Durch Bulgariens Berge im Sommer 1989

Durch Bulgariens Berge im Sommer 1989

Letzte Reise durch die sozialistischen Bruderländer 1989

Teil 2 – Teil 1 hier

Die Nacht im Wartesaal des Bahnhofs von Русе (Ruse) verläuft unruhig. Ein paar äußerst lästige Fliegen sind unterwegs und machen sich einen Spaß daraus, die schläfrigen Reisenden abwechselnd zu bedrängen. Sie landen nicht einfach nur im Gesicht und laufen ein paar Runden, sie krabbeln gezielt in die Nasenlöcher und die Augen. Gerade die Hautschichten am Eingang der Nase erweisen sich als äußerst sensibel und dringen mit ihren Alarmsignalen auch in ein übermüdetes Gehirn. Da zeigt sich, wie lehrreich Cowboy-Filme sein können: Ich nehme meinen großen breitkrempigen schwarzen Schäferhut und lege diesen über mein Gesicht.

Aber das ist nur ein Teil der Störungen. Mindestens einmal pro Stunde kommt die ganze Nacht hindurch auch ein Zug auf diesem Bahnhof an. Vor allem die Fernzüge scheinen in Bulgarien hauptsächlich nachts unterwegs zu sein. Ob es daran liegt, daß im Grenzbahnhof Ruse fast alle internationalen Züge aus dem ganzen Ostblock durchrollen oder ob bewußt die Nacht zum Reisen genutzt wird, wenn die Hitze nicht ganz so erdrückend ist – keine Ahnung. Jedenfalls plärrt der große hölzerne Wartesaal – Lautsprecher für jeden einfahrenden Zug in voller Lautstärke mindestens zweimal seine Botschaften unter die Wartenden. Da kann nur weiterschlafen, wer eine Flasche Schlaftabletten auf einmal geschluckt hat.

Außerdem öffnet sich die Schwenktür des Wartesaals immer wieder mit lautem Knarren. Und läßt nicht nur Reisende hindurch, sondern auch zwei Uniformierte der Bahnhofsstreife. Die haben offensichtlich den Befehl, Bahnhofsschläfer nicht zu dulden. Das bedeutet dann, daß sie jedem, der ausgestreckt irgendwo liegt, mit dem Schlagstock ein paarmal aufmunternd gegen die Beine stoßen. Wenn ich mich dann schläfrig mit dem Oberkörper aufgerichtet habe, sind sie zufrieden. Haben sie ihre Runde beendet und verlassen den Wartesaal, kann ich mich wieder hinlegen. Bis sie etwa 1 1/2 bis 2 Stunden später wieder vorbeikommen und sich das Ritual wiederholt.

Wenig ausgeruht verlasse ich gegen Sieben am Morgen das Bahnhofsgebäude. Die Sonne steht schon recht hoch am Himmel und drückt bereits mit südländischem Temperament in die Landschaft. Noch etwas orientierungslos laufe ich durch die Stadt. Aber meine Stimmung ist gut, trotz der unruhigen Nacht. Heute will ich nach Софиа (Sofia) trampen, der Sonnenschein und die Freude, nun endlich in Bulgarien angekommen zu sein, sorgt für meine gute Laune. Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich es bis Sofia schaffe – wo morgen die Freunde von der Jungen Gemeinde ankommen sollten.

In einem Lebensmittel – Laden kaufe ich mir ein Glas Joghurt, welcher mein karges Frühstück mit etwas Frischem ergänzt. Das Warenangebot bei Lebensmitteln ist lückenhaft und deckt sich nur teilweise mit meinen Eßgewohnheiten. Ich muß mich da etwas umstellen und sehen, was ich daraus mache. Auf Märkten gibt es riesige Berge mit Wassermelonen, die gleich von der Ladefläche der Liefer – LKW aufgestapelt werden. Da kann man dann mit fachkundigem Klopfen und wissendem Grinsen den Kenner herauskehren und sich was passendes heraussuchen. Auch Paprika sind in großen Mengen als Frischware zu erhalten. Viele Bauern bieten an ihren Ständen einige Gläser mit Honig an, dazu auch Propolis (Kitt-Harz der Bienen) in großen dunkelbraunen Blöcken. Aber damit muß man sich schon auskennen, wie diese Medizin richtig und gesundheitsfördernd angewandt wird. Wenn man nicht zu spät kommt, gibt es auch Brot – große dicke Weißbrote, die poltern, wenn sie auf den Ladentisch geworfen werden. Viele Bulgaren kaufe davon gleich drei oder vier, das Brot ist sowieso schon trocken und hält sich einige Zeit. Ich mag das Brot eigentlich ganz gern (ich komme mütterlicherseits aus einer Bäckerfamilie), allerdings fehlen mir nach einigen Tagen die Ballaststoffe von richtigem Schwarzbrot. Das fängt dann richtig an zu kribbeln im Magen, echte Entzugserscheinungen, und dauert ein paar Wochen, bis sich das legt. Wichtig zu erwähnen ist außerdem der Шапска Сирен (Schapska Siren), der Schafskäse, den es ja inzwischen auch in deutschen Supermärkten gibt. Zusammen mit frischen aromatischen Tomaten ein echter Wohlgenuß. Naja, damit kann ein genügsamer Wanderer schon ganz gut leben…

Lange halte ich mich in der Grenzstadt Ruse nicht auf, ich mache mich auf die Suche nach einer Ausfallstraße, die mich auf den richtigen Kurs nach Sofia bringt.

Meine Tramperfahrungen in den beiden Jahren zuvor in Bulgarien sind gut. Und so ist es auch diesmal. Schon nach wenigen Versuchen hält ein alter Russen-LKW neben mir. Und das Fahrtziel ist – Sofia!

Tramp - LKW am Schipka-Paß in Bulgarien
Mein Tramp – LKW
Gasse im Museumsdorf Etyr bei Veliko Trnowo
Im Museumsdorf Etyr (mit meinem Fahrer)

Der Fahrer ist froh, für diesen langen Weg einen Begleiter zu haben. Noch ist es früh am Morgen und nicht gar zu heiß, aber bei höchstens 80 km/h braucht der LKW den ganzen Tag für diese Strecke. Meine Kraxe wird hinten auf der Pritsche abgelegt, denn im Führerhaus ist es ziemlich eng. Dann setze ich mich auf den Beifahrer – Sitz und die Fahrt geht los. Mit meinen Schul-Russisch – Kenntnissen kann ich mich etwas verständlich machen und auch einiges von dem zusammenreimen, was mir der Fahrer so erzählt. Der ist Anfang 30 und für eine Firma unterwegs. Zuerst geht es in Richtung Süden, durch die Donau – Ebene auf das Стара Планина (Stara Planina) Gebirge zu. Dieses verläuft mitten durch Bulgarien von Ost nach West und trennt die Donau-Ebene im Norden von der weiter südlich gelegenen Марица (Maritza) – Ebene. Als erste größere Stadt erreichen wir Велико Търново (Weliko Tirnovo), ein geschichtsträchtiger Ort mit tief eingeschnittenen Tälern und einem Berghang mit „Царевец (Zarewetz)“, den Resten des alten Zarensitzes. In den Jahren zuvor war das immer mein Abschiedsort für Bulgarien gewesen. Diesmal freue ich mich, hier bekanntes wiederzusehen.

Museumsdorf Etyr bei Veliko Trnowo - Wasserrad
Wassermühle im Museumsdorf Etyr

Ganz in der Nähe liegt ein Museumsdorf, Етър (Etyr). Mein Fahrer läßt es sich nicht nehmen, extra für mich dort anzuhalten. Wir streifen einige Zeit gemeinsam durch die historischen Pflasterstraßen. Dann beginnt der Anstieg über Serpentinenstraßen ins Stara Planina Gebirge. Mühsam kämpft sich der kleine LKW in die Berge. Den Scheitel überqueren wir auf dem Шипка (Schipka) – Paß (1308m). Auch das ist ein geschichtsträchtiger Ort. Denn hier wurde schon manche Schlacht geschlagen. Unter anderem gegen das osmanische Reich, welches die Bulgaren gemeinsam mit den Russen besiegen konnten und damit das Land befreien. Dieser Prozeß ist bis heute in Bulgarien unvergessen. Es ist der Grundstein dafür, daß die Bulgaren im Gegensatz zu den anderen weiter nördlich gelegenen Ostblock-Völkern ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu den Russen haben. Daran hat auch der Stalinismus und die kommunistische Zeit nicht allzu viel geändert. Während wir bei Tschechen und vor allem Polen auf die russische Sprache (die ja alle in der Schule lernen mußten) erst nach einigen Umwegen und wenig erfolgreichen Versuchen auf englisch (was für Slawen deutlich schwerer erlernbar ist) ausweichen konnten, war es in Bulgarien nie ein Problem, gleich russisch zu reden. Da die Sprachen sehr verwandt sind, verstehen die Bulgaren das auch ganz gut. Für uns war der große Vorteil des Russisch-Lernens, daß wir in Bulgarien schon mal die Schrift lesen können, die ja auch kyrillisch ist. Und eine ganze Menge der Wortstämme entziffern können, so daß wir uns den Inhalt weitgehend zusammenreimen konnten…

Am Schipka – Paß steht ein großes Denkmal für eine der historischen Befreiungs – Schlachten aus dieser Zeit. Und unweit davon, am Hang des Бузлуджа (Busludsha), ein (noch monumentaleres) Denkmal zur Gründung der Kommunistischen Partei mit einer 70m hohen symbolischen Fahne und einem Konferenzsaal für über 700 Gäste, der aussieht, wie ein in den Bergen gelandetes UFO. Ob letzteres Helden-Denkmal allerdings heute noch steht, konnte ich noch nicht herausfinden.

Bulgarien: Schipka Paß im Stara Planina Gebirge mit Freiheitsdenkmal
Schipka – Paß mit Freiheitsdenkmal
Budslusha - Denkmal zur Gründung der Kommunistischen Partei mit Konferenzsaal
Denkmal zur Gründung der Bulgarischen Kommunistischen Partei

An einer Raststätte in den Bergen machen wir die nächste Pause. Mein Fahrer hat Hunger und auch ich will die Gelegenheit für eine Stärkung nutzen. Leider ist das Angebot relativ beschränkt. Von meiner Vegetarismus – Konversion (siehe Teil1 ) muß ich hier vorübergehend Abstand nehmen. Das Einzige, was mir im Speisenangebot zusagt, sind Гебапщета (Gebaptscheta) – so eine Art fritierte Gehacktes – Röllchen, also dünne Klopse in Wurstform. Die sind auch ganz in Ordnung, mit Toast und Tomatenscheiben ein akzeptabler Imbiß. Zumal es hier nicht um Holland – Tomaten geht, sowas gab es im Ostblock noch nicht. Aromatisch wohlschmeckende sonnengereifte bulgarische Tomaten 🙂

Raststätte im Stara Planina Gebirge in Bulgarien
Raststätte im Stara Planina Gebirge

Als wir weiterfahren wollen, spricht uns ein junger Mann an. So bekommen wir für die nächsten Kilometer noch einen Mitfahrer. Jetzt geht es bergab, hinab ins sonnendurchflutete „Tal der Rosen“. Das ist ein kleineres Seitental der Maritza – Ebene, von dieser noch durch die Средна Гора (Sredna Gora) getrennt. Hier wachsen auf endlosen Flächen jede Menge Rosen. Nicht für Schnittblumen, sondern zur Gewinnung von Rosenöl. Naja, ich durfte mal an so einem Flakon schnuppern. Das war nicht gerade mein Fall – Düfte gibt es meiner Meinung nach schönere. Aber wenn manche das mögen und die Menschen hier ganz stolz auf ein typisches Produkt sind, freut mich das. Immerhin gibt es wohl eine lange Tradition der Rosenöl – Erzeugung im Rosental.

Die Hitze wird immer größer. Das liegt einerseits an der fortgeschrittenen Tageszeit und andererseits daran, daß wir mit dem Stara Planina ein weiteres Gebirge passiert haben, welches uns von nördlichen Einflüssen trennt. Nun zeigt unsere Hauptfahrtrichtung nach Westen. D.h. meine Seite der Fahrerkabine liegt wenigstens noch im Schatten der nördlichen Seite. Der Fahrer sitzt am Fenster in der Gluthitze südlicher Sonne. Mit 70.. 80km/h quält sich der LKW über die staubigen Straßen.

Am Nachmittag merke ich, daß der Fahrer immer müder wird. Die Hitze hinterläßt ihre Spuren. Bald beginne ich, immer wieder mal seine Schultern zu massieren. Wir sind schon fast 10 Stunden unterwegs. Erst gegen Abend erreichen wir den Großraum Sofia. Ich merke schon, daß wir über eine der Ringstraßen östlich um den Stadtkern herumfahren. D.h. wir kommen in den Süden der Stadt. Der Fahrer kennt ja mein Ziel – und es ist tatsächlich so. Er setzt mich direkt vor einem der Campingplätze ab. Ich angle nach meiner Kraxe auf der Pritsche hinter dem Fahrerhaus und bedanke mich nochmal ausführlich. In eine Rußwolke eingehüllt ruckelt der LKW davon.

Dann betrete ich den Campingplatz, auf dem ich zwei Jahre zuvor schon einmal war. In einer Ecke, etwas versteckt hinter größeren Zelten, lege ich mich auf die Wiese. Ein Zelt habe ich ja nicht. Mit meiner Möchtegern-Tarp-Decke decke ich mich samt Kraxe zu und schlafe völlig erschöpft ein.

Der nächste Morgen beginnt bulgarisch – sonnig. Nichts anderes habe ich erwartet. Mit einem Stadtbus mache ich mich auf zum Централна Гара (Centralna Gara), dem Hauptbahnhof von Sofia. Dort soll schon im Laufe des Vormittags der Pannonia – Expreß aus Dresden ankommen und mit ihm eine Gruppe junger Leute aus einer befreundeten Jungen Gemeinde. Ich bin pünktlich und der Zug erstaunlicher Weise auch einigermaßen. Das ist nicht immer so, unter den ostdeutschen Traveller-Kreisen kursieren Stories von bis zu 12 Stunden Verspätung. Wobei das sicher absolute Ausnahmen sind. Doch bei einer Gesamtstrecke von Dresden über Prag, Budapest, quer durch Rumänien und dann auch noch in einem großen Bogen durch halb Bulgarien beträgt die reguläre Fahrzeit fast zwei Tage. Da können sich schon mal ein paar Stunden summieren – vor allem durch übertrieben lange Grenzkontrollen.

Als der Zug dann endlich einrollt und die ersten sitzsteifen Fahrgäste mit ihrem Gepäck auf den Bahnsteig tröpfeln, mache ich mich auf die Suche. Und brauche nicht lange, um in erstaunte, überraschte Gesichter zu sehen. „… da fährt man hier zwei Tage durch halb Europa, und dann trifft man die Gleichen wie sonst auch“ oder so ähnlich lauten die ersten Kommentare. Manfred, der Jugendwart, ist aber ganz froh, mich hier zu sehen. Schließlich bin ich nach ihm der Älteste und mit einiger Reiseerfahrung unterwegs, während in seiner Gruppe sogar noch ein, zwei Minderjährige dabei sind.

Bulgarien 89: Ostdeutsche Jugendliche auf Zeltplatz-Suche
Ostjugendliche auf Zeltplatz – Suche in Sofia

Der Zeltplatz ist das erste Ziel. Schließlich will jeder erstmal sein Gepäck loswerden und sich etwas erfrischen nach der langen Fahrt. Die Waschräume in den Liegewagen und die Wasserstellen auf den Bahnhöfen sind etwas unkomfortable Orte für die Körperpflege. Am Nachmittag drehen wir ein paar Runden durch die Stadt. Doch die ist nicht so sehr das Thema der Reise, auch wenn ein Besuch in der Александер Невски (Alexander Newski) – Kathedrale schon beeindruckt. Am Abend tauschen wir uns erstmal über unsere bisherigen Erlebnisse aus.

Der nächste Tag beginnt mit dem Rückweg zum Bahnhof. Mit einem Schnellzug fahren wir nach Септември (Septemvri). Dort zweigt eine Schmalspur – Bahn in Richtung Süden von der Hauptstrecke Sofia-Plovdiv ab. An Bord dieser kleinen Bimmelbahn ist es am Anfang ganz schön und aufregend, zumal wir schnell das flache Land verlassen und sich die Schienenstränge in weiten Serpentinen in die Berge hinauf schrauben. Aber nach und nach wird die Fahrt, die ja auch nicht gerade Expreß-Geschwindigkeiten erreicht, recht eintönig. Und die Hitze drückt wieder. Alle Fenster sind offen, es weht ein warmer Luftstrom durch den Waggon. Wir dösen auf den Sitzen und gucken verträumt nach draußen auf die vorbeiziehende Landschaft. Einige vertreiben sich die Zeit mit Kartenspielen, Lesen, Erzählen. Aber kürzer wird die Fahrt dadurch auch nicht. Trotzdem ist das für mich Teil der Reise, des unterwegs sein, eine Erfahrung. Immer wieder steigen Einheimische zu oder auch aus, wir passieren Dörfer, Felder, sehen kleinere Städte. Schulkinder fahren einige Stationen mit auf dem Weg nach Hause.

Schließlich kommt der Zug am Abend in Банско (Bansko) an. Diese kleine Stadt liegt am Fuße des nördlichen, des höchsten Teils vom Пирин (Pirin – Gebirge). Und das ist unser gemeinsames Ziel. Doch für heute bleiben wir gleich an dem abgelegenen Bahnhof. Direkt daneben gibt es eine kleine parkähnliche Grünanlage. Da liegen wir dann Schlafsack an Schlafsack. Die Wasserstelle auf dem Bahnhof ist uns Wasserspender und Dusche zugleich.

Bulgarien: Bahnhof Bansko am Pirin Gebirge
Rast am Bahnhof Bansko

Am nächsten Morgen bringt uns ein Bus hinauf in die Berge, direkt bis zur Вихрен (Vichren) – Hütte auf 1950m Höhe. Bis dorthin reicht die asphaltierte, kurvige Serpentinenstraße. Was für ein Komfort! Leider fahren da auch noch eine Menge Autos rauf. Neben der Berg-Hütte gibt es eine kleinen Campingplatz. Den kannte ich ja schon vom Vorjahr, wo ich mit einem Studienkumpel schon mal durch’s Pirin gelaufen bin. Da mußten wir dann allerdings abbrechen – es war Mitte September, und als wir morgens aus dem Zelt schauten, lag draußen Schnee. Jetzt, im August, scheint die Sonne warm und hell auf uns herab – bestes Wetter für die Berge. Wir bauen also erstmal die Zelte auf. Da ich nur meine Tarp-Decke mithabe, ziehe ich bei Manfred mit ein. Der ist der Chef der Gruppe. Dann werden Kocher aufgestellt und was zu Essen gemacht. Am Nachmittag dann ein erster Erkundungs – Spaziergang. Einfach mal ein paar der Bergpfade langlaufen, die tolle Luft und das schöne Wetter genießen. Zum Angewöhnen gar nicht so schlecht.

Am Abend sitzen wir in der Runde zusammen und erzählen. Wir sind natürlich bei Weitem nicht die einzigen „Ossi“-Jugendlichen hier. Jedes Jahr zogen Scharen von der DDR aus los, um Рила и Пирин (Rila und Pirin- Gebirge) zu erobern. Im Rila liegt schließlich mit dem Мусала Musala einer der höchsten für Normalo-DDR-Bürger erreichbaren Berge (2925m) und der Vichren hier fast vor unserer Nase ist auch nicht viel niedriger (2914m). Klar, einige träumten immer von den noch höheren Bergen und manche machten sich auf die abenteuerliche Tour, nur mit dem „Transit-Visum“ welches eigentlich nur für 3 Tage galt, durch die Sowjetunion bis zum Elbrus, einem der Kaukasus – Gipfel. Dafür kam in den 80er Jahren der Begriff „udF“ auf, „unerkannt durch Freundesland„. Darüber nachgedacht habe ich auch.. weniger wegen dem Elbrus, aber so einige Regionen in der Sowjetunion hatten auch für mich einen Reiz. Doch bisher gab es für mich noch genügend Orte in den erreichbaren „Bruderländern“ zu entdecken, da war einfach noch kein Druck da, mich in die dunklen Grauzonen zu bewegen. Aber solche Gedanken und Legenden vom Hörensagen kamen in den Quatschrunden an Berghütten und auf Zeltplätzen immer wieder mal auf.

Die Nacht wird a… kalt. Mit meinem Super-Schlafsack bin ich wohl der Einzige, der nicht gefroren hat und morgens in kurzen Hosen und mit freiem Oberkörper aus dem Zelt kriecht. Alles draußen ist taunaß und eisig. Aber die Sonne steigt schnell über die umgebenden Bergkämme und lacht vom blauen Himmel. Es wird wieder warm und das Frühstück hebt die Stimmung mit heißem Tee und Marmeladen – Broten. Heute steht die Besteigung des Vichren auf dem Programm. Gleich nach dem Frühstück geht es los. Vom Zeltplatz aus können wir ohne Gepäck da hoch, das macht die Sache deutlich einfacher. Wer über den Vichren weiter nach Norden will, muß dagegen alles mitschleppen. Über Serpentinenwege steigen wir auf. Die Baumgrenze haben wir bald hinter uns, die Hütte liegt schon am oberen Rand . Der Blick weitet sich über einen riesigen Taleinschnitt, der von hohen, felsigen Bergkämmen umgeben ist. Unsere Wege laufen am westlichen Hang entlang. Zwischendrin immer wieder Hangwiesen mit zum Teil sehr schönen bunten Blüten.

Pirin Gebirge - Aufstieg zum Vichren
Aufstieg zum Vichren Gipfel

Als wir den Kamm erreichen, haben wir schon eine phantastische Aussicht über das Pirin Gebirge. Nur nach Norden hin wird der Blick noch versperrt, dort liegt jetzt nämlich der Gipfel des Vichren vor uns. Und der überragt unseren Standpunkt noch einmal um einige Meter. Außerdem ändert sich das Gestein sichtbar – die Gipfelkuppe des Vichren ist vorwiegend weißer Marmor. Das erschwert den Aufstieg noch einmal – die Pfade sind oftmals recht glatt.

Trotz der Sonne ist die Luft kühl. Aber sehr angenehm, richtig schöne Bergluft. Und frieren ist auch nicht, die Anstrengungen treiben uns schon den Schweiß auf die Haut.

Bulgarien, Pirin - Gebirge: am Gipfel des Vichren
Kurz vor dem Gipfel
Gipfel"kreuz" auf dem Vichren im Pirin Gebirge in Bulgarien
Gipfel“kreuz“ des Vichren (2915m)

Oben gibt es ein kleines Gipfelplateau mit einem Grat in Richtung Osten. Das „Gipfelkreuz“ ist ein Eisengitter – Mast, etwa 4m hoch, alles nichts besonderes. Auf dem Musala, dem höchsten Berg im Rila steht eine Wetterstation. An der bekommt man gegen einen kleinen Obulus einen aromatischen Gebirgs – Kräutertee und einen Gipfel-Stempel. Auf dem Vichren ist die Aussicht der Lohn. Und die genießen wir über eine Stunde lang. Die Mädels haben sich in Windjacken und lange Trainingshosen eingehüllt gegen den kalten Zug. Manfred ist grad auf dem Tai Chi -Trip und macht erstmal demonstrativ ein paar Übungen. Auf einem Schneefeld entsteht ein kleiner Schneemann. Vergänglicher Kamerad der Berge…

Schneemann auf Schneefeld am Vichren-Gipfel, Bulgarien, Pirin Gebirge
Kleiner Schneemann im August

Der Abstieg ist anstrengender, das geht dann vor allem auf die Waden. Weil man ja immer mit gestreckten Füßen bremsen muß und sich von den weiten Schritten abfangen. Aber irgendwann ist das dann geschafft und wir sitzen wieder auf dem Zeltplatz.

Morgen soll es richtig losgehen mit der Wanderung. Südwärts durch das Pirin – Gebirge mit dem Ziel Мелник (Melnik). Zwei der Mädels, zwei Schwestern, teilen am Abend allerdings mit, daß sie nicht mit Gepäck durch die Berge laufen wollen. Nach dem „Gipfelsturm“ heute, der ihnen auch schon nicht so leicht gefallen ist, trauen sie sich diese Tour nicht zu. Deshalb beraten wir, wie wir damit umgehen. Manfred entschließt sich, mit den Mädels um die Berge herum zu fahren. Das geht am Besten mit Trampen. Aber für drei Personen ist das nicht ganz so einfach. Also werde ich die Tramptour mitmachen und erst von Melnik aus in Gegenrichtung durchs Pirin wandern.

auf dem Vichren im Pirin Gebirge - Bulgarien
Rast auf dem Vichren
Abstieg vom Vichren - Blick ins Tal, Pirin Gebirge
Abstieg vom Vichren
Zeltplatz an der Vichren-Hütte im Pirin-Gebirge
Aufbruch der Wandergruppe

Der Rest der Gruppe läuft am anderen Morgen los. Wir wünschen viel Glück und warten an der Hütte auf den Bus, der uns vier zurück ins Tal bringt. In Bansko wollen wir uns aufteilen – je ein Mädel, ein Kerl. Aber wer mit wem? O.k., auf lange Diskussionen habe ich keine Lust und laufe einfach los, die Straße entlang. Eine von Beiden wird schon hinterher kommen. So geschieht es dann. Naja, die Zweite ist noch nicht ganz volljährig, da ist es sowieso besser, wenn sie beim Jugendwart bleibt, der ja auch „offiziell“ verantwortlich ist. Ich bekomme also die Ältere ab. Nach ein paar Metern halte ich den Daumen raus, als sich das erste Auto nähert. Und ab geht die Post – erstmal nach Разлог (Raslog). Die Straße führt hier, parallel zu den Gleisen der Schmalspurbahn, völlig gerade nordwärts durch eine Ebene. Diese teilt die Bergwelt in Pirin im Süden und Rila im Nordwesten.

Bulgarien: Straße nach Raslog mit Blick auf das Rila Gebirge
Blick nach Raslog und Rila Gebirge

Als wir um den Nordzipfel des Pirin rundherum sind, öffnet sich von Nord nach Süd das Tal der Струма (Struma), die weiter bis Griechenland fließt. Hier verläuft eine Hauptstraße von Благоевград (Blagojewgrad) westlich des Pirin. Erneut halte ich den Daumen raus. Diesmal dauert es ein wenig. Aber dann hält ein Mann mit einem Lada. Anna steigt vorn ein, ich setze mich auf der Rücksitzbank in die Mitte. Da kann ich mich am Gespräch beteiligen. Zumal ich ja derjenige bin, der den Weg kennt. Anna soll eigentlich in der Schule gut in Russisch gewesen sein. Aber leider ist sie jetzt völlig gehemmt, und antwortet dem Fahrer nur „Я не понимаю. (Ja ne ponimaju- ich verstehe nicht)“ So muß ich ihr immer die Fragen übersetzten, die der Fahrer eigentlich an sie richtet. „Sag ihm einfach, wie Du heißt… Der will jetzt wissen, wo wir herkommen…“ Naja, mit meiner Russisch 3 im Abi bin ich stolz, hier doch ein wenig zu glänzen. Kommt eben nicht auf Streber-Wissen an, sondern sich draußen zurechtzufinden.

So erreichen wir Ново Делчево (Nowo Deltschev), wo wir uns am Busbahnhof treffen wollen. Die beiden anderen sind noch nicht da. Wir suchen uns erstmal etwas zu Essen und dann ein schattiges Plätzchen. Die Sonne drückt jetzt aus Südwest voll in die Stadt hinein. Der Nachmittag geht in den Abend über. Schüler sind auf dem Heimweg, alte Bäuerinnen packen ihre Sachen vom Marktstand ein. Meine Begleiterin wird zunehmend unruhig. Sie macht sich Sorgen um ihre jüngere Schwester. Ich bin eigentlich noch ganz gelassen, nur die zunehmend negativen Äußerungen von Anna nerven ein wenig. Das geht bis zu der Behauptung “ .. da muß was passiert sein“.. “ was mache ich nur, meine Eltern… bin ja verantwortlich…“ Meine Einwände, daß beim Trampen nicht immer alles so glatt geht wie bei uns heute und daß man manchmal einfach an blöden Stellen steht, wo kaum jemand hält, stoßen immer mehr auf taube Ohren. „Wie kannst Du nur so ruhig bleiben….“ jaja, ich bin wohl ein wenig herzlos 🙂

Als die beiden dann endlich auch eintrudeln, sinkt die Sonne schon ganz gewaltig gen Horizont. Sie waren sogar noch vor uns losgekommen, aber nur bis Raslog. Und dann ging es immer schleppender weiter. Einfach Pech gehabt.

Süd-Bulgarien: Melnik-Sandstein
Der Sandstein von Melnik

Zum Glück fährt noch ein letzter Bus nach Melnik. Dorthin zu trampen wäre nicht leicht, vor allem zu so später Stunde wohl fast unmöglich. Denn Melnik gilt als kleinste Stadt Bulgariens, liegt etwas abseits aller größeren Straßen und hat nicht so sehr viele Einwohner. Jedenfalls kommen wir in der Abenddämmerung auf dem Zeltplatz an. Der liegt etwas außerhalb vom Zentrum auf einer Wiese an einem Bach. Daneben verläuft ein Schotterweg, der hinauf in die Berge führt. Im Jahr zuvor, das war ja bereits im September, kamen auf diesem Weg die Schäfer mit ihren Herden schon von den Bergen – Flöte spielend, die Schafe brav hinterher. Jetzt staut sich in dem Taleinschnitt die Wärme – frieren braucht hier in der Nacht niemand.

Wir haben nun ein paar Tage, bis die andere Gruppe durch die Berge gelaufen ist. Da schauen wir uns schon mal den Ort an und machen ein paar Wanderungen in der Umgebung. Hier südlich vom Pirin ist die Hitze offenbar noch größer. Unter Mittag flimmert die Luft, Grillen zirpen und die Sonne brennt auf der Haut. Da bleibt nur die Möglichkeit, sich irgendwo in den Schatten zurückzuziehen und „Siesta“ zu machen. Klar ist das gleich mal Gesprächsthema. Aus der DDR kennen wir ja nur, daß die Menschen früh zur Arbeit gehen oder fahren, ab um 7 am Fließband stehen oder wo auch immer und nach 16 Uhr Feierabend machen. Über die südländische Mentalität wird da oft abfällig geredet. ‚Mittags mehrere Stunden Pause – wo gibt’s denn sowas! Kein Wunder, daß die bei der offensichtlichen Faulheit nicht viel zustande bringen….‘ Daß man bei der Hitze sowieso nichts schafft und daß in diesen südlichen Regionen das Leben nach um 5 erstmal wieder so richtig losgeht, wird natürlich gern übersehen. Paßt ja auch nicht ins eigene Weltbild. Wir sind hier jedenfalls gern bereit zur Anpassung und suchen uns für die frühen Nachmittagsstunden ein schattiges Plätzchen.

Hotel im traditionellen Stil in Melnik - Süd-Bulgarien
Hotel in Melnik

Die Häuser sind ziemlich groß, die kleinste Stadt Bulgariens muß schon immer recht wohlhabend gewesen sein. Melnik liegt in einem Tal zwischen Sandbergen. So richtige tiefe Erosionsrinnen sind das. Die Rede ist immer von Sandstein, aber wenn ich das mit dem sächsischen Sandstein vergleiche, liegt dort die Betonung auf „Stein“, in Melnik auf „Sand“. Ein Gemisch aus Kies, Sand und Lehm, tief ausgewaschen. Die Häuser schmiegen sich teilweise in diese Rinnen. Sie sind mehrgeschossig, meist aus weiß getünchtem Mauerwerk mit einzelnen großen Steinen und einigen querlaufenden Schwell-Balken. Die Dächer sind flache Walmdächer, traditionell mit „Nonne und Mönch“ gedeckt. Manche Veranden oder Terrassen sind mit dunklem Holz verschalt. Viele der Häuser in Melnik sind gut in Schuß, hier wird offensichtlich der Tourismus gefördert. Nur einzelnen droht trotzdem akut der Verfall.

Bekannt ist Melnik für seinen Rotwein. Ein kleines aber edles Weinanbaugebiet umgibt die Stadt. In tiefen, in die Sandhügel gegrabenen Kellern wird gekeltert. Der Abend gehört denn auch dem Besuch in einer Mechana, einer Weinstube. Dort gibt es würziges Essen mit Шапска Салат (Schapska Salat, Tomatensalat mit weißem Schafskäse) und Weißbrot sowie den Wein in Steingut – Bechern. Für eine Gruppe kann man sich gleich einen Liter – Krug Wein bestellen. Wenn man Glück hat, spielt auch noch eine lokale Tanzkapelle auf, dann steigt die Stimmung schnell und mit heißem Blut. Ich habe mehrere Male in Bulgarien Hochzeitsgesellschaften gesehen, wo praktisch alle zu Balkan – Mugge in großen Reihentänzen unterwegs waren.

Weinstube in Melnik- Bulgarien
Wein-Stube in Melnik

Es gibt ein großes Hallo! Die anderen sind wieder da, sie haben ihre Tour durch’s Pirin geschafft.

Melnik - Rotwein in Süd-Bulgarien
Rotwein aus Melnik

Das heißt, abends treffen wir uns alle im Freisitz einer Weinstube. Die hatten wir schon ausgekundschaftet und als sehr angenehm für unsere Truppe vorgemerkt. Im Schatten von Bäumen und Weinreben sitzen wir an runden Tischen, von denen wir gleich mal ein paar zusammengestellt haben. Typische Tischdecken aus grobem weinroten Gewebe decken die rustikalen Möbel. Natürlich gibt es auch hier Schapska Salat, außerdem geschmortes Gemüse, dazu wie immer Weißbrote. Und kühlen roten Wein im Krug. Die Jungs und Mädels erzählen von ihrer Tour durch die Berge. Die Luft ist warm, auch als sich die Sonne langsam verabschiedet. Wir sitzen noch lange, bevor wir in der Dunkelheit auf den Zeltplatz zurückgehen. Die Straßenbeleuchtung ist selbst für uns gelernte DDR-Bürger recht spärlich.

Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung ins kleine Nachbardorf Рожен (Roshen, sch wie zweites g in Garage). Der Weg führt durch die typischen Sandsteinberge von Melnik. Trockener, heißer Sand. Dorniges Gebüsch, wieder viel Grillen-Gezirpe. Eidechsen huschen links und rechts über den Weg. Es soll auch Schlangen und sogar Skorpione geben – gesehen haben wir allerdings keine. Die Pfade sind staubig und winden sich mal durch die schluchtenartigen Täler, mal über einen der Sandhügel. Manche der Lehmsand-Steine sind so ausgewaschen, daß sie nur noch wie eine Säule aussehen, auf der oben ein großer runder Granit – Stein liegt. Dieser hat dann den Regen abgehalten und die Sandstein-Säule wie den Stil für einen Pilz vor Auswaschung geschützt. Beeindruckend und fragil.

In Roshen gibt es ein altes Kloster, das Роженски Манастир (Roshenski Manastir). Doch dieses ist nicht mehr in Betrieb, sondern staatliches Museum. So können Besucher unbefangen bis in die letzten Winkel kriechen und stören keine Mönche bei der Andacht. Vor der Toreinfahrt steht ein Barkas mit offener Hecktür. Daraus hängt ein Gewirr von Kabeln – ein Filmteam ist vor Ort.

Wandern bei Melnik im Süden Bulgariens
Wandern bei Melnik
Süd-Bulgarien: am Roshen-Kloster (Roshenski Manastir)
Am Roshen Kloster
Dorf Roshen in Süd-Bulgarien
Dorf Roshen unterhalb vom Kloster

Die orthodoxen Klöster beeindrucken immer einerseits mit den stilvollen Gebäuden, schönen Kirchen und idyllischen Hofanlagen. Andererseits aber auch mit der Ikonostas, der Ikonenwand in den Kirchen. Die Ikonenmalerei ist eine große Kunst der Mönche im Gebiet der orthodoxen Kirche. Viele Bilder wirken so farbig und lebendig, daß man fast denken könnte, die Figuren können jederzeit die Holzplatten verlassen und sich zwischen uns gesellen.

Während das Dorf in einem weiteren sandigen Erosionstal liegt, steht das Koster auf einem grasbewachsenen Hügel. Alles ist trocken. Ein paar dürre Bäume bilden das Dach einer Streuobst-Wiese, auf der ein Esel zum Grasen angepflockt ist. Am südlichen Hang entdecken wir ein großes gelbes Blechschild. „ACHTUNG GRENZE ZONE“ steht da in deutsch (!) drauf. Darunter kleiner und ebenfalls auf deutsch: „Eintritt ohne spezielle Dokumente streng verboten“ Melnik und Roshen liegen nur rund 10 km nördlich von Griechenland. Das läßt uns natürlich träumen… „jetzt noch eine Inseltour durch die Ägäis anschließen, das wäre doch schön!“ Die Chalkidike – Halbinsel ist nicht weit, Thessaloniki die nächste Großstadt in Griechenland. Dorthin führt auch die Straße von Blagoewgrad, über die wir getrampt sind. Allerdings liegt dazwischen der Grenzübergang Кулата, und der ist für uns unüberwindlich… noch. Es gibt wohl einige DDR-Bürger, die die Grenzen von Bulgarien für weniger gut gesichert halten und lieber hier die Flucht über den Eisernen Vorhang versuchen. Das dem nicht so ist, erfahren viele nur gerüchteweise. Angeblich soll in den Sommermonaten jede Woche ein Sonderflugzeug geschnappte Flüchtlinge zurück in die DDR bringen. Nun ja, im Sommer 1989 tun sich für fluchtwillige DDR- Bürger andere Möglichkeiten auf. Die Erosion des Ostblocks ist bereits im vollen Gange.

deutschsprachiges Schild "Achtung Grenze Zone" bei Melnik- Grenze zu Griechenland
„Achtung Grenze Zone“
Bei Melnik in Süd-Bulgarien ragen hohe ausgewaschene Sandsteine auf.
Sandstein bei Melnik

Den nächsten Tag faulenzen wir in der Sonne. Hinter dem Zeltplatz fließt ein klarer Bergbach ins Tal, mit schönem kühlen Wasser. Dort sitzen wir nackt mal im, mal am Wasser und lassen uns die Sonne auf den .. Bauch scheinen. Einige dichte Büsche schirmen den Bach von den Blicken der Einheimischen ab. Das ist auch gut so – bereits in Südost-Europa beginnt der Kultur-Bruch. Nackte Menschen in der Öffentlichkeit ist auch für Bulgaren ein ziemlich unsittliches Verhalten. Natürlich sind die Jugendlichen schon etwas lockerer, aber der krasse Gegensatz sind viele alte Mütterchen, die in der Hitze mit dicken schwarzen Kleidern und schwarzen Kopftüchern im Garten stehen, oder alte Männer mit Hemd, Pullover und dicken Jackets.

Am Abend sind wir wieder in unserer Lieblings – Weinstube. Dort spielt heute sogar eine Kapelle auf. Zusammen mit bulgarischen Gästen tanzen wir die Schreittänze mit und amüsieren uns köstlich. Leider werden zum Ende hin ein paar der Gäste gegenüber unseren Mädels etwas aufdringlich. Relativ freizügige Kleidung in Verbindung mit reichlich genossenem Wein verführt wohl zu der Annahme, daß auch ansonsten recht offenherzige Umgangsformen angemessen seien. Da wir sowieso gehen wollten, nehmen wir die Mädels in die Mitte und entfernen uns schnellstmöglich.

Am anderen Tag ist wieder Aufbruch angesagt. Und für mich die Trennung von der Gruppe. Die wollen zumindest zum Teil noch ans Schwarze Meer, ein paar Tage Badeurlaub genießen. Ich will jetzt in der Gegenrichtung über das Pirin wandern. So verabschieden wir uns am Morgen voneinander. Während die Gruppe in den Bus nach Nowe Deltschew steigt, starte ich den Aufstieg über eine Waldstraße. Allein bin ich nicht. Auf dem Zeltplatz habe ich bereits einen Dresdener in meinem Alter kennengelernt, der den gleichen Weg hat. Jan ist in Dresden in einer Bergsteigergruppe und hat noch viel vor. Die Wanderung durch das Pirin ist für ihn einfach eine Trainingsstrecke. In den Jahren danach bekomme ich immer von ihm eine Postkarte – aus dem Kaukasus und auch von anderen Gipfeln, von denen ich nicht mal träume. Ich kenne meine Grenzen.

Wie ich bereits vom Vorjahr und aus den vielgetauschten Erfahrungen Anderer kenne, lassen sich für den ersten Wegabschnitt gern Holzlaster anhalten. Uns gelingt das auch und wir können so einige Kilometer langweiligen Splittweg einfach sparen. Wir sind nicht die Einzigen – auf der offenen Ladefläche liegen bereits einige Rucksäcke und die Besitzer klammern sich an den Rungen fest.

Fahrt mit Holzlaster auf die Höhen des Pirin Gebirges in Bulgarien
Fahrt mit dem Holzlaster
Sturzbach in der Waldzone des Pirin Gebirges
Sturzbach in der Waldzone

Als die Forstarbeiter uns absteigen lassen, sind wir bereits fast durch die Waldzone durch. Auf einer Hangwiese entdecken wir einen Mirabellen – Baum, der voller überreifer Früchte hängt. Da lassen wir uns nicht lange bitten und genehmigen uns erstmal einen ordentlichen Vitamin – Schub. Dann beginnt der Aufstieg. Oberhalb der Walddzone kommen ausgedehnte Hochflächen mit Kräuterwiesen. Dort führt der Weg an einer Schäferei vorbei. Einer der Hütehunde folgt uns auf dem Fuße. Mit dem möchte ich keinen Ärger haben. Die bulgarischen Hütehunde sind große, kräftige, ganz spezielle Tiere, die sogar Bären erfolgreich abwehren können. Das müssen sie auch, denn es gibt in den bulgarische Bergen Braunbären und Wölfe. Freunde haben mir mal erzählt, daß sie beim Wildcampen in den Rhodopen nachts wach geworden sind. Neben dem Zelt war ein schweres Tier, welches dort wohl einige Erde und Büsche umgepflügt hat und dabei laut gebrummt. Vor solchen Erlebnissen bin ich bisher aber verschont geblieben.

Berg-Schäferei im Pirin Gebirge in Bulgarien
Bergschäferei im Pirin
Bulgarischer Hütehund mit Bärenschutz - Halsband
Bulgarischer Hütehund

Es geht immer höher. Der Anstieg wird steiler und steiniger. Immer wieder mal müssen wir Geröllfelder überqueren, was am Meisten anstrengt.

Nach einem steilen Anstieg schaffen wir es am Nachmittag zum Sattel neben dem Kalew Dwor – Калевдворска дясна порта (Kalewdworska Djasna Porta). Das ist gewissermaßen das Portal zu den Hochflächen des südlichen Pirin. Der Ausblick erstreckt sich in Richtung Norden und Nordwesten über die weiten Bergketten. Jetzt geht es weiter über wenige Höhenlinien langsam in einen Talkessel. Dort leuchtet uns schon vom weiten die blaue Wasserfläche des Тевното езеро (Tewnoto Esero) entgegen. Daneben befindet sich eine relativ kleine Berghütte. Das ist unser Nachtquartier. Die Hütte besteht nur aus einem engen Raum und einem Matratzenlager unter dem Spitzdach. Es sind schon einige Wanderer hier, aber für uns ist noch genügend Platz. Durch Ausrollen von Isomatte und Schlafsack „reservieren“ wir unseren Schlafplatz. Dann bekommen wir im Gastraum einen heißen Gebirgskräuter – Tee. Die Toiletten sind draußen – ein Plumsklo – Häuschen etwa 100m von der Hütte entfernt. Die meisten Hütten im Pirin – Gebirge liegen weiter unten und sind sogar über Fahrwege erschlossen. Die Tewnoto Esero – Hütte ist isoliert und nur durch Wandern zu erreichen. Leider ist für einige die Müllentsorgung Aufgabe von anderen. Na, und wenn kein Müllaster zur Hütte fahren kann, nicht mein Problem. Jedenfalls liegen hinter einigen Steinen versteckt eine Menge Büchsen, Gläser und Plastik-Tüten. Teils rostig, teils noch relativ frisch. Was mich besonders ärgert, sind dabei einige Büchsen, deren Etiketten unzweifelhaft die ostdeutsche Herkunft verraten – Hal-Ko Leberwurst-Konserven aus Halberstadt, Eberswalder Würstchen, Saßnitzer Fischkonserven und anderes.

Über einen Sattel im Pirin Gebirge
Überquerung eines Sattels
Die Berghütte Tewnoto Esero im Pirin Gebirge
Berghütte Tewnoto Esero in Sicht
Müll im Pirin Gebirge
Müll im Pirin

Wir rasten noch ein wenig am Seeufer. Zwischen den Felsblöcken suchen wir eine windgeschützte Stelle, um auf dem Wanderkocher eine heiße Suppe zum Abendessen zuzubereiten. In der Hütte haben sich inzwischen noch ein paar Wandergruppen versammelt. Es sind teilweise Bulgaren, aber auch einige Ostdeutsche und Polen. Bei einbrechender Dämmerung legen wir uns auf dem Spitzboden mit den Schlafsäcken zur Ruhe. Elektrisches Licht gibt es nicht, jeder ist auf seine Taschenlampe angewiesen. Aber nach dem anstrengenden Aufstieg will sowieso jeder nur noch schlafen.

Vom Tewnoto Esero geht der Weg zuerst nach Westen, um den nächsten Sattel zu überqueren – die Превалска порта (Prewalska Porta). Dahinter bleiben wir fast auf einer Höhenlinie, rechts und links liegen in den Senken weitere Seen. Dann folgt der Kamm des Голям типиц (Goljam Tipitz), wo es Stück für Stück bergauf geht. Eine andere Gruppe von Bergwanderern trifft von einem Seitepfad auf uns. Wie sich herausstellt, sind es westdeutsche Jugendliche. Die Drei reihen sich bei uns mit ein, denn auf den schmalen steinigen Pfaden geht es nur im Gänsemarsch. Es hat sich zugezogen, so daß wir in dichten Wolken dahinwandern. Auf dem Bergrücken fängt es plötzlich an zu donnern. Blitz und Donner folgen fast aufeinander. Wir sind mitten in einem Gewitter. Um uns herum kracht es gewaltig. Eine Horror – Vorstellung – Gewitter auf dem Bergkamm. Rechts und links steile Abhänge. Nichts zu machen außer hoffen. Glücklicherweise zieht das Gewitter bald ab und wir können aufatmen. Keiner von uns hat irgendwelche Schäden davongetragen.

zufällige Ost-West-Begegnung beim Wandern im Pirin Gebirge
Zufällige Ost-West – Begegnung

Es ist schon eigenartig, aber viel haben wir Ossis und die Wessis uns nicht zu sagen. Keine Ahnung woran es liegt – irgendwie scheinen die von einer Blase des Desinteresses umgeben zu sein. Auch während der Rast, wo wie nebeneinander sitzen, kommt kein Gespräch zustande. Interessiert und etwas neidisch begutachte ich unauffällig deren Ausrüstung. Deren Rucksäcke sehen schlanker und handlicher aus. Sowohl Jan als auch ich sind wir ja mit breiten Kraxen mit außenliegendem Aluminium – Gestell unterwegs. Das, was zu dieser Zeit im Osten eben üblich ist für’s Bergwandern. Die West-Rucksäcke sind eher runde, längliche Rollen mit dicken Rückenpolstern und gut gepolsterten Riemen für Schultern und Hüfte. Auch die Isomatten sehen viel weicher aus – obwohl ich mich über meine gute alte „Reparaturmatte“ (unter dieser Bezeichnung wurden diese in der DDR verkauft) nicht beschweren möchte. Und die Wanderschuhe scheine auch etwas solider – bei meinen beginnen sich gerade die Sohlen zu lösen.

Nach der Rast löst sich unsere Ost-West – Zufalls – Wandergemeinschaft ebenso spontan wieder auf, wie sie zustande gekommen ist. D.h. jeder geht ohne großen Abschied seiner Wege.

Inzwischen laufen wir unterhalb vom „Бъндеришки цркус (Banderischki Zirkus)“ zwischen dem Дългото езеро (Dalgoto esero) und Рибни езеро (Ribni esero) entlang. Es geht also wieder Stück für Stück abwärts. Am meisten anstrengend sind dabei immer die Geröllfelder. Man muß da durch, die liegen einfach quer über die gesamte Breite im Weg. Die großen Blöcke kann man manchmal nur mit mehreren kleinen Sprüngen von Stein zu Stein überwinden. Das alles mit dem Gewicht der Kraxe auf dem Rücken. Abwärts strengt das vor allem die Waden an. Da werde ich morgen wohl heftigen Muskelkater drin haben.

Dalgoto Esero im Pirin Gebirge in Bulgarien
Dalgoto Esero
Abstieg durch ein Geröllfeld im Pirin Gebirge
Abstieg durch ein Geröllfeld

Vor uns liegt schon das große Massiv des Vichren und des nördlichen Pirin. Doch um dort weiterzuwandern, muß man praktisch erst zur Vichren – Hütte absteigen. Weitere Übernachtungsmöglichkeiten zwischendrin gibt es nicht.

Gegen Abend kommen wir auf dem kleinen Zeltplatz an der Hütte an, den ich vor reichlich einer Woche verlassen habe. Dieser ist weiterhin gut besucht. In der Hütte wohnen vor allem Bulgaren. Es scheint für viele Sofioter Stadtbewohner ein attraktives Ferienquartier zu sein. Die Bulgaren machen weniger Touren mit Gepäck quer durch, wie es für uns üblich ist. Sie suchen sich offenbar lieber ein festes Quartier und machen dann Tagestouren mit ausgedehntem Picknick auf abgelegenen Bergwiesen.

Am nächsten Morgen sage ich Jan, daß ich nicht mehr mit durch den nördlichen Teil des Pirin gehen werde. Auf dem Vichren war ich ja schon in der Woche zuvor, die weiteren Wege traue ich vor allem meinen Schuhen nicht mehr zu. Er nimmt es gelassen. Er war ja sowieso darauf eingestellt, die ganze Tour allein zu machen. Wir packen unsere Sachen zusammen und verabschieden uns.

Straße zur Vichren Hütte im Pirin Gebirge mit Wanderern
Wanderer auf der Straße zur Vichren Hütte
Bauer mit Ochsenkarren bei Bansko, Süd-Bulgarien
Bauer mit Ochsenkarren

Nun bin ich wieder ganz allein unterwegs. Das will ich gleich erstmal in Ruhe genießen. So schön es mit Freunden auch ist, mich fasziniert die Freiheit zu entscheiden ‚gehen oder bleiben‘. Ich verzichte also auf den Bus ins Tal und mache mich zu Fuß auf den Weg nach Bansko hinunter. Es ist wenig los auf dieser kleinen Straße. Ein paar Bulgaren sind in Familie unterwegs mit Rucksack und Wanderstock. Einmal kommt mir der Bus entgegen, einmal steht ein einsames Auto am Wegesrand. Langsam laufe ich auf den Serpentinen nach unten, immer wieder mit einem Rückblick auf die hohen Bergrücken, die mich noch umgeben. Es ist schon eine fantastische Landschaft.

Weit unten tauchen zwischen den Waldstücken und Heckenstreifen die ersten Gärten auf. In der warmen, lichtdurchfluteten Ebene wächst eine Menge. Von den Bergen fließen viele kleine Bäche talwärts. Diese werden „angezapft“ – ein ausgeklügeltes, sicher schon uraltes Bewässerungssystem wird von ihnen gespeist und über viele kleine Verteilungsgräben mit einfachen Wehren und Absperr- oder Umleitungs-Schiebern gelangen immer ausreichende Wassermengen in die Beet – Reihen der Kulturen. In den Gärten reifen Tomaten, Paprika, Wassermelonen, Mais und viele andere Früchte. Alte Frauen und Männer sind beim Hacken und Ernten.

Kurz vor Bansko kommt mir ein Bauer mit dem Ochsenkarren entgegen und nickt mir freundlich zu. Doch der Ort erscheint weitgehend ausgestorben. Es ist ja auch schon wieder ziemlich heiß, in den leeren Straßen flimmert die Luft. Neben der Auffahrt steht ein großes Hinweis – Schild mit Informationen zum Wintersport im Pirin – Gebirge. In der Region gibt es auch einige Ski-Hänge und Liftanlagen. Vom Bau von Schwebebahnen ist die Rede – Bansko soll vor allem auch Wintersport – Ort werden. Einschließlich Austragungsort für internationale Wettkämpfe. Naja, Winter mag ich sowieso nicht besonders. Und mir ist die Gegend im Sommer lieber, trotz Hitze.

Bulgarien: Kirche in Bansko
Kirche in Bansko

Zurück am Bahnhof überlege ich, wie ich weiter vorgehe. Eigentlich habe ich auf die lange Bahnfahrt zurück nach Septemvri keine richtige Lust. Also entschließe ich mich zum trampen. Das geht auch recht gut, dauert trotzdem seine Zeit. Im Süden Bulgariens muß man immer wieder um hohe Berge herum, das verlängert die Strecken ungemein. Die Hitze und die allgemeine Mittagsruhe machen das Unterfangen auch nicht gerade leichter.

Letztlich erreiche ich Пловдив (Plovdiv) an der Maritza. Da will ich mich nicht groß aufhalten – ich war schon zweimal in dieser Stadt. Aber ab hier gilt mein Rückfahrt – Ticket, ich kann die Bahn nach Norden nehmen. Das heißt, wieder durch das Stara Planina Gebirge, nur diesmal im Zug.

Spät in der Nacht komme ich in Veliko Trnowo an. Gleis 3. Auf Gleis 1 steht ein Güterzug. Um zum Bahnhofsgebäude zu kommen, muß ich also da drunter durch oder drüber klettern. Mit der Kraxe krauche ich natürlich nicht unter dem Zug durch, also oben rüber. Geht eigentlich einfach, immer über die Bremserplattformen am Ende des Waggons. So ist das in Bulgarien.

Am Bahnhof sind nur noch wenige Menschen unterwegs. Meistens Bahn-Bedienstete – der Fahrdienstleiter, ein paar Rangierer. Nicht weit vom Bahnhof gibt es ein Stück bergauf so eine kleine Bungalow-Anlage. Dort will ich jetzt hin. Denn das ist ein Platz, wo man sich nachts einfach mal etwas abseits hinlegen kann. Veliko Trnowo hat zwar auch einen offiziellen Zeltplatz, aber erstens habe ich kein Zelt. Zweitens ist mir dieser Zeltplatz von vor zwei Jahren recht unangenehm in Erinnerung. Bei den Bungalows ist alles ruhig. Es scheint nicht einmal jemand da zu sein. Ich suche mir also meine stille Ecke und lege mich mit Isomatte und Schlafsack auf die Wiese.

Anderntags mache ich mich gleich vormittags auf zu einem Besuch bei Tante Соня (Sonja). Das ist natürlich keine Tante von mir. Eigentlich eine Bekannte von meiner Schwester. Sie arbeitet in einer großen Bibliothek und spricht sehr gut deutsch. Vor Jahren ist sie in der Stadt mal auf meine Schwester gestoßen und hat sie angesprochen. Seitdem gab es den Kontakt. Zwei Jahre zuvor waren wir mit ein paar Freunden in Bulgarien, dabei habe ich Tante Sonja auch kennengelernt.

Sie freut sich sehr über meinen überraschenden Besuch. Inzwischen ist sie pensioniert und die meiste Zeit zu Hause. Ihre Enkelin, mit gleichem Namen Sonja, ist auch da – das ist sehr gut. Denn die lernt ebenfalls deutsch und freut sich, gleich mal am praktischem Beispiel üben zu können. Sie ist 13 und hat gerade Ferien. Eine ihrer Freundinnen ist auch noch zu Besuch. Die beiden übernehmen für mich die Stadtführung, denn Tante Sonja ist nicht mehr so gut zu Fuß.

Veliko Trnowo ist eine der bedeutendsten historischen Städte Bulgariens. Schon die Lage ist beeindruckend. Sie erstreckt sich über drei Hügel, die von den schluchtenartigen Mäandern der Янтра (Jantra) abgegrenzt werden. Ende der achtziger Jahre hat V. Trnowo etwa 64.000 Einwohner. In der Umgebung gibt es einige wichtige Industrie – Betriebe. Davon bekommt man in der Stadt selbst aber nicht allzu viel mit. Diese ist eher ein geistig – kulturelles Zentrum von Bulgarien. Denn in Veliko Trnowo befindet sich nicht nur die Kyrill und Method Universität, sondern eine weitere Hochschule für Pädagogik, eine Fachhochschule und eine Reihe anderer Bildungseinrichtungen. Auch für die bulgarisch – orthodoxe Kirche ist Veliko Trnowo mit 18 Kirchgebäuden bedeutend.

Bulgarien: Stadtansicht Veliko Trnowo Sommer 1989
Stadtansicht von Veliko Trnowo
Zarewetz - Zarenburg in Veliko Trnowo, Bulgarien
Zarenburg Zarewetz in Veliko Trnowo
Bulgarien: Veliko Trnowo mit Denkmal für Zarenfamilie Assen
In Veliko Trnowo mit Denkmal für die Zarenfamilie
Straße Zar Iwan Asen II in Veliko Trnowo

Für Touristen aber sind die Zeugnisse der Jahrhunderte am Interessantesten. In der Sweti Georgi- Kirche erklärten die Fürstensöhne Petar und Assen den Kampf gegen die Vorherrschaft von Byzanz und initiierten damit den Aufstand der Bulgaren. Auf dem Hügel (Zarewetz) befinden sich die Reste der Zarenfestung, welche nach der Schaffung des zweiten Bulgarenreiches ab 1187 der Herrscherpalast Bulgariens wurde. Diese Periode dauerte bis 1393. In dieser Zeit dehnte sich die Stadt über die beiden benachbarten Hügel und die umliegenden Flußtäler aus.

Im Jahr 1393 obsiegten die Truppen der Osmanen und übernahmen auf blutige Weise die Herrschaft im Land. Nachdem große Teile der Bevölkerung massakriert oder verschleppt wurden, dauerte es Jahrhunderte, bis die Stadt sich erholen konnte. Erst im Zusammenhang mit dem Russisch – Türkischen Krieg wurde Veliko Trnowo 1878 von der Osmanischen Herrschaft befreit. Zu dieser Zeit hatte Veliko Trnowo nur noch etwa 5700 Einwohner.

Die meisten Häuser der Innenstadt mit vielen engen Gassen stammen aus dem 19.Jh. Im Ort gibt es zahlreiche traditionelle Handwerker wie Töpfer und Messerschleifer. Heute ist das vor allem für Touristen interessant, die lokale Souvenirs erwerben wollen. Auch Ikonenmaler sind zu finden – wenn nicht direkt in Trnovo, dann auf jeden Fall im Museumsdorf Арбанаси (Arbanasi) einige Kilometer weiter nördlich.

Spät am Abend verabschiede ich mich von den Sonjas. Es dauert fast 10 Jahre, bis wir uns mal wiedersehen. Aber das wissen wir natürlich noch nicht. Mit der jüngeren Sonja beginnt ein regelmäßiger Briefwechsel, der die ganze Zeit überdauert. Sie will auf jeden Fall ihre Deutschkenntnisse verbessern. Vor allem nach dem Zerfall des Ostblocks, weil sie in Bulgarien für sich kaum Chancen sieht.

Der Sohn oder Vater – je nachdem, aus welcher Sonja-Perspektive man das betrachtet – bringt mich mit dem Auto noch zum Bahnhof. Da bin ich ganz froh drüber, denn die Lauferei den ganzen Tag in der Stadt war anstrengend und auch zum Bahnhof geht es hügelauf und hügelab.

Mit einem Vorort – Zug fahre ich die paar Kilometer bis zum Bahnhof Горна Оряховица (Gorna Orjachowitsa). Die Lage in den Bergtälern bringt es mit sich, daß die Haupt-Eisenbahnstrecke über dieses Eisenbahn – Kreuz geführt wird. Nur dort kommen die Fernzüge von Sofia aus an, um dann weiter nach Norden zu fahren. Leider ist das mit dem Pannonia und anderen internationalen Zügen so, daß die abends in Sofia losfahren. D.h. in Gorna kommen sie erst nach Mitternacht an. Naja, wie eingangs schon beschrieben – der meiste Zugverkehr in Bulgarien findet nachts statt. Irgendwann nach um 1 kommt mein Zug. Später, vielleicht gegen 3, sind wir an der Grenze bei Ruse. Und nun geht’s zügig zurück, im wahrsten Sinne des Wortes. Einen Tag habe ich jetzt im Zug, den ich erst in Budapest wieder verlassen will. In Rumänien sitze ich zwischen Bauern mit Hühnern auf dem Schoß, Urlaubern und ein paar Geschäftsreisenden. Diesmal habe ich mir in Gorna am Schalter noch schnell eine Platzkarte gekauft. Also keine Probleme mit den Schaffnern.

An einem Unterwegs-Bahnhof in Rumänien will ich noch schnell ein Päckchen MONA-Kaffee verkaufen. Das ist fertig gemahlener, in einer goldfarbenen Folie eingeschweißter Kaffee. Normalerweise wird in der DDR Rondo – Kaffee getrunken. Das sind ganze Bohnen. Fast jeder hat zu Hause eine Kaffee-Mühle. Wer keine hat, kann aber im Vorraum der meisten Lebensmittel – Geschäfte den Kaffee an einer Maschine mahlen – Tüte auf, Bohnen oben in einen Trichter, Tüte unten an den Abfüllstutzen geklemmt und los gehts. MONA kauft fast niemand. Aber in Rumänien ist Kaffee äußerst knapp und deshalb gut handelbar. Die goldglänzende Tüte tut ein Übriges. Ich stelle mich also an die Tür und halte auffällig unauffällig das Päckchen in der Hand. Der Zug ist bereits fertig zur Abfahrt, da kommt jemand auf mich zu. Schnell sind wir uns handelseinig. Während er noch das Geld raussucht, rollt der Zug schon los. Er muß neben mir herlaufen.

Aber kein Problem. In Rumänien gibt es nämlich keine Ansagen am Bahnsteig und auch keine hysterisch rumkreischenden SchaffnerInnen „Diiirn schließüne!!!! Mach endlich die Diere zu, fordammt!“ wie zu Hause. Dort fährt der Zug mit einem Hornsignal einfach langsam los und jeder kann noch aufspringen. Erst am Ende des Bahnsteigs wird’s dann schneller. Endlich hat er seine Lew zusammengekramt. Er reicht mir das Geld und ich ihm das Päckchen Mona-Kaffee. Dann steige ich die letzte Stufe auf der Treppe hoch und schließe die Tür.

Die Geldscheine sind eher wie alte dreckige Lappen. Vollkommen abgenutzt und ohne jegliche „Spannkraft“, der Druck kaum noch zu erkennen. So sahen aber alle Scheine in Rumänien aus – selbst von der „Staatsbank“ in der DDR habe ich beim Umtausch keine anderen bekommen. Die bulgarischen Lewa waren dagegen teilweise druckfrisch. Doch mit der Einnahme an der Waggontür habe ich praktisch meine Ausgaben von zwei Tagen in Brasov/ Kronstadt auf der Hinfahrt schon wieder ausgeglichen. Ich kann also nach der Rückkehr bei der Staatsbank sämtliche rumänischen Lew wieder in DDR-Mark zurücktauschen, so als ob ich überhaupt nicht in Rumänien war.

Budapest ist einfach nochmal Luftholen vor der Rückkehr in die DDR. Vielleicht auch noch ’ne neue Jeans kaufen oder besser eine West-Schallplatte. Im letzten Jahr habe ich mir „Blues from Laurel Canyon“ von John Mayall mitgenommen (zur Info für die Neugierigen – damals umgerechnet etwa 80 Ost-Mark). Das war wirklich ein guter Griff. Blues vom Feinsten. Ich war im Frühjahr 1988 in Leipzig ins Polen-Zentrum am Brühl gegangen. Dort lief eine Bluesplatte als Hintergrund – Musik, deren groove bei mir Begeisterungsstürme auslöste. Im Polen-Zentrum konnte man immer wieder mal Dinge bekommen, die im Nachbarland produziert und verkauft worden. Diese bereicherten das „kulturell relevante Warensortiment“ für aufgeschlossene DDR-Bürger doch ganz ordentlich. An besagtem Tag fragte ich die Verkäuferin, welche Platte das denn sei. Ich bekam eine John Mayall – LP, aufgenommen live im ungarischen Szeged. Wenn ich mich recht entsinne, für den in der DDR üblichen Einheitspreis von 16,10M das gute Stück. Diese Platte war in Polen in Lizenz produziert worden. Was ich nicht wußte und was das etwas vereinfachte Cover auch verschwieg – die LP wurde im Westen unter dem Titel „Behind the iron curtain“ verkauft. Jedenfalls hatte John Mayall ab dem Tag einen Fan mehr. Bis dato kannte ich ihn nicht, in der DDR gab es vor allem Blues – Platten von schwarzen Blues-Musikern, die irgendwo beim american folk blues Festival teilgenommen hatten. (Im Jahr 1989 erschien auch in der DDR eine Lizenz-LP von John Mayall, wie üblich für 16,10M, „The Power of the Blues„. Allerdings auch wieder, ohne den Titel zu nennen.)

Im Sommer 1989 habe ich allerdings keine LP gefunden, die es mir wert war, noch von Budapest aus mitgeschleppt zu werden. Stattdessen streunerte ich durch die Stadt. Gerüchte machten überall die Runde. Das irgendwie viele DDR-Bürger über Ungarn nach Österreich abgehauen waren, hatte ich unterwegs schon mitbekommen. Auch in Bulgarien hatten mich einige danach gefragt. Als ich am Donauufer in Budapest, gegenüber dem ungarischen Parlamentsgebäude saß, fragte mich eine junge Frau, ob ich denn abhauen will. Ich verneinte, das hatte ich nie vor. Mir war klar, daß die Situation in der DDR alles andere als schön ist. Gerade in den Wochen vor der Abreise hatte ich ja so einige Erlebnisse mit Polizei und Stasi. Doch ich sah auch die immer stärker werdende Gegenbewegung und fühlte mich dieser immer mehr verbunden. Außerdem habe ich immer gesagt: ‚Die Probleme in der DDR, die kenne ich und die können wir anpacken. Da wird sich einiges ändern müssen und da will ich dabei sein. Die Probleme im Westen kenne ich nicht mal. Mich zieht da nichts hin.‘ Das genau diese Probleme nicht mal ein Jahr später auch meine sein würden, konnte ich zu dem Zeitpunkt leider nicht ahnen.

Budapest 1989: Parlamentsgebäude an der Donau
Budapest: Parlamentsgebäude an der Donau

Wenn ich allerdings gewußt hätte, wie einfach es offenbar zu dem Zeitpunkt schon war, mal rüber nach Wien zu fahren, dann hätte ich das bestimmt probiert. Kurz nach Wien, ’ne Ansichtskarte vom Stephansdom nach Hause schicken und dann zurückfahren. Wäre schon ein Spaß gewesen.

Für viele Ossis war damals Budapest noch der ‚halbe Westen‘. Das zeigte sich vor allem am Fastfood – Laden mit der goldenen Möve. Dort standen selbst nachts noch lange Schlangen von DDR-Bürgern, die mal auf einem Stück McIrgendwas rumkauen wollten. Konnte und kann ich nur den Kopf schütteln…

McDonalds in Budapest, 1989
Budapest, Sommer 1989

Ach ja, die Nacht. In den Jahren zuvor war es oftmals so, daß die großen Bahnhöfe, die Margareteninsel in der Donau oder einige Durchgänge an der Kettenbrücke nachts von DDR-Jugendlichen belagert wurden, die dort in langen Reihen schliefen. Einfach, um sich Übernachtungskosten zu sparen. Schutz durch Masse. Ab 1988 ist Ungarn dazu übergegangen, solche Jugendlichen dann abends einzusammeln und ein Stück nach außerhalb in ein Camp zu bringen. Das wurde von einer Hilfsorganisation betreut. 2015 habe ich mal im Netz Bilder gesehen, die dieses Camp mit den Flüchtlingscamps verglichen. Paßt relativ gut, zumal ein Großteil der Leute 1989 auch nur auf eine Gelegenheit oder einen Schlepper wartete, um über die österreichische Grenze zu kommen. Damals hat sich Ungarn gegenüber den DDR-Bürgern großzügig gezeigt.

Ich bin mit einigen anderen Ossis am Abend gleich mit dem Stadtbus zu diesem Lager gefahren. Im Camp standen ein paar Großzelte, wo man sich einen Schlafplatz zuteilen lassen konnte. Die reichten bei Weitem nicht. Aber von den Jugendlichen hatten ja fast alle ein Zelt dabei, was jeder auf vorgesehenen Wiesenflächen aufbauen durfte. Es gab Waschräume, ansonsten war die Ausstattung eher dürftig aber ausreichend. Alkohol war verboten. Das Pärchen, mit denen ich ankam, hatte ein kleines Zelt. Sie nahmen freundlicherweise meine Kraxe mit rein, damit mir nichts gestohlen werden konnte. Ich legte mich mal wieder mit der Tarpdecke zwischen die Zelte.

Sommer 1989 - Budapest Zeitungskiosk
Freie Presse? Zeitungkiosk in Budapest

Die Regel war, daß das Lager am Vormittag komplett verlassen werden mußte. Zelte abbauen, nichts zurücklassen. Am Eingang gab es große Käfige. Dort konnte man gegen eine Gebühr sein Gepäck einschließen lassen und am Abend wieder in Empfang nehmen. Also, kein Platz für Dauerbewohner, die Karten wurden jeden Abend „neu gemischt“.

Ich wollte mich sowieso nicht auf einen längeren Aufenthalt einrichten, sondern am nächsten Tag weiter. Also auf, zum Nyugati Pu. Dort fuhren die Züge in den Norden ab, also auch in Richtung DDR. Die großen Bahnhöfe in Budapest stammten vermutlich schon aus der Zeit der Donau-Monarchie und waren sehr gut restauriert. Kein Vergleich mit den immer schmuddeligen, heruntergekommenen DDR-Bahnhöfen.

Der Zug, mit dem ich nun zurückfahren würde, passierte die Grenze zur Slowakei in Rajka. Schon fast in Österreich 😉 Dann kam gleich Bratislawa, die erste Station meiner Sommer – Reise 1989. Hinter der Grenze fotografierte ich wenigstens mal die Rückseite meiner „Reiseanlage zum visafreien Reiseverkehr“ mit den vielen Grenz – Stempeln. Denn an der DDR-Grenze wird die einkassiert. Vermutlich, damit die Stasi im Bedarfsfall ein Stück den Reiseverlauf nachvollziehen kann (die Paßkontroll-Einheiten waren Teil der Stasi). Wenn ich gewußt hätte, daß es das letzte Mal ist, daß ich so ein Papier brauche, hätte ich auch die Vorderseite fotografiert.

Rückseite der DDR-"Reiseanlage zum visafreien Reiseverkehr" mit Grenzstempeln
Rückseite der „Reiseanlage“ mit Grenzstempeln

Im Zug sind viele DDR – Jugendliche. Vor allem ab Prag sind praktisch alle Plätze besetzt. Denn das kurze Stück in die tschechoslowakische Hauptstadt fahren einige doch auch, um ein Wochenende mit ‚etwas Distanz‘ und bei einem guten Schwarzbier im U Fleku zu verbringen. Das Haupt-Thema ist natürlich die Flüchtlingswelle. Also die DDR – Flüchtlingswelle über Ungarn. Wer in Ungarn war oder über verschiedene Kanäle West-Nachrichten empfangen konnte, hatte da was beizusteuern. Einige erzählten auch davon, daß sie in Ungarn die verlassenen Autos am Straßenrand oder stehengebliebene leere Zelte auf dem Zeltplatz gesehen haben. Je näher wir der DDR – Grenze bei Dećin kamen, desto mehr witzelten wir, daß die Grenztruppen inzwischen jeden, der zurückkommt, mit einem Blumenstrauß empfangen.

Als es dann soweit war, herrschte angespannte Stille. Kaum jemand flüsterte. Koffer auspacken mußte niemand. Aber wirklich freundlich waren die Typen nicht. Naja, das waren die (fast) nie. Blumen gab’s keine. Doch auch die Grenzkontrolleure waren offensichtlich angespannt. Die Fragen und Bemerkungen waren knapp und streng. Es lag was in der Luft, das war deutlich. Möglicherweise ahnten sie, daß der Exodus der Anfang vom Ende war, daß ihnen und ihren Genossen im Land immer mehr die Kontrolle entglitt.

Nun ja, hinter Bad Schandau ist dann Ruhe. Der Zug kurvt in langen Schlingen das Elbtal entlang durch die Sächsische Schweiz. Viel zu sehen ist nicht, es ist früher Morgen und noch dunkel. Ab Dresden bekomme ich einen Zug nach Leipzig, den ich in Oschatz verlasse. Von dort aus kann ich das letzte Stück mit dem Bus fahren.

Ich bin wieder daheim. Hinter mir liegt eine abenteuerliche Reise, meine erste längere Allein – Unternehmung. Vor mir liegen aufregende Wochen. Ab dem 9. Oktober, dem entscheidenden Tag der friedlichen Revolution in Leipzig, ist alles anders. In dieser Zeit kann ich kaum schlafen. Nicht nur wegen diverser nächtlicher Aktivitäten. Meine Gefühlswelt ist im Aufbruch, es fühlt sich an, wie frisch verliebt. Die Stasi hat sich zurückgezogen, hat ihren Schrecken verloren. Und wir können beginnen, was Neues aufzubauen, endlich unser Land selbst gestalten und entwickeln.

Heute wird die Erinnerung an diese Ereignisse in der Regel auf den „Fall der Mauer“ reduziert. Also dem Tag, an dem die Wessis aufwachten und sich verwundert die Augen rieben ‚was ist denn da los im wilden Osten?‘ Doch dieses Ereignis war einfach eine der Forderungen und logischen Konsequenzen der friedlichen Revolution.

O.k., der Rest ist bekannt. Der Kater zog schon im Dezember langsam ein, im März kam der Hammer, im Oktober der Anschluß. Anschluß unter Nr.23. Ein Land hatte begonnen, die Lähmung zu überwinden und sein Schicksal selbst zu gestalten. Aber Käfighühner brauchen keine Freiheit.

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