Bereits im Herbst waren wir im Nordteil der Dahlener Heide unterwegs und haben die Städte Schildau und Belgern besucht. Nun soll der Süden mit der namensgebenden Stadt Dahlen an die Reihe kommen. Mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel ist dabei das Fahrrad, auch wenn sich viele Strecken gut laufen lassen. Los geht’s auf Radtour durch die Dahlener Heide.

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Inhaltsübersicht

Wo liegt die Dahlener Heide?

Die Dahlener Heide ist eine größere Waldlandschaft ca. 50 km östlich von Leipzig. Sie erstreckt sich zwischen den Kleinstädten Dahlen im Süden, Belgern im Osten an der Elbe und Schildau im Westen mit dem Schildberg-Wald. Oftmals wird auch noch der Wermsdorfer Forst mit dazugerechnet oder „in einem Atemzug“ mit der Dahlener Heide genannt. Dieser schließt sich nördlich von Wermsdorf an das Gebiet der Dahlener Heide an, ist aber durch einige offene Feldfluren sowie die B6 und die Bahnstrecke Leipzig – Dresden klar getrennt vom ansonsten zusammenhängenden Gebiet. Im Nordwesten der Dahlener Heide schließt sich, wiederum durch einige Feldfluren, die B87 und die Bahnstrecke Leipzig – Cottbus abgeteilt die Dübener Heide an.

Wald, Wiesen, Äcker – Landschaftsformen der Dahlener Heide

In der Dahlener Heide gibt es immer noch große Kiefernforste, aber auch zunehmend Buchen – Mischwälder. Insbesondere durch Windbruch und Borkenkäfer- Befall der letzten Jahre werden forstliche Maßnahmen zum Waldumbau immer dringender, so daß der begonnene Wandel zu mehr Laubgehölzen sicher etwas beschleunigt wird.

Sowohl in den Waldgebieten als auch an den Rändern liegen mehr oder weniger große Offenland – Flächen mit z.T. intensiver Landwirtschaft, aber auch Mahd-Wiesen und verstreut in den Wäldern Wildacker und Lichtungen. Da der Pferdesport sowie Pferde-Fahrbetriebe in den Randlagen der Dahlener Heide zunehmend populärer werden, entstehen größere Weideflächen sowie Wiesen zur Heugewinnung. Dadurch ändert sich der Charakter der Landschaft zu vielfältigeren Strukturen. Die Dahlener Heide ist schon lange Landschaftsschutz-Gebiet, dieses wurde erst vor wenigen Jahren noch einmal erweitert. Innerhalb des Gebietes gibt es eine Reihe von Naturschutzgebieten und Naturdenkmalen.

Radweg Dahlener Heide
Radweg in der Dahlener Heide

Die Dahlener Heide ist eine eher sanfte Hügellandschaft. In der Umgebung sind vor allem flache landwirtschaftlich genutzte Ebenen, die Waldgebiete weisen ein „beschwingteres“ Relief auf. Höchste Erhebung ist am Westrand mit 217m über NN der Schildberg bei Schildau. Dieser steht mehr in Verbindung mit den Hohburger Bergen noch weiter westlich. In Richtung Osten gibt es einen unregelmäßigen Anstieg der Heidelandschaft, die durch die Geschiebe der Saale – Eiszeit verursacht wurden. Dort können Höhenunterschiede schnell mal 50m auf kurzen Strecken betragen. Weiter östlich fällt die Heide dann zur Elbe hin ab.

Start der Radtour durch die Dahlener Heide

Für eine schöne Radpartie in der Dahlener Heide sind mehrere Einstiegspunkte möglich. Am einfachsten ist der Beginn direkt am Bahnhof Dahlen. Dort hält der „Sachsenexpreß„, der RE zwischen Leipzig und Dresden. Für eine gute Rundfahrt würde ich zum Start nicht nach Dahlen reinfahren (der Bahnhof liegt ca. 1km südlich des Stadtzentrums), sondern gleich am ersten Kreisverkehr in Richtung Nordwest nach Schwarzer Kater und weiter nach Börln. Dabei geht es auf eher wenig befahrenen Straßen durch Feldfluren. Am Schwarzen Kater wollte die DDR – Regierung in den 90er Jahren noch ein Atomkraftwerk bauen – 1989 gab es deshalb einen von der Stasi schärfstens beäugten Umweltgottesdienst mit Protestradfahrten zur Kirche von Börln.

Ab Börln führt der Weg zum Dammühlen – Teich. Dort ist Baden auf eigene Gefahr möglich. In der Nähe liegt Ochsensaal mit der Gaststätte Fröhlich, eine erste Einkehr – Möglichkeit. Von Ochsensaal aus geht es in Richtung Schildau einen knappen Kilometer bis zum Waldrand auf den A-Weg. Auf diesem in Richtung Osten gelangst Du mitten in die Dahlener Heide. Nach rund 2km mußt Du die relativ stark befahrene S23 (Verbindung von Sitzenroda nach Schmannewitz) kreuzen – Vorsicht und gute Aufmerksamkeit! Danach passierst Du kaum noch größere Straßen, und wenn, dann sind diese wenig befahren. Erst in Dahlen bist Du wieder mehr Autoverkehr ausgesetzt.

Wegeempfehlung Dahlen Bhf – Börln – Ochsensaal – Jägereiche: https://t1p.de/n7aj (einschließlich download-Option für gpx-Track)

Treffpunkt Jägereiche

Es folgt linkerhand das Sieben-Quellen-Tal. Zeit, das Rad mal für ein paar Minuten abzustellen und zu Fuß den Pfaden zu folgen.

Der Mittelpunkt der Dahlener Heide

Für die Fortsetzung des Weges kannst Du die „Jägereiche“ als Ziel wählen. Diese liegt zentral in der Mitte der Dahlener Heide. Sie markiert eine Wegespinne mit Abzweigen aus und in alle Richtungen. Wer bereits in der Nördlichen Dahlener Heide unterwegs war und z.B. in Belgern, Wohlau oder Neußen übernachtet hat, kann hier auf den Anschluß in der Südlichen Heide stoßen. Auch von Schildau über Sitzenroda, von Taura über die Waldstraße oder von Lausa aus ist die Jägereiche gut zu erreichen (allerdings mit teilweise etwas weiteren Anfahrten) und ein perfekter Übergang in das südliche Heidegebiet.

Dahlener Heide Säule zur Jägereiche
Säule an der Jägereiche

Die „Jägereiche“ gibt es allerdings nicht mehr. Bereit 1591 wurde für diese Wegekreuzung die Bezeichnung „an der jeger eychen“ genutzt. Im Jahr 1763 wurde zur Erinnerung an die letzte Hofjagd von Friedrich August König von Sachsen und Polen in diesem Gebiet eine hölzerne Gedenksäule errichtet. Eine replik davon steht noch heute. Reste der ursprünglichen finden sich in der Dorfkirche Sitzenroda, der vorhergehenden replik im Heimatmuseum Dahlen.

Inschrift der Gedenksäule an der Jägereiche:

1763

Friedrich August

König zu Pohlen und Churfürst zu Sachsen

Carl Ludwig

des Heil Römischen Reichs- Graf von Wolffersdorf SR. königl.

Majest. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachsen

Hochbestalter Ober-Hoff-Jäger-Meister, Direktor der

gesamten Flößen Ritter des St. Andreas Ordens

Thüm Heinrich

von Preuß. SR. Majest. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachsen

Hochbestalter Chammer- Herr und Wildmeister

Landjägermeister, Oberforstmeister

Johann August Preißleben

Hofjäger und Oberförster

Christian Friedrich Wilhelm Berthold

Jagdbesuch Heegereuter und Federschütze

Von der Jägereiche aus gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, die Radtour fortzusetzen.

Gute Wege in alle Richtungen

Die Wege sind in diesem Gebiet gut ausgeschildert und im Grunde reicht ein kleiner Übersichtsplan der Dahlener Heide, um sich zurechtzufinden. Du kannst kreuz und quer durch die Wälder radeln und versuchen, möglichst alle Wegmarken oder highlights mitzunehmen. Trotz der gerade zahlreichen forstlichen Maßnahmen zur Borkenkäfer – Bekämpfung sind die meisten Wege in einem sehr guten Zustand (i.d.R. verdichtete Kiesoberfläche). Hast Du keine Lust mehr, bist Du in einer halben oder 3/4 Stunde dann auf direktem Wege in einem der möglichen Quartier-Orte wie Schmannewitz, Reudnitz oder Dahlen.

Dahlener Heide Hospitalhütte
Waldgaststätte Hospitalhütte

Wege – Empfehlung „Schlenker Ost“: Von der Jägereiche in Richtung Osten zur „Tabakskiefer“ und weiter nach Reudnitz. Dort gibt es ein Restaurant mit eher „bodenständigen“ Gerichten, in der Heide natürlich auch Wild. Eine Bademöglichkeit am Waldteich ist vorhanden. Zurück über den M-Weg zur Hospitalhütte. Das ist ein kleines Waldrestaurant an der Holzstraße (auch mit dem Auto zu erreichen). Ganz in der Nähe liegt der „Große Findling“ – ein Granitbrocken skandinavischen Ursprungs, der mit der Saale- Eiszeit in diese Region gelangte. Mit geschätzt 1,50 x 2 m nicht gerade der Riesenblock, doch in dem Gebiet gibt es nicht allzu viele solche Eiszeit – Zeugen.

Dahlener Heide Findling
Großer Findling

Brehms Ruhe, Tote Magd und Waldbad

Wegealternative – gleich nach Süd: Weiter geht es zu Brehms Ruhe. Dieser Ort ist auch direkt von der Jägereiche aus über einen ruhigen, moosbewachsenen Pfad zu erreichen. Brehms Ruhe geht auf die Besuche des Zoologen und Forschungsreisenden Dr. Alfred Brehm zurück, der als Jagdgast mehrfach in der Dahlener Heide und ganz in der Nähe in einer Jagdhütte weilte. Brehm stammt aus dem thüringischen Renthendorf, war neben seinen Exkursionen Lehrer am Leipziger Gesamtgymnasium und wurde später Zoodirektor in Hamburg sowie Leiter des Berliner Aquariums. Schmannewitz besuchte er auf Einladung des Leipziger Verlegers Graupner.

Dahlener Heide Brehms Ruhe
Ein kleiner Rastplatz – Brehms Ruhe
Tote Magd Dahlener Heide
Tote Magd

Schlenkerfahrer – nochmal kurz zurück: Bereits am direkten Verbindungsweg von der Jägereiche zu Brehms Ruhe liegt die „Tote Magd„. Es wird erzählt, daß an dieser Stelle eine Magd vom Blitz erschlagen wurde – und das bereits vor 1575, denn schon zu dieser Zeit wurde das Flurstück mit „nach der toten Magd zu“ umschrieben. All die Jahrhunderte lang legten Vorbeikehrende an dieser Stelle frische Zweige nieder – selten wurde dem Tode einer Magd so lange gedacht. Heute ist eine kleine Steinfassung einer Grabstelle ähnlich mit Kreuzgravur zu finden. Und darüber wuchern riesige Magnolien – Büsche, also – für frisches Grün ist inzwischen dauerhaft gesorgt.

Waldbad Schmannewitz Dahlener Heide
Waldbad Schmannewitz

Setzt Du den Weg in Richtung Süden fort, triffst Du zwischen Schmannewitz und Waldbad auf eine kleinere Verbindungsstraße. Nach links geht es zum Waldbad Schmannewitz, einem Waldsee mit großer Rutschenanlage und Seilbahn auf den Teich hinaus. Imbißangebot und Ruderboot-Verleih ergänzen die Freizeitmöglichkeiten. In die andere Richtung kommst Du nach Schmannewitz.

Schmannewitz

Das ist ein ausgewiesener Erholungsort, leider inzwischen etwas heruntergekommen. Vor allem entlang der S23, die von hier weiter nach Dahlen führt, ist dem Ort der Stil ziemlich abhanden gekommen. Aber es gibt ein relativ neues Hotel Wiesenhof samt Cafè und einen kleinen Heimat – Tierpark. Außerdem haben Enthusiasten ein Bäuerliches Museum und eine Ausstellung historischer Feuerwehrtechnik zusammengetragen. Neben der Dorf- Kirche befindet sich ein Evangelisches Rüstzeitheim. An der Straße zum Waldbad wurde in den letzten Jahrzehnten ein Reha – Klinikkomplex für Orthopädische Behandlungen und Herzerkrankte aufgebaut. Traditionell verfügt Schmannewitz über einige Pensionen. Die Landschaft östlich und nördlich von Schmannewitz, in der wir uns gerade bewegen, gibt für Erholung und Entspannung schon einiges her.

Dahlener Heide Höhlenbaum
Höhlenbaum am Dahle-Weg

Entlang der Dahle nach Dahlen

So langsam nähern wir uns wieder Dahlen. Sowohl vom Waldbad aus nach Süden (erstmal über den Parkplatz) als auch von Schmannewitz aus kannst Du ins Tal der Dahle gelangen und auf dem Talweg in Richtung Dahlen. Dieser verläuft an mehreren Teichen vorbei, die vom Dahle- Wasser gespeist werden und offensichtlich auch einstmals für die Fischzucht angelegt wurden. Der sächsische Hof muß einen unendlichen Bedarf an Karpfen gehabt haben, soviel Teiche wie zur Zeit August des Starken überall aufgestaut wurden. Beeindruckend sind in den alleeartig begleitenden Bäumen einige richtig knorrige alte Eichen, die gezielt auch als Naturdenkmale stehen gelassen werden. Am Waldausgang befindet sich linkerhand eine alte Wassermühle.

Wo der Weg auf die S23 trifft, wurde sinnvollerweise vor einigen Jahren ein Rad-/ Fußweg angelegt. Darüber erreichen wir jetzt schnell die Ortslage von Dahlen.

Waldsee Dahlener Heide
Waldsee an der Dahle

Dahlen mit Barockschloß

Ich empfehle Dir, am Ende des Radwegs leicht schräg in die kleine Anwohnerstraße einzubiegen. Während links noch ein paar bebaute Grundstücke liegen, beginnt auf der rechten Seite schon der Schloßpark. Denn Dahlen hat ein Barockschloß.. oder das, was leider davon nur noch übrig ist.

Dahlener Heide Barockschloß Dahlen
Ruine Barockschloß Dahlen
Schloß Dahlen
Im Hof vom Schloß
Dahlen Schloßpark
Schloßpark

Im März 1973 brannte das Schloß weitgehend aus. Damals war darin v.a. das Internat einer Agrar-Fachschule untergebracht. Die ausgezahlten Versicherungsgelder wurden für den Neubau eines Internats verwendet und nicht für die Sicherung und Restaurierung des Schlosses. So stand die Ruine ungeschützt 20 Jahre lang dem Wetter ausgesetzt. Seit ersten Sicherungsmaßnahmen Anfang der 90er Jahre wurde Schritt für Schritt ein einigermaßen passabler baulicher Erhaltungszustand erreicht. Etwa um das Jahr 2010 hat sich ein Dahlener Schloß- und Parkverein gegründet, der die Restaurierung anstrebt und schon jetzt Führungen sowie verschiedene Veranstaltungen organisiert.

Schloßgeschichte erstmal überspringen

Geschichte des Dahlener Barockschlosses

Aufbau und Gestaltung des Schloß Dahlen

Das Barockschloß von Dahlen wurde in den Jahren 1744 bis 1751 auf dem Gelände eines alten Rittergutes vom Reichshofrat Heinrich von Bünau errichtet. Dieser war weithin bekannt als Historiker und Buchliebhaber mit einer Bibliothek von rund 40.000 Bänden. Außerdem studierter Justitzrat und Präsident des Appellationsgerichts. Ab 1740 stand er im Dienste Kaiser Karl des 6., später des 7.

Dahlener Heide - Schloß Dahlen Repro
Schloßrepro – Darstellung leider hinter spiegelndem Glas

Das Schloßgebäude hatte den Grundriß eines H und entsprach im Stil dem Dresdener Barock. Über Terrassen war das Schloß ostseitig mit dem Schloßpark verbunden.

In den Jahren von 1756 bis 1759 wurden von Adam Friedrich Oeser, dem Zeichenlehrer Goethes, im Kaisersaal, im Großen Festsaal sowie der Eingangshalle und im Treppenhaus Deckenmalereien im Wiener Barock und Klassizismus eingebracht.

Auch in Dahlen unterhielt der Bibliothekar Johann Joachim Winckelmann eine Bibliothek als Teil der großen Büchersammlung von Bünaus.

Historischer Höhepunkt – Beendigung des Siebenjährigen Krieges

Anfang 1763 fanden im nahen Schloß Hubertusburg in Wermsdorf die Friedensverhandlungen zur Beendigung des Siebenjährigen Krieges (1756- 1763) statt. Der Preußische König Friedrich II. (der „Alte Fritz“) redidierte in diesen Tagen im Schloß Dahlen und unterzeichnete am 21.Februar 1763 dort auch den Friedensvertrag. Mit diesem „Hubertusburger Frieden“ wurde der Siebenjährige Krieg beendet. Der Alte Fritz fand den Aufenthalt „Wirklich ganz kapabel, fast schon exquisit!“ und verlängerte bis zum 13.März des Jahres.

Im Jahr 1851 wurde das Schloß Eigentum der Familie Sahr von Sahrer. Diese lebte bis zur Enteignung durch die Bodenreform 1945 im Schloß Dahlen und konnte durch Warnungen in letzter Minute der Verhaftung und Deportation entgehen. Sämtliche noch verbliebenen Kunstgegenstände einschl. einer Ahnengalerie der früheren Besitzer wurden aus dem Schloß in die Dresdener Sammlungen überführt.

Bis zum Jahre 1954 diente das Schloß als Polizeischule. Danach kam es in den Immobilienbestand des DDR – Landwirtschaftsministeriums und wurde Ingenieurschule für Fleischwirtschaft.

Brand und Zerstörung

Am 20.März 1973 brennt das Schloß wegen eines unsachgemäßen Ofenrohr- Anschlusses. Der Mittelbau wird weitgehend zerstört, die relativ wenig beschädigten Seitenflügel werden kurze Zeit darauf durch politisch entschiedenen Abriß der Dachkonstruktion beraubt. Noch im Jahr der friedlichen Revolution 1989 wollte der SED – dominierte Rat des Kreises die bis dahin schutzlos dem Wetter ausgesetzte Ruine abreißen lassen. Doch die veränderten Machtkonstellationen verhinderten dies.

Sicherung und Erhaltungsmaßnahmen

Anfang der 90er Jahre wurden durch die Stadt Dahlen erste Sicherungsmaßnahmen wie ein Notdach umgesetzt.

Größere Fortschritte in der Erhaltung und Sanierung gibt es seit dem Engangement von Bürgern im Dahlener Schloß – und Parkverein. So wurde ein besseres Schutzdach geschaffen und alle Räume wieder öffentlich zugänglich gemacht. In einer eigenen Werkstatt wurden 2014 Fenster für den Südflügel geschaffen und eingesetzt. Im Rahmen eines workcamps konnte 2017 im Spiegelsaal und im Kaisersaal mit Hilfe von unentgeltlich arbeitenden Parkettlegern aus ganz Europa hochwertiges Parkett verlegt werden.

Doch bis zu einer vollständigen Wiederherstellung ist es noch ein weiter Weg. Bisher konnte keine Finanzierung gesichert werden.

Infoquellen: Schloßverein Dahlen, wikipedia de

Rathaus, Markt und Sackhupper – Skulptur

Der Marktplatz von Dahlen wurde in den letzten Jahren einiger Schönheits-Kuren unterzogen und kann sich auch ganz gut sehen lassen. Insbesondere das Rathaus macht was her. Allerdings ist der Platz nicht sehr belebt – wie das ist ostdeutschen Kleinstädten leider oft der Fall ist. An einer Ecke gibt es einen Bio-Laden, neben der Straße Richtung Belgern einen Döner/Pizza/ indisch- Imbiß. Zumindest dort kannst Du im Sommer auch mal draußen sitzen. Aufgrund der Sackhupper – Legende stand neben dem Brunnen ein Sackhüpfer – Denkmal.

Dahlener Heide Rathaus
Rathaus Dahlen

An der Straße in Richtung Oschatz liegt der Busbahnhof und ein innerstädtisches Handelsgebiet mit Blumenladen und REWE-Markt. Auch eine Post-Filiale und ein weiterer Imbiß sind dort zumindest in der Woche geöffnet. Zum Bahnhof findest Du über die Straße nach Luppa, etwa 1,5km vom Markt entfernt nach Süden.

Weitere Möglichkeiten für Radtouren in der Dahlener Heide

Mit diesem „Rundumschlag“ hast Du einen großen Teil der südlichen Dahlener Heide bereits kennengelernt. Und auch die größten highlights vor Ort. Nach Osten hin „franzt“ die Landschaft mehr in Offenland, kleinere Waldstücke, Bachauen und große Feldschläge „aus“.

Eine Option ist es, von Bucha über Zeukritz und Schöna nach Strehla weiterzuradeln. Dort gibt es an der Elbe wieder den Anschluß an den Elbe-Radweg. In Strehla bringt Dich eine Elbfähre ans östliche Ufer nach Lorenzkirch, von wo aus der Elberadweg ganz gemütlich nach Riesa verläuft.

Eine Rundtour, dann allerdings auf kleinen asphaltierten Ortsverbindungsstraßen wäre der Weg von Dahlen nach Bucha, Zeukritz -(Schöna) – Reudnitz (-Bockwitz-) und Lausa, von wo aus die alte Holzstraße an der Hospitalhütte vorbei zurück nach Dahlen führt. Persönlich würde ich ab Lausa allerdings wieder die Waldwege an der Jägereiche vorbei bevorzugen. Die Holzstraße ist teilweise eng und kurvig, mit kurzen steilen Anstiegen – alles, was von Autofahrern oft unterschätzt wird und für Radler Streß bedeutet.

Landesbuche Dahlener Heide
Von der Landesbuche steht nur noch ein Stumpf

Und wer den nördlichen Teil der Dahlener Heide mit den Schildbürgern in Schildau und dem Roland in Belgern noch nicht kennt, der kann gern von Schmannewitz aus zum Sieben-Quellen-Tal fahren und dort entweder direkt am Weißen Haus vorbei nach Sitzenroda oder über den A-Weg nach Ochsensaal und dort dann durch den Wald nach Schildau radeln. Dort findet Ihr dann den Anschluß im Beitrag zum Nordteil.

Dahlener Heide Wegweiser
Jede Menge Wanderwege

Ein Abstecher vom Elberadweg bietet sich ebenfalls an – umgekehrt zum o.g. Weg von Strehla aus abbiegen in die Dahlener Heide – Zeukritz, Bucha, Waldbad Schmannewitz. Wer genügend Zeit und Lust hat, fährt dann an Brehms Ruhe vorbei zur Jägereiche, von da aus umgekehrt wie oben beschrieben auf dem A-Weg westwärts, Siebenquellen-Tal und Schildau. Nach dem Besuch bei den Schildbürgern kann die Reise wie im Beitrag zum Nordteil beschrieben nach Belgern an die Elbe fortgesetzt werden. Und ab da gehts zurück auf den Elberadweg.

Zwei weitere Möglichkeiten für eine „längere Anfahrstrecke“: Bereits in Wurzen auf’s Rad setzen und an den Hohburger Bergen vorbei nach Frauwalde und Ochsensaal radeln. Oder in Kühren starten, über Heyda, Dornreichenbach nach Frauwalde und Ochsensaal.

Baden in der Dahlener Heide

In der Dahlener Heide gibt es mehrere Bade – Gelegenheiten, auch wenn das Gebiet immer wieder von Trockenheit heimgesucht wird. Im Nordteil schon erwähnt das Seebad in Schildau (mit Campingplatz) sowie das Bad Erlenbruch in Belgern. Hier im Text bereits vermerkt das Waldbad Schmannewitz. Ansonsten liegen kleine Badestellen an einigen Teichen: Dammühlenteich bei Ochsensaal, Buchaer Teich sowie bei Reudnitz, Zeukritz und Olganitz. Wer mit dem Auto von der B6 aus anreist, findet bei Luppa (südlich von Dahlen) eine große Bademöglichkeit in einer alten Kiesgrube. Vor allem die aufgestauten Teiche sind oft abhängig von der Wasserführung der speisenden Bäche.

Nordic Walking

Wer walker – fan ist, findet in Schmannewitz drei ausgewiesene Routen für nordic walking von 8,6km (zur Dahle-Quelle) bis 18 km über den Großen Rundweg. Eine etablierte lokale Gruppe lädt ca. 2x im Monat Sonntags zum gemeinsamen „walken“ ein. Zweimal jährlich werden auch walking – Aktionstage auf den Rundwegen angeboten.

Daneben sind außerdem verschiedene Wander – Rundwege gekennzeichnet und leiten Dich beim Wandern zu den oben meist schon erwähnten Zielen in der Heide.

Harzgewinnung in der Dahlener Heide

In der Dahlener Heide sind noch einige alte Kiefern zu finden mit großen V-förmigen geriffelten Flächen. Da der Zugang zu Weltmärkten beschränkt und Valuta knapp waren, wurde in der DDR versucht, möglichst viele verschiedene Rohstoffe aus eigenen Ressourcen zu gewinnen. Einer der Rohstoffe war das Baumharz der Gemeinen Kiefer, welches in der Chemieindustrie zu Terpentin und Kolophonium destilliert wurde. Diese Grundstoffe konnten dann weiter verwendet werden in der Farben- und Lackherstellung, für Klebstoffe, Schmiermittel, Dichtungen und in anderen Bereichen.

Dahlener Heide - Harzbaum bei Schildau
Geharzte Kiefer

Für die Harzgewinnung gab es extra den Beruf des Harzers. Diese Leute waren eigentlich den ganzen Tag im Wald unterwegs. Im Winter wurden mit Hilfe von Bügelschabern die zu beharzenden Flächen von der äußeren Borke befreit. Im Frühjahr wurde dann eine senkrechte Tropfrinne gezogen, an deren unterem Ende eine Halterung eingeschlagen wurde. Über diese lief das Harz in einen Glaspott, der in etwa die Form eines Blumentopfes hatte. Pro Woche wurden an jedem Baum ein bis zwei V-förmige Rillen in Richtung Tropfrinne neu gezogen.

Der Ertrag hing stark vom Wetter ab, warmes und feuchtes Wetter lies den Baum stärker „bluten“. Denn mit dem Harz versuchen Bäume, ähnlich wie Blut beim Menschen, Wunden zu schließen und Krankheitserreger sowie Pilzbefall abzuwehren. Pro Saison konnte ein Harzer von 3000 Bäumen bis zu 9 Tonnen Harz gewinnen. Normalerweise wurden die Bäume dann innerhalb der nächsten Jahre geschlagen – die Kiefer gilt mit 80 Jahren als „hiebreif“. Durch die Veränderungen in der Forstwirtschaft, ungeklärte Eigentumsverhältnisse und fehlendem Bedarf nach dem „Beitritt der DDR“ sind die Fällungen aber oftmals bis heute ausgeblieben. So sind selbst jetzt, über 30 Jahre nach den letzten Harzungen in der Dahlener Heide noch Kiefern mit den typischen Harzungs – Narben zu finden. Der Beruf des Harzers ist in Deutschland inzwischen ausgestorben – die Harzgewinnung in warmen Billiglohnländern ist profitabler. Nur im Süden Österreichs gibt es noch Harzer als „immaterielles kulturelles Erbe“, dort eher Pechler und der Vorgang Pechlerei genannt.

Die Anreise in den südlichen Teil der Dahlener Heide

Mit der Bahn

Oben schon kurz angedeutet befindet sich Dahlen mit dem Bahnhof direkt an der Regional-Expreß-Strecke* Leipzig – Dresden. Die RE halten in Dahlen. Von Leipzig aus können Fahrräder kostenlos mitgenommen werden, da Dahlen im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) liegt Im MDV- Gebiet ist die Fahrradmitnahme im Schienen-Nahverkehr frei.

An gleicher Strecke liegen die Stationen Wurzen und Kühren, die als längere Anreise-Alternative genannt sind. Bis Wurzen fährt regelmäßig die Leipziger S-Bahn. (S4)

Zwischen Dahlen und Torgau Bhf fährt ein sogenannter Plus-Bus (Linie 781) auch am Wochenende. Leider auf direktem Wege, ohne wirklich das Gebiet zu erschließen. In die Heide kommst Du nur von den Haltestellen in Schmannewitz und Sitzenroda.

Mit dem PKW oder Mietwagen

Mit eigenem Fahrzeug oder Mietwagen* ist die Anreise über die B6 (Leipzig – Dresden) bis Luppa möglich. Wer über die Autobahn A 14 kommt, sollte in Mutschen abfahren und über Wermsdorf, Luppa nach Dahlen gelangen.

Unterkünfte in der Dahlener Heide

Wer bereits in Kühren aus dem Zug steigt und nur wenig mit Gepäck radeln möchte, findet eine Unterkunft in der wunderschön restaurierten Villa am Rittergut Heyda.* Zwei Schlafzimmer sind verfügbar – das eine mit Doppelbett, das andere mit Doppelstock-Bett. Also können bis 4 Gäste die Herberge nutzen. Küche mit Backofen und Kaminzimmer vervollständigen die Angebote. Draußen kann auch gegrillt werden. Über Frauwalde und Ochsensaal gehts ab in die Heide!

In Schmannewitz kannst Du Deine Ferienwohnung bei Fam. Deutschmann* buchen. Diese ist für vier Personen bestens geeignet, es können aber auch bis 6 werden (Schlafsofa im Wohnzimmer). Küche und Bad sind gut ausgestattet, im Garten kann gegrillt und Tischtennis gespielt werden. Von Schmannewitz aus sind alle Ziele in der Dahlener Heide mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Es lockt das Waldbad! Einkaufen ist in Schildau oder Dahlen möglich. Von Schmannewitz durch den Wald über Ochsensaal oder Sitzenroda ist der Besuch bei den Schildbürgern eine schöne weitere Routenoption!

Wirklich mitten in der Dahlener Heide liegt die Pension Lausa*. Der Bungalow bietet Platz in jeweils 2 Einzelbetten in zwei Schlafzimmern. In der einfachen Küche gibt es Herdplatte, Mikrowelle und Wasserkocher für die Essenbereitung. Hier sind Ferien mit Hund oder anderem Haustier möglich. Einkaufen geht in Schildau oder Belgern. Der Anschluß an die Südtour gelingt über die o.g. Jägereiche. Belgern ist das nächstliegende Oberzentrum.

Die Ferienwohnung Kraußnitzbach* findest du in Neußen, was zu Belgern gehört. Das liegt schon mehr am östlichen Rand der Dahlener Heide und ist ideal, wenn Du vom Elberadweg kommst oder dort fortsetzen möchtest. Zwei Personen können das Schlafzimmer mit Doppelbett nutzen. Zusammen mit dem Schlafsofa im Wohnzimmer finden bis zu 4 Gäste Platz. Mit der gut bestückten Küche sowie dem Grill im Garten kannst Du Dich selbst versorgen. Einkäufe sind in Belgern möglich.

Auch Wohlau gehört zu Belgern und liegt am östlichen Rand der Dahlener Heide. Dort findet sich das Ferienhaus Fuxbau* – als Einzigstes der hier genannten mit Pool! Ferien mit Hund oder anderen Haustieren sind möglich. Auch Fahrräder können ausgeliehen werden. Drei Schlafzimmer bieten Platz für bis zu 5 Gästen.

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