Radtour durch drei Länder – auf der Vennbahn- Radtrasse nach Luxemburg

Radtour durch drei Länder – auf der Vennbahn- Radtrasse nach Luxemburg

Gern bin ich zur Abwechslung auch mal nur mit dem Rad unterwegs. Inzwischen gibt es ja mehr und mehr schöne Radwege entlang der Flüsse, oder aber auf alten Bahntrassen. Einen der schönsten Radwege auf Bahnstrecken konnte ich nun erkunden – die Vennbahn – Radstrecke. Diese beginnt in Aachen, verläuft dann mehrheitlich durch belgisches Gebiet und endet nach 125km im luxemburgischen Troisvierges – oder mit deutschem Namen Ulflingen.

Mit der Bahn zur Vennbahn – Stolberg an der Inde

Mein Einstieg zum Vennbahn – Radweg war nicht Aachen – ich hatte keine Lust auf Großstädte. Per Bahn bin ich quer durch’s Land mit dem entsprechenden Ticket angereist. Aber nur bis Langerwehe – dort habe ich kurz vor Aachen den NRW-Expreß bereits verlassen. Von Langerwehe aus zweimal über’n Berg, kleine Zwischenstation in Mausbach, und schon bist Du in Stolberg. Nicht Stolberg/ Harz, was auch eine schöne Stadt ist und partnerschaftlich mit diesem Stolberg verbunden – hier geht es um Stolberg an der Inde.

Altstadt Stolberg mit Burg

Einige Kilometer östlich von Aachen, eine kleinere charmante Bergstadt mit Flußlauf und Fachwerkhäusern und einer Burg, die über der Stadt auf einem Bergrücken thront. Leider ist coronabedingt noch so einiges geschlossen, das kleine Handwerker-Museum auf dem Burgvorhof wird wohl erst 2021 wieder öffnen. Doch reizend war dieser Einstieg schon. Mit dem charmantesten Lächeln einer Politesse, was ich je erleben durfte. Da möchte ich gleich nochmal freihändig in der falschen Richtung auf dem Fußweg fahren…

Stolberg - Altstadt
In der Altstadt von Stolberg
Burg Stolberg
Burg Stolberg

In der Stadtinformation von Stolberg, die zum Glück geöffnet hat, kannst Du Dir einige gute Info’s zu Radwegen der Umgebung holen – es gibt dazu eine brauchbare Karte samt Broschüre für die Region um Aachen. Und eine Karte für die gesamte Vennbahn – Radstrecke.

Die Berge um Stolberg können für ungeübte und schwerbeladene Radler ganz schön anstrengend sein – ich nehme mich da aktuell mal nicht aus…

Zubringerstrecke für Vennbahn – Radler

Doch von Stolberg aus wurde eine „Zubringer-Strecke“ zur Vennbahn eingerichtet, und die ist gut fahrbar. Dort verläuft auch parallel eine richtige Bahnverbindung, allerdings wohl nur noch teilweise für Güterwerks-Verkehr im Betrieb. Der Zubringer beginnt südlich von Stolberg über Breinig nach Kornelimünster und unterquert dabei bereits einen ansehnlichen Viadukt eines Eisenbahn – Abzweigs von der Vennbahn-Strecke.

Vennbahn - Radweg Zubringer
Auf dem Zubringer von Stolberg zum Vennbahn – Radweg

Der Vorteil an Bahnstrecken ist, daß sie nur geringe Steigungen aufweisen, so daß sie für jederman gut zu bewältigen sind. Für die Vennbahn-Strecke wird eine max. Steigung von 3% angegeben – auf ein paar überraschende Ausnahmen komme ich noch zu sprechen. Vor allem die „Zubringer“ sind oft sehr steil, da sie die über Höhen verlaufende Hauptstrecke von den Ortschaften im Tal aus erstmal erreichen müssen.

Auf dem Vennbahn – Radweg

Bist Du drauf, kannst Du richtig Meter machen! Fast durchgängig ist der Vennbahn – Radweg asphaltiert, und das mit einer sehr glatten Oberflächen-Struktur, die die Rollreibung gering hält. Aber in Richtung Süden geht es doch stetig bergauf – ein Grund, warum viele für eine Tagestour in Monschau beginnen und die rund 52km nach Aachen zurückradeln. Bis zum ersten belgischen Ort Raeren liegen parallel noch Gleise, allerdings ist da kein Zug mehr zu erwarten. An Bahnhöfen wie Walheim und Raeren stehen ein paar ausrangierte „Museums-Wagons“ oder Loks, auch sonst sind noch einzelne Zeugen des Bahnbetriebs wie alte Signale oder Stellwerke vorhanden. Die Bahnhöfe gibt es nur noch zum Teil, meist als Wohnhaus umgebaut.

Vennbahn - Radweg Ortspassage
Die Orte sind durch alte Bahnhofs-Schilder gekennzeichnet
Vennbahn - Radweg Bhf Raeren
Bhf Raeren, der erste Belgische Bahnhof

Bei Roetgen wechselt die Strecke mal wieder auf deutsches Gebiet und verläuft dann auf der Grenze bis Konzen. Ein Nachteil der alten Bahnstrecken ist, daß früher die Bahnlinien und Bahnhöfe meistens weit außerhalb der Orte gebaut wurden. Ich habe schon deshalb nur wenige Abstecher gemacht. Außerdem liegen die Orte hier meistens weit im Tal, während sich die Bahn auf einer Höhenlinie um die Siedlungen herumwindet. Wenn ich dann einmal so schön im Rollen bin, habe ich zugegeben wenig Lust, da runterzufahren und anschließend wieder hinaufzukeuchen.

Monschau – tief im Tal der Rur

Eine Ausnahme dazu habe ich in Monschau gemacht – der letzte größere Ort in Deutschland. Diese kleine Fachwerkstadt liegt richtig tief im Tal. Vom ehemaligen Bahnhof aus gibt es entweder eine Straße mit engen Serpentinen oder eine ziemlich steile Abfahrt. Letzere solltest Du nur nehmen, wenn Du sicher im Radfahren bist und Deine Bremsen gut gehen. Vor allem, wenn Du noch die Last vom Gepäck mit abbremsen mußt. Monschau selbst hatte im 18 Jh. für wenige Jahrzehnte einen wirtschaftlichen Aufschwung als Tuchmacherstadt. Insbesondere das weiche, kalkfreie Wasser von den Hochmooren erwies sich dafür als vorteilhaft. Heute ist sie ein Touristenmagnet. Leider schon zuviel des Guten – der Kern besteht eigentlich nur noch aus Restaurants, Souvenir-Shops und Gasthäusern. Es ist schon mal schön, dort für eine Stunde durch die Gassen zu schlendern, die sich das enge Tal mit hübschen Fachwerkhäusern und dem Lauf der Rur (nicht Ruhr!) teilen, aber dann reicht’s auch wieder.

Altstadt Monschau
Tuchmacherstadt Monschau an der Rur

Für den Rückweg bergauf zur Vennbahn-Radstrecke wähle ich den weniger steilen, dafür um einiges längeren Radweg an der Rur. Dieser ist Teil des Rurufer – Radwegs, der in der Nähe des belgischen Sourbrodt beginnt, bei Kalterherberg auf den Vennbahn-Weg trifft und parallel verläuft und ab Monschau ostwärts dem Abfluß der Rur folgt.

Kalterherberg – mal deutsch, mal belgisch

Kalterherberg ist nun (fast) entgültig der letzte deutsche Ort an der Vennbahn- Strecke. Und die letzte Gelegenheit, noch mal in einem deutschen „Supermarkt“ einkaufen zu gehen. Das betone ich jetzt nicht, weil ich die deutsche Verkaufskultur so mag oder die günstigen deutschen Discounterpreise empfehlen möchte. Nein, aber der „Nah und frisch“ in Kalterherberg ist für weite Strecken überhaupt der letzte richtige Laden bis St.Vith! Das solltest Du bedenken. Die Vennbahn schlängelt sich nämlich danach über viele Kilometer dünn besiedeltes Gebiet, und ohne einige Vorräte könnte Dein Energiebedarf nur unzureichend gedeckt werden. Sehenswert in Kalterherberg ist ansonsten der „Dom“, eine für so einen kleinen Ort recht imposante Kirche mit Doppeltürmen.

Vennbahn - Radweg Kalterherberg
„Dom“ Kalterherberg

Und auch ansonsten gibt es interessante Geschichten: Der Bahnhof lag auf belgischem Gebiet, davor gab es über Jahrzehnte eine Zollstation. Doch hinter dem Bahnhof befindet sich noch eine deutsche Exklave. Das hat mit der leider sehr unruhigen Geschichte dieser Region zu tun, die Dir bei der Reise auf der Vennbahn – Radstrecke auch immer wieder begegnet.

Vennbahn – Historisches

Ursprünglich wurde die Vennbahn in den 1880er Jahren vor allem durch die Preußische Eisenbahngesellschaft gebaut, vor allem um Kohle und Eisenerz hin und herzufahren. Dadurch kam in einige der Orte an der Strecke ein nicht unerheblicher wirtschaftlicher Aufschwung. So z.B. am Bhf. Waimes bis zu 1400 direkt bei der Bahn Beschäftigte! Doch nach dem verlorenen ersten Weltkrieg wurde die Bahnstrecke im Versailler Vertrag als Ausgleich für erlittene Kriegsschäden vollständig an Belgien übertragen. D.h. die Bahn wurde insgesamt belgisches Hoheitsgebiet. Deshalb ist sie oftmals gleichzeitig Grenzlinie, an einigen Stellen entstanden aber auch Ex- bzw. Enklaven. Schön ist, daß an den ehemaligen Bahnhöfen meistens kleine Rastplätze eingerichtet wurde, an denen Info-Tafeln nicht nur Strecken-Infos geben, sondern mit historischen Fotos und Anekdoten die lokale Geschichte in den gesamtpolitischen Kontext stellen. So wird in Kalterherberg auf den Kaffeeschmuggel der Jahre 1945 bis 1950 verwiesen, wo über 4000 Tonnen Kaffee aus Belgien nach Deutschland transportiert wurden und so einige aus der lokalen Bevölkerung involviert waren.

Vennbahn - Radweg
Belgischer Personenwagon
Vennbahn - Radweg Sourbrodt
Bhf- Gelände Sourbrodt
Vennbahn - Radweg
Ein letztes Stellwerk

Moorgebiet des Hohen Venn als Namensgeber

In dieser Region ist übrigens auch der Name der Vennbahn entlehnt. Denn westlich der Strecke befindet sich das Hohe Venn, eines der größten Hochmoore Europas. Für Moor- Interessierte bietet sich dort eine Rad – Rundtour an, die das Moor gut erschließt und Sourbrodt im Süden sowie Eupen und Raeren einbindet.

Ein paar kleinere Eindrücke bekommst Du aber auch entlang der Vennbahn – Radstrecke da zwischen Kalterherberg, Bostagne, Weywertz und Waimes mehrfach Moorgebiete passiert werden.

Vennbahn - Radweg Hohes Venn
Im Moorgebiet des Hohen Venn

Abzweig bei Waimes nach Malmedy und ins südliche Venn

In Waimes mußt Du aufpassen und die Beschilderung gut lesen. Dort teilt sich die Strecke – eine weitere alte Bahnstrecke über Malmedy nach Trois – Ponts wurde ebenfalls zur Radstrecke ausgebaut. Der Bahnhof steht sozusagen als Streckenteiler zwischen den Linienführungen, wie früher schon im Bahnbetrieb. Den eigentlichen Ort Waimes kannst Du über die Malmedy-Strecke erreichen.

Vennbahn - Radweg Waimes
Bhf. Waimes trennt Vennbahn und den Radweg nach Malmedy

Über lange Zeiten bist Du auf diesem Weg wirklich allein und fern von Straßen oder Siedlungen unterwegs. Das ist sehr angenehm. Links und rechts ziehen sich Bergrücken, Taleinschnitte, Wiesen und Sumpfgebiete dahin. Zeitweise geht es durch Wald, dann kommen mal wieder Weiden. Teilweise fährst Du über einen Damm und die Landschaft liegt unter Dir, dann kommt wieder mal ein Einschnitt in einen Hügel. So bleibt die ganze Strecke abwechslungsreich und trotzdem relativ wenig anstrengend.

St. Vith und Burg Reuland – Abschied von Belgien

St Vith ist der letzte größere Ort in Belgien. Die Bahnstrecke ist innerorts bereits überbaut, d.h. am Ortseingang mußt Du auf Straßen und Wege ausweichen. Das ist einigermaßen gut ausgeschildert. Der alte Bahnhof wird als kleines Museum genutzt. Die Stadt selbst liegt auf dem Berg über den alten Bahnanlagen. Ein großer Kirchenbau ist das Beeindruckendste des Ortes. Ansonsten gibt es eine Vielzahl an Restaurants und Imbiß- Stuben, was die Stadt recht belebt erscheinen läßt. Allerdings ist nach den Kilometern auf der Vennbahn – Radstrecke wohl alles sehr belebt. Einen carrefour- Supermarkt findest Du nördlich des Zentrums.

Vennbahn - Radweg Bhf St.Vith
Bhf. St.Vith – heute Museum
Vennbahn - Radweg Tunnel
Freie Fahrt im Tunnel

Gleich hinter dem Bahnhof von St. Vith geht’s erstmal durch den Tunnel. Und dann wir die schon seit Monschau nicht sehr stark befahrene Vennbahn richtig einsam.

Aufgepaßt im Grenzgebiet – 180° – Kehre

Vennbahn - Radweg Streckenschild
100km ab Aachen

Eigentlich ist der Vennbahn – Radweg sehr gut ausgeschildert. Es gibt sogar aller 500m ein Strecken-Kilometer – Schild mit Notrufhinweis wie auf der Autobahn. Südlich von St.Vith beim Maspelt / Lommersweiler mußt Du aber gut aufpassen. Denn dort verläßt der Radweg die Bahnstreckenführung und macht eine 180° – Kehre. Wobei der Weg eigentlich auch geradeaus weitergehen könnte. Denn das ist gleichzeitig der Beginn des Eifel-Ardennen – Radwegs (oder die Separierung desgleichen von der Vennbahn?). Kommst Du dort unter einer Autobahn – Hochbrücke durch, bist Du schon falsch.

Vennbahn - Radweg Baustelle
Brückenbaustelle bei Hemmeres

Der Vennbahn – Verlauf ist unterbrochen, weil dort ein Viadukt zerstört ist. D.h. Du mußt durch das Bachtal fahren, ein kleines Stück durch Hemmeres über deutsches Gebiet, dann einen Splittweg entlang und zurück nach Belgien. Eine neue Brücke für eine etwas bessere Wegeführung wird dort gerade gebaut.

Vennbahn - Radweg Viadukt-ruine
Streckenunterbrechung bei Hemmeres
Vennbahn - Radweg Kunst
Kunst an der Grenze
Vennbahn - Radweg Burg Reuland
Burg Reuland

Nun nähern wir uns der Luxemburgischen Grenze. Hier wird es nochmal etwas anstrengender. Hinter Burg Reuland geht es stetig bergauf, auch über einige Viadukte, die in den Kriegen mehrfach zerstört wurden.

Goedange – Tunnel – Vorfahrt für Fledermäuse

Zwischen Lengeler und Goedange kommt die nächste Abweichung von der Bahnstrecke – und damit auch vom Steigungs- Durchschnitt. Eigentlich quert die Bahn hier einen Tunnel. Doch dieser ist gesperrt, seit beim Bau der Radstrecke entdeckt wurde, daß sich in dem alten Gemäuer Fledermäuse angesiedelt haben. Über 13 Arten sind nachgewiesen worden, darunter einige, die in Luxembourg sonst kaum zu finden sind. Deshalb wurde der Tunnel und das Umfeld zum FFH-Gebiet erklärt (Fauna-Flora-Habitat – Schutzgebiet) und die Vennbahn – Radstrecke außen rundherum gelegt. Aber Du kannst bis kurz vor den Tunnel heranfahren und gucken. Das lohnt meiner Meinung nach besonders von Süden her – also erst rundherum und dann hin. Denn der südliche Tunnelausgang läuft über eine lange ausgemauerte Einkerbung mit altem Stützmauerwerk aus – eine Art alter Kellergang ohne Decke. Und die ist bemoost und Wasser tropft und rinnt….

Es wurden an beiden Eingängen auch Info-Tafeln aufgestellt einschließlich webcam – Videos und einer Akustik-Säule.. also auf jeden Fall ein interessanter Abstecher.

Tunnel Goedange
Hist. Tunnel Goedange 1961
Vennbahn - Radweg Goedange
Fledermausrevier Tunnel Goedange
Vennbahn - Radweg
Zufahrt zum Tunnel Goedange

Ziel erreicht: Troisvierges (Ulflingen)

So richtig kommt die Strecke dann auch nicht mehr auf den Zug…. kurz vor Troisvierges mündet nämlich schon der Zweig der belgischen Bahn ein und damit ist Schluß mit Radfahren auf der Bahnstrecke. Du must drunter durch, über den Fluß und über den Berg – und dann siehst Du von Oben den Bahnhof Troisvierges (Ulflingen) im Tal vor Dir. Dann kannst Du wieder richtig Bahn fahren. Und das Schöne – in Luxemburg kostenlos, wohin Du willst! Zum Beispiel zu einem anschließenden Stadtbummel in Luxemburg – City.

Vennbahn - Radweg Troisvierges
Endstation Troisvierges

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