Mit dem Flußboot durch Frankreich

Mit dem Flußboot durch Frankreich

So’n Mist! Hustend und qualmend gibt der Außenborder seinen Geist auf. Endgültig diesmal. Mit viel Glück und ein wenig paddeln erreiche ich gerade noch so das Kanalufer und meinen „Liegeplatz“. Zwei Eisenhaken in der Uferböschung. Mehrere Tage habe ich jetzt schon an dem Außenborder herumgeschraubt, den Vergaser auseinander genommen, die Düsen gereinigt, die Benzinleitung durchgeblasen, alles montiert – nichts. Eine Meile mit Müh und Not über den Kanal, mit dem prustenden Motor am Heck eine Runde und schnell zurück. Das war’s, ruhe in Frieden.

Informationen zu Flußfahrten und Hausboot-Urlaub ganz unten!

Frankreich - Camargue Flamingos
In der Camargue

Bis zur Küste am Mittelmeer sind es 12sm, Segeln geht nicht, davor kommen noch 3 Brücken. Ich sitze hier fest. Im Canal du Rhone a Seté, Camargue, am Rande von einem kleinen Nest in Südfrankreich. Klar, die Gegend ist schön und für Ende Oktober noch richtig warm. Mit dem geborgten Fahrrad vom Nachbarboot war ich schon in Nimes, in Aigues Mortes und in Le Grau du Roi an der Ausfahrt aus dem Kanal in den Golf d‘ Aigues – Martes. Doch draußen segeln, runter nach Barcelona und weiter, wird wohl in diesem Jahr nichts mehr.

Flußboot in Frankreich Hausboot - Liegeplatz  Le Grau du Roi
Le Grau du Roi – Kanalausfahrt ins Mittelmeer

Etwas geschafft und enttäuscht laufe ich am Kanal entlang in Richtung Waschraum. Da spricht mich Patrick an, ein Engländer, der seit ein paar Tagen mit einem Segelboot hier liegt. Er sieht wohl, daß meine Laune nicht die beste ist. Als ich ihm kurz erzählt habe, was Sache ist, macht er mir einen Vorschlag. Im Norden Frankreichs, in der Nähe von Soissons hat er noch ein Boot liegen, einen alten Flußfrachter, der bis vor kurzem als Hausboot in Amsterdam gedient hat. Er hat dieses gekauft und will den Dampfer so schnell als möglich auch noch hierher bringen. Jetzt lädt er mich dazu ein, ihn zu begleiten, da es alleine nicht so sehr schön ist, den ganzen Tag am Ruder zu stehen und die Flüsse und Kanäle langzuschippern.

Na gut, denke ich, das ist zwar nicht das Mittelmeer, aber wenigstens unterwegs mit einer Maschine die läuft. Und auf einem Hausboot, das wollte ich schon immer mal probieren. Also sage ich ja, gleich mit der Einschränkung, daß ich nur reichlich eine Woche dafür Zeit habe. Blöderweise hab ich zu Hause noch eine Dia-Show verabredet am übernächsten Wochenende, das kann ich nicht einfach absagen.

Die schöne Stadt Aigues Mortes in Südfrankreich Hausboot - Hafen
Über Aigues Mortes zum Mittelmeer

Am Nachmittag besorgt Patrick einen kleinen Mietwagen und wir fahren los. Er erzählt mir eine ganze Menge, er ist so ein richtiger Dauer-Entertainer. Scheint auch wenig Berührungsängste zu haben. Unterwegs gibt’s schon bald eine kleine Planänderung. Bis Soissons schaffen wir heute sowieso nicht mehr. Da machen wir besser noch einen Umweg über Grenoble. Dort habe er eine Freundin, die will er doch gleich mal besuchen. Na, mir soll’s recht sein, ich bin da flexibel.

Allerdings verstört mich sein Fahrstil immer mehr. Er ist offensichtlich ziemlich müde und unkonzentriert und schlenkert über die ganze Fahrspur. So kann’s nicht weitergehen, da kommen wir nicht mal bis zu seiner Freundin. Also überrede ich ihn, daß ich weiterfahre. Sehr zu meiner Erleichterung. So lange es einfach nur die Autoroute weitergeht, schläft er jetzt neben mir.

In Grenoble lotst er mich zur Wohnung seiner Freundin. Wow, eine attraktive Dame, etwa in meinem Alter! Das hätte ich Patrick gar nicht zugetraut. Da wäre ich sicher auch weich geworden 😉

Sie ist sehr angetan von unserem Besuch und stört sich überhaupt nicht daran, daß ich sozusagen als Anhängsel mit dabei bin. Es ist schon spät abends, wir bekommen noch ein Nachtmahl serviert und dann wird mir eine Luftmatratze im Kinderzimmer der Tochter zugewiesen. Die beiden verschwinden im Schlafzimmer.

Am anderen Morgen ist nichts mit Ausschlafen. Das Mädel muß beizeiten zur Arbeit, vorher noch die Tochter in den Kindergarten bringen. Doch es gibt ein gutes Frühstück mit starkem Kaffee, danach geht es zurück auf die Piste. Nach kurzer Zeit habe ich die Fahrkünste von Patrick wieder satt und übernehme die Fahrerei. Es dauert Stunden, bis wir in Soissons ankommen. Hier im Norden ist es schon eisig kalt und es liegt etwas Neuschnee. Und ich bin nur mit dünnem Schlafsack unterwegs..

In der Abenddämmerung sehe ich am Ufer eines ruhig dahinfließenden Flußlaufs den Dampfer liegen. Ein schöner alter Frachtkahn. Die Luken zum Laderaum nehmen den Hauptteil des Decks ein. Dahinter steht das Ruderhaus, holzverkleidet, und dann noch ein kleines Achterdeck mit Winde und den Lüftern vom darunter liegenden Maschinenraum. Unter Deck ist viel Platz – der Laderaum ist ein großes, bei den Temperaturen aber kaum gemütliches Wohnzimmer – nur noch nicht wirklich eingerichtet. Im Bug links eine kleine Küche, gegenüber Waschraum, Dusche und Toilette. Davor noch zwei Kabinen, ich bekomme die linke mit einem schmalen, kurzen Doppelstock-Bett.

Flußboot / Hausboot in Frankreich
Mit dem Flußboot auf einem Kanal

Es ist sogar eine Heizung installiert, aber bei der Kälte und dem Stahlrumpf ohne Isolierung die blanke Geldverbrennungsanlage. Doch im Laderaum steht ein Ofen, und so machen wir uns gleich noch daran, das nahegelegene Wäldchen nach Feuerholz abzusuchen. Auf dem Vorschiff stapelt sich nach kurzer Zeit ein Brennholz-Haufen. Im Kanonenofen unter Deck prasselt ein Feuerchen, was in dem großen Laderaum jedoch nur einer Ecke halbwegs wärmt. Wir versuchen uns an einer deutsch – britischen Spielerunde, aber bald verschwinde ich in meiner Koje. Es ist nicht gerade warm, aber so einigermaßen komme ich klar und finde meinen Schlaf im Sommerschlafsack und mit einer Decke.

Am nächsten Morgen halten wir uns nicht lange auf. Frühstück, dann gehts los. Wir fahren einen Flußlauf der Aisne entlang, der dann fast nahtlos in einen Kanal übergeht. Hier sind schon im 19. Jh. parallel zu den mäandrierenden Flüssen Kanäle geschaffen worden, die die vielen Windungen abschneiden und für einen gleichmäßigen Wasserstand sorgen, wodurch ein weitverzweigtes schiffbares Netz an Wasserwegen entstanden ist. Die Flüsse liegen, teilweise ein Stück tiefer als die Kanäle, daneben und bilden weitläufige Auen. Wenn es nicht naßkalter November wäre, könnte es richtig schön sein. Obwohl, auch diese nebelige Stimmung hat ihren Reiz.

Es dauert nicht lange, dann bin ich derjenige, der pausenlos am Ruder steht, oder sitzt. Patrick muß nur mal schnell… Naja, er hat keine innere Ruhe, um so eine ausdauernde gleichförmige Tätigkeit übernehmen zu können. Kaum steht oder sitzt er mal, muß er wieder aufspringen und noch irgendwo hin. Das geht soweit, daß er an einer der ersten Schleusen sein Fahrrad nimmt, mir das Schiff überläßt und nur noch schnell wo weiß ich was besorgen muß! Nun stehe ich also allein am Steuer eines nicht gerade kleinen Lastkahns in einem fremden Land auf unbekannten Kanälen und fahre ohne Plan einfach dalang, wohin dieser endlose Kanal führt. Patrick will später wieder zusteigen. Nichtmal eine Karte habe ich von diesen Wasserstraßen.

Schleusenausfahrt Hausboot in Frankreich
In der Schleuse geht es eng zu.

Da ist mir schon etwas mulmig zumute. Wirklich schön läßt sich dieses Schiff auch nicht steuern. Es hat keinen Kiel, ist also ein Flachboden-Schiff und der Laderaum ist leer. D.h. es schwimmt hoch auf dem Wasser – jede Windböe drückt es aus der Richtung. Ein endloser Schlingerkurs. Und dann die Größe – über 20 m lang. Ich habe zwar einen Sportbootführerschein, aber ob der für solch einen dicken Pott auch gilt, keine Ahnung. Zum Glück ist es bisher ruhig und kaum weiterer Schiffsverkehr.

Nach reichlich einer Stunde kommt auf dem Uferweg querab Patrick wieder angeradelt. Aber jetzt muß ich erstmal einen Platz zum Parken finden. Gerade in dem Abschnitt ist ziemlich viel Geröll am Ufer, da möchte ich möglichst nicht drauffahren. Nach einigen hundert Metern kommt an der richtigen Seite eine kleine Wehranlage eines Umfluters. Davor liegen an ein paar Dalben ältere Arbeitsboote. Ich lege mich einfach da dran und mache an einer der Barkassen fest. Als Patrick wieder an Bord ist, bin ich erstmal ziemlich erleichtert. Nicht, daß er so eine große Hilfe ist, aber im Geiste habe ich die Verantwortung gerade mal wieder auf seinen Schultern abgelegt.

Hausboot in Frankreich - Steuermann
Steuermann

Gegen Abend erreichen wir eine weitere Schleuse. Die wird heute schon nicht mehr bedient. Verdammt, und morgen ist Sonntag. Da ist gleich gar keiner mehr da. D. h. wir müssen einen Liegeplatz suchen und haben dann einen Ruhetag.

Das Ufer ist hier ziemlich hoch, wie eine Wand. Davor stehen ein paar Dalben im Wasser, an denen wir festmachen können. Aber so einfach ist das nicht. Es ist Samstag und Patrick besteht auf freiem Südblick. Keine Bäume oder andere Hindernisse bitte unmittelbar vor dem Boot. Denn sonst funktioniert seine Sat-Schüssel nicht und er kann keine Fußball – Zusammenfassungen sehen. Na gut, noch ein Stück vor und ein wenig manövrieren, dann haben wir es soweit geschafft. Es ist bereit finstere Nacht, aber mit Vollmond und klarem Sternenhimmel. Und entsprechend kalt. Blos gut, daß wir noch einiges an Feuerholz vom ersten Tag an Bord haben.

Am Sonntag schlaf ich erstmal aus. Es ist nicht gerade warm in meiner Koje, aber was soll’s. So richtig was zu tun ist sowieso nicht. Nach dem Frühstück erkunden wir, wie wir an Land kommen. Da führt ein schmaler Eisengittersteg von einem der Dalben zur Ufermauer. Von dort ein paar Klampen an der Wand entlang nach oben. Oberhalb ist der Uferweg, ansonsten – nichts. Naja, der ganze Reichtum und Stolz eines lokalen Bauern sicherlich, nämlich Feld. Feld, Feld, Feld. Und Novembernebel.

Kleiner Spaziergang auf dem Uferweg. Das ist allerdings schnell langweilig. Weil es aber auch nicht die geringste Abwechslung gibt. Zurück an Bord mache ich mir ein Fahrrad klar. Mit Mühe balanciere ich damit über den Steg und hieve das Teil die Wand nach oben. Wir bringen noch ein zweites Rad hoch, dann fahren wir damit ins nächste Dorf. Beim Bäcker, äh, pardon, in der Patisserie bekommen wir frische Baguette und noch ein paar lecker Croissants. Etwas Abwechslung an diesem Novembertag.

Zurück an Bord unterhalten wir uns. Mein Englisch ist nicht so besonders, aber es hilft, mal wieder etwas zu üben. Patrick gibt sich Mühe, einigermaßen verständlich zu reden. Er hat länger beim Film gearbeitet und stellt sich vor, in dem Boot eine kleine private Filmschule aufzumachen. Mein Eindruck ist eher, er ist dabei, sein wohl nicht ganz unbeträchtliches Vermögen (zumindest im Vergleich zu mir) durchzubringen, indem er gebrauchte Boote und Camper kauft, mit denen er gar nicht umgehen kann.

Denn er berichtet mir auch, daß er kürzlich noch in England ein Hymermobil gekauft hat und mit dem großen Wagen überhaupt nicht klar gekommen ist. Deswegen ist er umgestiegen, auf die Segelyacht, die jetzt neben meinem Boot in Südfrankreich liegt und das Hausboot, auf dem wir gerade einen langen Novemberabend in Nordfrankreich verbringen. Dann erzählt er, daß er einige Zeit in München an einer Hochschule (der Filmhochschule?) gearbeitet hat und ein wenig deutsch sprechen gelernt hat. Was dann kommt, ist kein deutsch, sonder bayerisch. Da merkt er schnell, daß ich dagegen eine ausgeprägte Allergie habe, und fängt mit Freuden an, mich damit aufzuziehen. In den nächsten Tagen versucht er immer mal wieder, mich damit zu foppen – mir bleibt da nichts, außer gleich mit richtig dreckigem sächsisch zu kontern.

Am Montag können wir endlich weiter. Wir machen los, bringen uns vor der Schleuse in Warteposition, die Tore öffnen sich und ab gehts. Der Schleusenwärter grüßt noch kurz und wir sind oben. Da wir jetzt eine Flußgabelung erreicht haben, wird der Verkehr stärker. Immer öfter überholen uns Lastkähne, meist Belgier, manchmal Holländer, selten Franzosen. Die Schiffe haben genau die passenden Größen – an vielen Schleusen sind links und rechts kaum 10 cm Platz zwischen Boot und Schleusenwand. Aber angepaßt, und es scheint zu funktionieren – offenbar werden hier viele Waren per Boot transportiert.

In Deutschland will man dagegen die Flüsse anpassen, sprich vergrößern und aufstauen, damit dort überall und jederzeit dicke Schiffe fahren können. Im Westen sind die Flüsse großenteils bereits Betonrinne, im Osten droht man der Elbe und einem Teil der Saale immer wieder mal das Gleiche an. Hier in Frankreich hat sich wohl ein Standard-Maß für die Schiffe aus dem 19. Jh. durchgesetzt.

Rechts von uns am Ufer liegen Birkenholz-Stöße, fein zurechtgesägte Stämme in handlichen Stücken. Patrick stoppt daneben mal, er hat da keine großen Skrupel, so einen Stoß auf’s Vorschiff umzulagern. Offenbar ist er doch sehr um die Wärme in meiner Koje besorgt.

Flußboot in Frankreich vor dem Tunnel - Hausboot
Warten vor dem Tunnel

Wir erreichen Reims. Vor Jahren war ich mit einem Freund in Reims und fand die Wasserstraßen, die Hausboote und die Uferatmosphäre so toll. Damals habe ich bei mir gedacht, das wäre auch mal ein Erlebnis, mit einem Boot über die Flüsse zu fahren. Jetzt hatte sich das ganz unerwartet so ergeben!

Reims mit Hausboot gut erreichbar - Kathedrale
Reims – Kathedrale

Am Rande eines Parks finden wir einen Liegeplatz neben den Hausbooten, die im Kanal als lokale Wohn – Alternative liegen . Dort machen wir für diesen Abend fest. Für mich eine gute Gelegenheit, mal wieder durch diese schöne Stadt mit ihrer beeindruckenden Kathedrale und den vielen hübschen Damen zu schlendern. Letztere zeigen sich aber reichlich unbeeindruckt von meiner wohl schon etwas heruntergekommen aussehenden Flußschiffer- Gestalt.

Südlich von Reims bemerken wir auf einmal, daß die Batteriespannung stark sinkt. Normalerweise lädt ja der Diesel während der Fahrt die Batterien genau so, wie beim Auto. Doch irgendetwas stimmt nicht. Patrick bekommt nicht gerade Panik, aber irgendwie ist das, was dann kommt, in meinen Augen doch ziemlich kopflos. Er sucht nicht nach möglichen Ursachen des Spannungsabfalls, sondern macht sich auf, um starke Batterie- Ladegeräte zu kaufen. Ein Notstrom-Aggregat gibt es an Bord, damit könnten die Batterien geladen werden. Schon klar, wenn diese zu schwach sind, startet der Diesel nicht mehr und wir hängen energielos irgendwo am Ufer.

Jedenfalls – Patrick spricht während der Vorbeifahrt mit seinem recht holperigen französisch irgendwelche Spaziergänger an und bittet diese, ihn zu einem Baumarkt zu fahren. Und die sind auch noch einverstanden, ohne Verzögerung geht Patricks Plan auf.

Dafür bewundere ich ihn schon, daß er so selbstbewußt mit einem miserablen französisch (das es schlecht ist, höre sogar ich, der ich kein französisch kann!) alle möglichem Menschen ohne Umschweife anspricht und kriegt, was er will. Mich hat er ja auch so angesprochen (o.k. auf englisch), seine französische Freundin hat er so gekriegt ( und die scheint ihn echt zu lieben und sich Hoffnungen auf eine feste Partnerschaft zu machen) und jetzt diese Spaziergänger! Es ist für mich fast ein Wunder, da ich in solchen Dingen immer eher zögerlich bin und lieber versuche, Probleme aus eigener Kraft zu bewältigen (wodurch ich mir wohl einige Lösungskompetenzen mehr angeeignet habe). Jedenfalls habe ich immer die Befürchtung, jemanden zu belästigen – aber offensichtlich funktioniert das anders auch!

Die Folge – ich bin wieder einmal allein an Bord und dampfe inzwischen Kilometer für Kilometer nach Süden. Zum Glück kommen erstmal keine Schleusen, an der nächsten Schleuse will Patrick wieder zusteigen.

Und das tut er auch – mit zwei dicken (bestimmt nicht ganz billigen) LKW-Batterie-Ladegeräten in der Hand – die Spaziergänger haben ihn mit dem Auto zum Baumarkt gefahren und danach bis zur vereinbarten Schleuse. Damit ist zumindest erstmal die Energiesicherheit halbwegs geklärt. Die Ursache für die schleichende Batterie-Entladung aber nicht.

Flußboot in Frankreich - Hausboot im Tunnel
Mit dem Schiff im Tunnel

Auf dem nächsten Abschnitt kommt nochmal was Spannendes – Tunnel. Das habe ich auch noch nicht gekannt. Da beim Bau der französischen Wasserwege einige Berge im Weg waren, wurde der Kanal einfach mal durch einen Tunnel geleitet. Diese sind Einbahnstraßen mit Ampelregelung. D.h. wir müssen warten, bis zwei Schiffe in der Gegenrichtung passiert haben. Vor uns liegt noch ein Belgier, dem wir dann die Vorfahrt lassen und wir schließen uns schnell an, bevor die Ampel wieder auf Rot geht. So fahren wir einige hundert Meter unter einem Bergzug hindurch.

Inzwischen wird es immer kälter. Patrick entschließt sich, abends die Heizung anzuwerfen. Deshalb machen wir einen Stop in Chálons-sur-Marne und er telefoniert mit einem lokalen Heizöl- Lieferanten. Nach einer Stunde steht der Tankwagen neben dem Schiff auf der Pier und der Fahrer diskutiert noch eine Weile, ob wir nicht das Öl mit dem Diesel verbrennen wollen. Das wäre wie überall natürlich Steuerbetrug. Aber als er dann die Heizanlage mit eigenen Augen gesehen hat, läßt er sich überzeugen und füllt den Heizungstank.

Flußboot in Frankreich - nach Tunnelausfahrt mit Hausboot
Nach dem Passieren eines Tunnels

Naja, das ist nun auch nicht die beste Lösung. Wenn wir mit der Heizung wirklich das ganze Schiff wärmen wollen, brennt die Flamme im Dauerlauf und wir können uns den Strudel im Öltank ansehen. Es ist eben kein kleines, gemütliches Hausboot, sondern ein alter Frachtkahn. Letztlich lassen wir die Heizung nur ein bißchen laufen und feuern in unserer abendlichen Sitzecke doch den Ofen an. So werden die nun ziemlich langen Abende erträglich.

Inzwischen neigt sich meine Zeit an Bord dem Ende entgegen. Patrick hat mit einem französischen Bekannten aus dem Süden telefoniert, der wird dazustoßen und meine Rolle übernehmen.

Olivier wurde im Grunde genauso rekrutiert wie ich – einfach auf der Straße angesprochen, nur daß er nicht sofort Zeit hatte, sondern sich jetzt erst auf diese Flußfahrt einlassen kann.

Während die beiden nun weiter in Richtung Rhone und dann über den Canal du Rhone a Séte zum Mittelmeer unterwegs sind, stelle ich mich bei Sant Dizier an die Straße und starte meinen Tramp zurück. So eine Tour mit dem Hausboot auf den französischen Flüssen und Kanälen ist schon ein schönes Erlebnis, aber das am Besten, wenn es draußen auch warm und alles grün ist. Dann kann das eine sehr angenehme und besondere Art sein, Frankreich zu entdecken.

Mit Hausbooten auf Flüssen und Kanälen Frankreich entdecken

Einige Informationen für die Hausbootfahrt in Frankreich

[wegen der Nennung von Anbietern zählt dieser Teil als Werbung]

Wie oben bereits angedeutet, hat Frankreich in weiten Teilen ein sehr ausgeprägtes Fluß – und Kanalnetz mit über 8000km befahrbaren Wasserwegen. Dieses kann mit Hausbooten erkundet werden und bietet damit einen sehr naturnahen Zugang zu den umgebenden Landschaften. Städte an Flüssen können per Boot ebenfalls besucht werden und das Hausboot dient dann als bequeme Übernachtungsmöglichkeit.

Mehrere Regionen sind besonders interessant:

Der „Star“ unter den Wasserstraßen ist der Canal du Midi im Südwesten Frankreichs, der die Stadt Toulouse mit Séte an der Mittelmeer – Küste verbindet. Der Canal du Midi ist sogar Weltkulturerbe der UNESCO! Diese Fahrt kann über den Canal du Rhone a Séte bis an die Rhone fortgesetzt werden. Dabei wird die Camargue mit ihren Flamingos und Camargue – Pferden passiert.

Hausboot Frankreich Reims Hafen
Freizeithafen in Reims

Sehr schön ist auch die Region Nord-Ost mit Marne, Meuse (Maas) und Moselle (Mosel) sowie kleineren Flüssen wie Aisne und Oise. Neben wunderschönen Flußtälern und Chateaus liegen kleinere und größere Städte wie Reims an diesen Wasserstraßen.

Etwas isoliert, also nicht verbunden, aber trotzdem mit eigener Schönheit ist das Gebiet der Loire mit Nantes und Angers, welches die Bretagne im Westen berührt und an den Atlantik heranreicht.

Weitere wunderschöne Hausboot – Regionen findest Du auf der Übersichtskarte oder bei den Hausboot – Anbietern. nautic-tours bietet hier kleine Gewässerführer zum download an. Eine Karte der befahrbaren Flüsse und Kanäle kann hier als .pdf – Datei heruntergeladen werden (Rechtsklick auf den link und „Ziel speichern unter… “ wählen).

Saison und Befahrbarkeit

Die größeren Flüsse und Kanäle sind ganzjährig befahrbar, also auch im Winter (solange kein Eisgang das Passieren verhindert). Das betrifft vor allem die Strecken, die auch von der Berufsschiffahrt genutzt werden. Einige Kanäle sind aber nur von Mai bis September befahrbar. D.h., die Schleusen werden abgeschalten und damit sind diese Wasserstraßen nicht mehr erreichbar. Leider konnte ich noch keine Übersicht finden, die genau diese Saisonzeiten enthält. Eine Übersicht über Schleusenöffnungszeiten und Feiertagsregelungen enthält die Übersicht im .pdf hier.

Hausboot Frankreich am Abend
Abendruhe am Liegeplatz

Zuständig für die öffentlichen Wasserstraßen ist die Behörde VNF – voies navigables de France. Die website der vnf veröffentlicht auch einige Informationen zum Bootstourismus auf den Wasserstraßen – leider ist die gesamte website nur auf französisch zugänglich. Wer also nach konkreten Informationen sucht, muß sich ggf. mit einem Übersetzer wie z.B. deepl.com behelfen.

Hausboot – Anbieter in Frankreich (bzw. in Europa)

Hausboote können in Frankreich i.d.R. ohne Führerschein gefahren werden und werden von verschiedenen Firmen angeboten. Einige Anbieter sind hier aufgeführt:

Viel Vergnügen mit dem Hausboot wünscht Sonnige Pfade!

Wer auf dem Hausboot unterwegs ist, sollte innere Ruhe mitbringen oder entwickeln. Stundenlang am Ruder sitzen sollte kein Problem sein, auch wenn die Landschaft draußen im sehr gemächlichen Tempo vorbeizieht. Vor allem bei sehr vielen Mitfahrern sind Fahrräder an Bord eine Empfehlung – so kann ein Teil der Crew auch mal aufs Rad umsteigen und die Gegend erkunden. Vor allem die Kanäle haben oft sehr schöne „Begleitwege“, die sich mit dem Rad gut fahren lassen. Tips für die Hausboot – Tour in Frankreich für Neulinge hat Angelika vom blog „wiederunterwegs“ zusammengestellt – ein Blick darauf ist auf jeden Fall zu empfehlen!


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