Coimbra – Universität und Studentenleben mit Tradition

Coimbra – Universität und Studentenleben mit Tradition

Die Stadt Coimbra liegt in der portugiesischen Region „Centro“ am Fluß Mondego. Sie ist nicht so sehr ein touristisches Zentrum in Portugal, aber sehenswert ist Coimbra doch. Insbesondere die traditionsreiche Universität hat die Stadt geprägt und ist möglicherweise ein Ziel von Erasmus – Studenten aus ganz Europa.

Ein Römersiedlung war der Anfang von Coimbra

Spuren der Besiedlung der Region am Mondego gibt es bereits von den Kelten. Doch mit dem Aufbau eines Ortes namens Aeminium nahm die Stadtgeschichte von Coimbra wohl ihren Anfang. Die neue Stadt lag an einer wichtigen Römerstraße von Olisipo nach Bracara Augusta. Heute würden die Einheimischen das mit Lisboa (Lissabon) und Braga übersetzen. Die wichtigsten Hinterlassenschaften der Römer sind ein Aquadukt und die Fundamente des Forum Kryptoportikus unter dem Museo Machado de Castro.

Altstadthügel und Universität von Coimbra am Fluß Mondego
Altstadthügel und Universität

Im Jahr 711 übernahmen die Mauren die Herrschaft in Coimbra und blieben vorerst bis 878. So richtig gelang es ihnen nicht wieder, eine stabile Macht in Coimbra zu installieren. Es kam zu Eroberungen und Rückzügen, bis 1117 die Maurenherrschaft in der Region entgültig zu Ende ging.

Nach 1139 wurde Coimbra sogar für rund 115 Jahre die Hauptstadt von Portugal.

Azulejo mit Königin Santa Isabel
Königin Santa Isabel auf Azulejo

Älteste Universität in Portugal

Nachdem die Bedeutung Coimbras mit der Verlagerung der Hauptstadt nach Lissabon deutlich zurückgegangen war, wurde die Gründung der Universität ein prägendes Ereignis für die Stadt. Denn 1290 waren Universitäten in ganz Europa noch recht selten – in Portugal sorgte König Dom Dinis mit der Neugründung für ein Novum. Coimbra wurde die erste Universitätsstadt Portugals. Der Einfluß der Universität ist in Coimbra bis heute spürbar. Viele Studenten sind unterwegs und beeinflussen auch das kulturelle Leben der Stadt. Selbst Feste haben sich aus studentischen Traditionen heraus entwickelt. So wirbelt Anfang Mai das große Studentenfestival Queima das Fitas für eine Woche den Alltag in Coimbra durcheinander – es gibt eine Menge live- Konzerte und der große Höhepunkt ist ein Straßenumzug, an dem sich alle Fakultäten und akademischen Fachrichtungen beteiligen.

Campus der Universität Coimbra mit Uhrturm
Campus der Universität

Der historische Campus überragt den Altstadt – Hügel

Die Universität ist auch das prägende Gebäude – Ensemble auf der Bergkuppe nördlich des Mondego Flusses. Wer Coimbra besucht, sollte unbedingt auch den barocken Campus mit dem markanten Uhrturm ansehen. Sehenswert sind an der Universität der große Festsaal „Sala grande dos Actos“ und die Capela Sao Miguel. Die historische „Biblioteca Joanina“ mit Emporen, goldenem Dekor und einem Bücherbestand von 250000 Werken in riesigen Regalen ist ebenfalls einen Besuch wert. Seit 2013 ist die Universität von Coimbra Weltkulturerbe.

Interessant ist, daß in Coimbra bereits seit dem 16. Jahrhundert viele Studenten in studentischen Wohngemeinschaften, sogenannten „Republicas“ leben.

Die Neubauten des Diktators Salazar

Während der Estado novo – Periode der salazistischen Diktatur in Portugal wurde der Campus der Universität in den vierziger Jahren mit umfangreichen Neubauten, monumentalen Statuen und einer Freitreppe erweitert. Salazar selbst hatte in Coimbra studiert und war einige Zeit Professor an der Universität. Der Neubau – Bereich liegt neben dem alten Campus und weckt zumindest bei mir zwiespältige Gefühle. Denn diese Architektur mit ihren strengen Linien, wuchtigen Gebäuden und den überdimensionierten „Heldenfiguren“ macht den Freiraum irgendwie zu einem „Aufmarsch – Platz“, der nicht sonderlich zum Bummeln lockt. Für diesen Teil der Universität wurden seinerzeit Teile der Altstadt abgerissen.

Zu dem gesamten Komplex auf dem Berg gehört auch die neuere Kathedrale „Sé Nova“.

Platz und Gebäude der Universität aus der Estado Novo Aera
Universitätsgebäude aus der Zeit der Estado Novo
Kathedrale Se Nova von Coimbra am Universitätscampus
Neue Kathedrale Sé Nova

Altstadt am Berg in Coimbra

Westlich unterhalb der Universität von Coimbra ziehen sich die Altstadt – Straßen hin. Hier mußt Du gut zu Fuß sein, denn es geht über unregelmäßiges Pflaster durch die Gassen. Das markanteste Gebäude in diesem Stadtviertel ist die festungsartig wirkende alte Kathedrale Igreja da Sé Velha aus dem 12.Jahrhundert. Diese liegt zumindest auf zwei Seiten eng bedrängt von den Häusern und Gassen der Altstadt. Weihwasserbecken in der Kathedrale Sé Velha haben Muschelform. Bemerkenswert ist auch der spätgotische Hauptaltar.

Alte Kathedrale Sé Velha im Altstadtviertel von Coimbra
Alte Kathedrale Sé Velha aus dem 12.Jh.

Die lange gerade Fußgängerstraße Rua Ferreira Borges trennt den bergigen Teil der Altstadt vom westlichen Viertel Sao Bartolomeu. Auch hier ist der Bereich verkehrsberuhigt oder Fußgängerzone, doch hier ist der eher geschäftliche Teil mit Läden, Restaurante und Cafés. Der Kopfbahnhof Coimbra A stößt am Ufer des Rio Mondego an dieses Viertel.

Am Praca 8 de Maio findet sich das Kloster Santa Cruz. Direkt neben der Kirche befindet sich das Café Santa Cruz, welches um 1530 als Gemeindekirche neu errichtet wurde. In der Folge der „Liberalen Revolution“ von 1822 wurden die klösterlichen Orden aufgelöst. Das traf 1834 auch das Kloster Santa Cruz, die Gemeinde zog in die größere Klosterkirche um.

Das Gebäude der Gemeindekirche erlebte eine Zeit wechselnder Nutzungen, so als Lagerraum, als Polizeiwache, Bestatter, Feuerwache, Hufeisenhandlung usw., bis etwa 1920 erstmals ein Café eingerichtet wurde. Das luxuriöse Etablissement im Stile eines neo-manuelitischen Kaffee-Hauses wurde anfangs heftig kritisiert, da klerikale Kreise ein Café so dicht neben der Kirche und dazu noch in ehemals sakralen Räumen ablehnten. Doch bei den Besuchern war das Café von Anfang an beliebt – Literaten und Journalisten trafen sich hier. Nach der Nelkenrevolution in Portugal 1974 erlebte das Café Santa Cruz einen neuen Aufschwung mit einer Mischung von Studentinnen und Touristen als Besuchern.

Klosterkirche Santa Cruz mit Café in Coimbra
Kirche Santa Cruz mit Café

Sehenswertes in Coimbra – Museen, Ausstellungen, Gartenanlagen

In ganz Portugal bekannt ist die tragische Liebesgeschichte zwischen dem Thronfolger Pedro und seiner Geliebten Inés de Castro aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Das Liebespaar traf sich im Garten „Jardim da Quinta das Lágrimas“ in Coimbra. Dort wurde Inés de Castro im Auftrag des Königs Afonso IV., der mit der Liebschaft seines Sohnes überhaupt nicht einverstanden war, dann auch umgebracht. Zwei Brunnen erinnern in dem Park an die Geschichte – der Fonte dos Amores „Liebesquelle“ und der Fonte das Lágrimas, die „Tränenquelle“.

Mit dem Jardim Botánico, einem botanischen Garten, hat Coimbra auch einen Sammelort für exotische Bäume und Pflanzen in Tropenhäusern aus dem 18. Jahrhundert.

Coimbra - Largo da Portagem mit Denkmal Joaquim António de Alguar
Denkmal Joaquim António de Alguar

Im ehemaligen Bischofssitz befindet sich das schon erwähnte Museu Nacional de Machado de Castro mit einer umfangreichen Kunstsammlung insbesondere von Schätzen der Kirche. Machado de Castro war einer der wichtigsten portugiesischen Bildhauer, der in der Nähe von Coimbra 1731 geboren wurde. Hier ist auch der römische Kryptoportikus zu sehen. museumachadocastro.gov.pt

Die Kunstsammlung der Familie Telo de Morais wird im städtischen Kunstmuseum Museu Municipal – Coleccáo Telo de Morais präsentiert. Dazu gehört portugiesische Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts, Keramik, Mobiliar und Skulpturen.

Lohnenswert für Musikfreunde kann ein abendlicher Besuch in der Kapelle Nossa Senhora da Victória aus dem 14. Jahrhundert sein. Denn im heute als Á Capella benannten Etablissement treten allabendlich fadistas mit ihren Fado – Gesängen auf. Eine Reservierung ist hier unbedingt erforderlich. Die Stadt ist ja mit dem „Fado de Coimbra“ Hörplatz einer regionalen Spielart des portugiesischen Fado – diese gilt als „strenger“ und wird nur von Männern dargeboten. www.acapella.com.pt

Reisetips für Coimbra in Portugal

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Anreise

Übersicht Karte Portugal Centra mit Coimbra

Tips für die Reise nach Portugal liefert der verlinkte extra – Beitrag. Die Anreise von innerhalb Portugals kann per Bahn oder per Fernbus mit den „Rede Expressos“ erfolgen. Der Fernbahnhof Coimbra B liegt etwas außerhalb der Stadt und wird von den Zügen der Linha norte angefahren. Darunter auch die Expreß – Züge des alpha pendular. Regionalzüge fahren zum Kopfbahnhof Coimbra A direkt am Altstadtviertel Sao Bartolomeu.

Sowohl von Lissabon als auch von Porto ist die Anreise mit dem Rede Expressos Fernbus bequem und schnell möglich. Die Busstation ist ebenfalls am Rande des Viertels Sao Bartolomeu. Die Busverbindungen können vorab über omio online* herausgesucht und gebucht werden.

Per Auto oder Mietwagen* ist Coimbra ebenfalls gut zu erreichen. Die Stadt liegt an der Nord – Süd – Autobahn A1, in Stadtnähe trifft außerdem die A14 von Figueira da Foz auf ein Kreuz mit der A1.

Coimbra mit Tal des Mondego Fluß
Stadtgebiet mit dem Flußtal des Mondego

Bootstouren auf dem Rio Mondego

Wer mag, kann mit O Basófias i.d.R. nachmittags eine Bootstour auf dem Mondego Fluß unternehmen. www.odabarca.com

Moderne Fußgängerbrücke über den Mondego Fluß in Coimbra
Fußgängerbrücke über den Mondego

Baden bei Coimbra

Coimbra liegt etwa 50km östlich der Mündung des Mondego in den Atlantik. Wer nach der Städtetour gern mal wieder Strand und Meer sehen will, fährt dazu am Besten nach Figuera da Foz an die Costa de Prata. Nördlich der Flußmündung beginnen weite Strände entlang der Küste bis zum Örtchen Buarcos. In Figueira da Foz gibt es dazu das Partyleben sowie Wassersport – Angebote, die Dörfer weiter im Norden bieten dafür mehr Ruhe und Entspannung.

Natur im Waldpark

Nordöstlich von Coimbra befindet sich der Waldpark Bosque Sacro im Parque Nacional do Bucaco. Hier wurden vor allem von Karmelitermönchen eine unglaubliche Vielfalt von Bäumen und Pflanzenarten angepflanzt.

Unterkünfte

Bestens aufgehoben – qualitativ hochwertige Unterkünfte in Coimbra

Hotel Quinta das Lagrimas*****

Ein Palast inmitten eines kleinen Parks beherbergt das Hotel Quinta das Lagrimas* und seine Gäste. Doch nicht nur ein historisches Ambiente, sondern auch moderner Luxus mit wellness und Pool machen den Aufenthalt in diesem Hotel zu einem angenehmen Erlebnis. In den Restaurantes werden Gerichte mit regionalen Zutaten der Saison angeboten. Dazu stehen erlesene lokale Weine zur Auswahl. Mit Bamboo Garden Spa, Massagen, Türkischem Bad und Fitness-Center findet jeder seine Möglichkeiten zur körperlichen Ertüchtigung. Unter den Zimmerangeboten können historische Palast – Zimmer oder körperfreundlich Spa- Zimmer gewählt werden. Die Anlage ist teilweise für Rollstuhlfahrer geeignet. Parkplätze , tlw. behindertengerecht, stehen zur Verfügung.

Sapientia Boutique Hotel****

Direkt an der Altstadt und den top – Sehenswürdigkeiten von Coimbra befindet sich das Sapientia Boutique Hotel*, welches nicht nur vier Sterne, sondern auch beste Bewertungen von Gästen auszeichnen. Diverse Zimmer für 2 bis 4 Gäste, auch Familienzimmer werden hier angeboten. Frühstück gibt es vom Buffet, wahlweise auch a lá carte. Die Zimmer der oberen Stockwerke sind auch per Fahrstuhl erreichbar.

Weitere Übernachtungsmöglichkeiten in Coimbra

Hotel Botanico**

Das Hotel Botanico* liegt ganz in der Nähe des großen Botanischen Gartens und der Universität von Coimbra. Die modern ausgestatteten klimatisierten Zimmer sind für zwei bis vier Gäste ausgelegt, es gibt auch ein Familienzimmer. Frühstück ist inklusive. Es gibt einen snack- und Getränke-Automaten im Haus. Obere Stockwerke sind per Fahrstuhl zugänglich.

Guesthouse Santa Clara

Das Guesthouse Santa Clara* liegt auf der Südseite des Mondego und ist etwa 800m von der alten Kathedrale Sé Velha entfernt. Bis zum historischen Café Santa Cruz sind es 1000m. Die klimatisierten Zimmer mit Kühlschrank lassen teilweise den Ausblick auf den Fluß oder die Altstadt zu. Gute Gästebewertungen gehen auch auf die bequemen Betten zurück. Den Gästen stehen kostenfreie Parkplätze zur Verfügung.

Sophia Residences

Studio-Wohnungen in einem historischen Altstadt-Gebäude von Coimbra, den Sophia Residences* lassen Dir Raum zum individuellen Aufenthalt in dieser Stadt. Die Studios verfügen über gut ausgestattete Küchen, Kaffee- und Teezubehör ist frei verfügbar. Bis zur alten Kathedrale Sé Velha sind es ca. 400m. Der Zugang erfolgt über Türcodes, Anfragen und Service weitgehend per Telefon, mail oder social media.

budget in Coimbra – Hostels

HI Coimbra Pousada de juventude

Die derzeit günstigste Unterkunft in Coimbra bietet das Youth hostel Pousada de juventude* der Kette Hosteling International. Angeboten werden Schlafplätze in Doppelstock-Betten in Geschlechtergetrennten Schlafsälen mit Gemeinschaftsbädern. Im niedrigen Übernachtungspreis ist außerdem noch ein einfaches Frühstück enthalten. Die Altstadt von Coimbra ist etwa 1km vom Hostel entfernt.

Olive Street house

Ein Stück teurer, dafür aber näher an der Altstadt (bis zur Kathedrale Sé Velha sind es nur 300m) ist das Olive Street House*. In diesem privat geführten Hostel gibt es Schlafplätze im gemischten Schlafsaal oder Privat – Zimmer für zwei bis drei Personen. Eine Gemeinschaftsküche kann genutzt werden. Die Wirtin sorgt auch für die Gepäckaufbewahrung bei An- und Abreise. Zum berühmten Café Santa Cruz sind es sogar nur 100m.

Das Coimbra – Wetter und die Aussichten

Wie das Wetter heute in Coimbra aussehen soll, zeigt Dir die nebenstehende Grafik. Außerdem ein Wetter – Ausblick auf die nächsten drei Tage.

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