Ein Bergzug mit Charme – die Mala Fatra

Ein Bergzug mit Charme – die Mala Fatra

Ein Stück aus dem Blickwinkel geraten ist in den letzten Jahrzehnten die Slowakei. Zu Unrecht, gibt es doch dort besondere Naturschönheiten, die zumindest für ostdeutsche outdoor-Liebhaber lange Zeit ein reizvolles Ziel waren. O.k., die Hohe Tatra kennt wohl auch heute fast jeder, aber das es auch eine kleine Tatra gibt, erschöpft schon für viele die geografische Kenntnis.

[*enthält unbezahlte Verweise auf Gastronomie, Geschäfte, Freizeiteinrichtungen usw. und zählt deshalb als Werbung]

Für eine Kurzreise ist die Mala Fatra ein reizvolles Ziel, zumal inzwischen auch die Ortschaften im Umfeld eine Verschönerungskur hinter sich haben und die graue Tristesse sozialistischer Industrie-Städte ablegen konnten. So lohnt es, für die Anreise Zilina anzusteuern und dort mindestens einen Erholungtag vor oder nach den Bergwanderungen einzulegen. Für alle, die mit Öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, ist Zilina sowieso der Umsteigepunkt in die lokalen Busse oder Bahnen.

Mala Fatra – Ein Bergkamm in zwei Teilen

Die Mala Fatra besteht aus zwei Bergketten, die über einen Kammweg und viele reizvolle Seitenwege bewandert werden können. Der Kamm ist gleichzeitig Teil des zu sozialistischen „Freundschafts- Zeiten“ angelegten Fernwanderweges „Eisenach – Budapest“. Keine Ahnung, ob der so noch existiert und gepflegt wird, aber wer irgendwo auf ein rotes „EB“ als Wegmarkierung stößt, weiß jetzt schon mal, worum es geht. Getrennt wird die Mala Fatra in einen Nordost- und einen Südwest-Teil durch das Tal der mäandernden Vah, die dann auf ihrem Weg Richtung Westen Zilina tangiert. Der Nordost-Teil (Krivanska Fatra) ist touristisch mehr erschlossen, aber wer genügend Zeit mitbringt, findet sicher auch Gefallen an dem zweiten Bergmassiv (Lućanská Fatra).

Tal der Vah
Das Tal der Vah

Die Mala Fatra ist schon lange Schutzgebiet, seit 1988 als slowakischer Nationalpark. Trotz touristischer Attraktivität gibt es hier freilebende Wölfe, Braunbären und Luchse. Diese werden sich besonders zu Schönwetterperioden wohl weitgehend in ruhigere Seitentäler zurückziehen, denn die Slowaken sind sehr wanderfreudig, ausgesprochen sportlich und entsprechend viel unterwegs.

Aktiv erleben im Vratna – Tal

Ein touristischer „hotspot“ ist das Vratna-Tal bei Terchová, welches nur über eine schmale Straße neben einem Flußlauf zugänglich ist. Im Grunde geht es durch ein „Felsentor“ in den Talkessel, der sich dann weitet und in drei Seitentäler öffnet. Als „Anwärmtour“ macht schon die Kraxelei über dieses Tal-Randfelsen Spaß. Von Stepanovka im östlichen Seitental kannst Du auf den Maly (Kleinen, 1343m) und den Vel’ky (Großen) Rozsutec (1610m) klettern – diese sind die einzigen etwas raueren Felsklippen. (Siehe Titel-Bild) Ansonsten sind die Berge eher einfach zu erwandern, der Anstieg führt durch Waldgebiete und in den höheren Lagen über Grasland.

Krokuswiese am Maly Krivan
Krokuswiese

Es ist möglich, Tagestouren vom Tal aus zu machen und dort ins Quartier zurückzukehren. Möchtest Du lieber am Stück über den Kammweg oder einzelne Schleifen und Seitenwege wandern, findest Du in Berghütten Unterkunft. Diese liegen meist bei einem der Berggipfel und haben dann den entsprechenden Namen „Chata pod …“ bedeutet soviel wie „Hütte unter dem …“. Frei übernachten ist nicht erlaubt, da alles Nationalpark ist. Falls Deine gewählte Hütte voll ist, kannst Du fragen, ob Du mit dem Zelt neben der Hütte übernachten darfst. Vermutlich wird man Dir dann irgendeine Ecke in der Hütte freiräumen.

Chata pod Suchym
Chata pod Suchym

Der höchste Berg ist der Velky Fatransky Krivan (1709m), der vom Vratna – Tal aus fast bis zum Gipfel mit einer Seilbahn erreichbar ist. Dadurch kommen dort natürlich eine Menge Sandalen-Touristen hin. Aber auf dem Weg zum (Kleinen) Maly Krivan (1671m) hast Du wieder Deine Ruhe..

Wintersport und Bergwandern

Wer Wintersport liebt, findet auch in der Fatra seine Möglichkeiten. Die Mala Fatra gilt als relativ Schnee- sicher. In den Höhenlagen sind einzelne Schneefelder noch Anfang Mai zu finden, da die Berge nachts sehr kühl sind. Das Vratna-Tal ist mit Ski- und Sesselliften gut erschlossen, es gibt mehrere Ski-Hänge unterhalb es Stoh. Hotels verschiedener Kategorien gibt es ebenfalls im Vratna- Tal oder außerhalb in Terchová, dort dann auch Pensionen und Ferienwohnungen. Den Zeltplatz im Vratna-Tal, der zu „sozialistischen Zeiten“ auch bei DDR-Bürgern sehr beliebt war, gibt es nicht mehr. Zelten ist nur außerhalb des Gebirges möglich, bei Terchová und in weiteren Orten.

Ein weiteres Ski-Gebiet befindet sich beim Ort Martin in der südwestlichen Lúcanská Fatra.

Kleinod Bergwiese

In der Waldzone finden sich noch eine ganze Menge an Fichtenforsten. Ein Großteil davon ist leider stark durch Borkenkäfer (und vielleicht auch Klimaeinflüsse) geschädigt. Deshalb siehst Du auf manchen Hängen derzeit leider großflächige Kahlschläge. Es wird noch einige Zeit dauern, bis forstliche Maßnahmen für Heilung sorgen.

Mala Fatra - Enzian
Seltene Pflanzen auf den Bergwiesen

Die Mischwald-Zonen sind dafür sehr angenehme artenreiche Ökosysteme. Auf den Bergwiesen wachsen viele z.T. geschützte Pflanzenarten wie Enziane, Silberdisteln usw. Gerade im Frühjahr beleben Frühblüher die Höhenzüge.

Aufstieg über den Suchy

Mit dem Lokal-Zug kannst Du von Zilina aus zwei Stationen bis Nezbudská Lúcka fahren. Von dieser Station aus, an der eine Familie einen kleinen privaten Snack-Stand betreibt, führen verschiedene Wege sowohl in den nordöstlichen wie in den südwestlichen Bergzug. Denn dort beginnt das Kerbtal der Vah, welches die beiden Flügel trennt.

Strećny Hrad
Strećny Hrad, die Burg bewacht das Vah-Tal

Auf einem Höhenzug beim Örtchen ….. thront eine Burgruine Hrad Strećno unterhalb der westlichen Berge und bewacht den Tal-Eingang. Wanderst Du in östlicher Richtung, wirst Du auf einem Bergrücken die Reste einer weiteren Burg (Stary Hrad – alte Burg) finden.

Rast in der Chata pod Suchym

Die erste Etappe auf dem Weg zum Kamm ist die „Chata pod Suchym„. Dort treffen und verzweigen sich einige Wege, bis dahin ist auch Mountain-Biking möglich, wozu in der Mala Fatra ebenfalls mehrere Kurse eingerichtet wurden.

Knödel mit Schokosauce - Mala Fatra
Knödel in der Berghütte Chata pod Suchym

Die Hütte bietet ein vielfältiges Gastronomisches Angebot, leckere süße oder deftige Speisen lassen die Anstrengungen des Aufstiegs schnell vergessen. Übernachten ist in einfachen Zimmern mit Doppelstock-Betten für ca. 10€ möglich. Vor allem an Feiertagen und in der Saison ist Voranfrage bzw. Reservierung sehr zu empfehlen.

Chata - Gastraum
Chata pod Suchym – Gastraum

Ich hatte dort unangemeldet ein Zimmer für mich, aber als ich für den nächsten (Feier-) Tag verlängern wollte,erklärten mir die sehr freundlichen Frauen, daß sie eine große Reservierung haben und kein Bett mehr frei sei. Nach meinem Frühstück und einem weiteren Kaffee kam dann eine der Damen zu mir und offerierte mir doch noch ein Bett für die folgende Nacht – sie hat sich bei einer Kollegin einquartiert und mir ihr eigenes Zimmer überlassen. Es ging denen bestimmt nicht um die 10€ mehr, das ist einfach die herzliche, gelebte Gastfreundschaft, die ich in osteuropäischen Ländern immer wieder erfahren konnte.

Auf dem Kamm Richtung Osten

Von der Chata pod Suchym führt der Weg Richtung Osten über den Suchý (1468m), Maly und Velky Krivan zum Vratna-Tal oder zum Rozsutec und nach Zázrivá am Ostrand der Fatra, wobei immer auch Abstiege über Seitenkämme in die Dörfer nördlich oder südlich des Bergzuges möglich sind.

Maly Fatransky Krivan
Schneefelder Anfang Mai

Die Wanderwege in der Mala Fatra sind durch ein Farb-System gut markiert. An allen Kreuzungen und Berggipfeln stehen Wegweiser, i.d.R. mit Stunden- Angaben, die für normal trainierte Wanderer eine ziemlich gute Zeit-Einschätzung ermöglichen.

Zilina – Ausgangspunkt in der Region

Zilina hat eine sehr schöne Altstadt. Um den Mariannenplatz herum gibt es, wie in vielen böhmischen und slowakischen Städten üblich, viele Häuser mit ausladenden Arkadengängen.

Deftig speisen am Mariannenplatz

Dort locken verschiedene Restaurants zu gutem Bier und bodenständigem Essen. Alles rund um die Ziege bietet z.B. Zilinska Kozlovna (Mariánske námestie 191). Natürlich gibt’s auch Pizza oder in einigen Lokalen sogar irgendwo fast food. Schmackhaftes böhmisches oder slowakisches Bier verfeinert den Genuß.

Zilina Mariannenplatz
Am Mariannenplatz gibt es unzählige Restaurants

Wen wundert, daß relativ viele asiatisch aussehende Menschen unterwegs sind – in Zilina hat ein koreanischer Autobauer ein großes Motorenwerk aufgebaut. Offenbar genießt jetzt ein Teil der Belegschaft aus Korea die slowakische Gastfreundschaft.

Bio-vegane Schlemmerei

Besonders zu empfehlen ist die Artisan Bakery Café Gusto. Zwar etwas abgelegen in einer Seitenstraße (M.R.Śtefánika 29) zwischen dem Platz „Námestie Andreja Hinku“ und Busbahnhof kannst Du dort in angenehmer Atmosphäre leckere Kuchen, Törtchen und andere „erdfreundliche“ Kulinaritäten (vegan&bio) genießen. Kontakt leider nur über facebook: Cafe Gusto Zilina

Cafe Gusto zilina
im Cafe Gusto Zilina

Insgesamt macht die Region einen sehr frischen und optimistischen Eindruck. Viele junge Menschen sind auf den Straßen unterwegs und erwecken einen recht zufriedenen Eindruck ihrer persönlichen Situation. Die Einführung des Euro in der Slowakei hat wohl auf manchen Ebenen für einige Teuerung gesorgt, scheint in dieser wirtschaftlich starken Region aber gut verkraftet zu sein. Offenbar profitieren die Menschen hier sehr von der EU-Mitgliedschaft und wissen das auch zu schätzen. Das und die sowieso sehr entspannte, freundliche Grundstimmung vieler Slowaken machen die Begegnung in der Region überaus angenehm.

Lebendige Kultur und Tradition

Die Tourist-Information befindet sich auf dem (Platz) Námestie Andreja Hinku. Verschiedene Feste und Ereignisse beleben das Kulturjahr in Zilina – Slowakischer Karneval, ein Altstadt – Fest mit viel traditioneller Handwerkspräsentation, ein Kultursommer, St.Johns Night mit Straßentheater, ein Mittelalter-Markt…

Mala Fatra und Zilina – ein lohnendes Reiseziel

Fazit: Die Mala Fatra ist durchaus eine Reise wert. Wer eher langsam und mit viel Aufmerksamkeit für Details reist, kann dort locker 2 Reisewochen verbringen – 5-7 Tage in den Bergen, mit wellness in den Hotels in Terchová und im Vratna-Tal, 2 Tage in Zilina… Wer eher der energische Typ ist, der Meilen frißt und das Gebirge auf dem Kammweg in 2-3 Tagen durchwandert hat, kann ja die naheliegende Hohe Tatra, das Slowakische Paradies (Slovenski Raj) oder andere Landschaftszüge der Region anschließen. Die Slowakei ist ein bergiges Land mit wunderschönen Landschaften, auch wenn nicht alle so spektakulär sind, daß sie in den Reiseführern als „must have“ empfohlen werden. Dazu kommen Burgruinen, kleine ursprüngliche Dörfer (z.T. mit Holzschindel-Dächern) und Städtchen, die als historische Kleinode die Erkundung versüßen.

Hat Dir dieser kleine Einblick in die Mala Fatra – Region gefallen? Dann würde ich mich über einen backlink oder Teilen auf Deinen social media – Kanälen sehr freuen! Danke 🙂

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