Stipvisite in Nord – Vietnam

Stipvisite in Nord – Vietnam

Anreise nach Vietnam

Dieser Beitrag liefert einige Vorschläge für eine visafreie Kurzreise (bis 15 Tage) nach Nordvietnam. Das kann gut im Rahmen einer längeren Südost-Asientour geschehen. Z.B. bietet sich Thailand mit seiner unkomplizierten Einreise-Regelung als „Basisland“ an, von wo aus Du per Bus oder mit Regionalflügen in die Nachbarländer reisen kannst.

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Über Land nach Vietnam

Nordvietnam läßt sich leicht per Bus aus den Nachbarländern Laos (von den Städten Luang Prabang und Vientiane) und China erreichen. Von China (Nanning) aus gibt es mehrmals wöchentlich auch eine direkte Bahn – Verbindung nach Hanoi.

Sleeperbus in Indochina
Sleeperbus – Doppelstöckige Schlafregale

Wer von Europa aus per Bahn nach Vietnam fahren möchte – auch das geht! Wer’s eilig hat, muß mit 12-14 Tagen Reisezeit und Kosten von etwa 600 Euro rechnen. Aber so eine Reise machen eher diejenigen, die bewußt langsam unterwegs sein und die Veränderungen von Landschaft und Klima, Kultur, Sprache usw. auf verschiedenen Zwischenstationen erleben wollen. Ein spezielles „Mini-Reisebüro traivelling“ von bahnbegeistertem Vater und Sohn hat sich darauf spezialisiert, Reisende für diesen Weg zu beraten und die passenden Tickets über ein Netzwerk von Helfern an der Strecke zu besorgen. Wer die Hilfe von traivelling (train-travelling) in Anspruch nehmen möchte, kommt hier in Kontakt: https://www.traivelling.com/

Der Süden Vietnams ist von Cambodia und Laos ebenfalls per Bus anzufahren. Über Phnom Pen (Cambodia) fahren Fern – Busse von Bangkok (Thailand) direkt nach Saigon. Tickets bekommst Du über lokale Reiseanbieter, Hotels oder direkt an den Busstationen. Leider brauchst Du von Thailand aus auf dem Landweg sowohl über Cambodia als auch über Laos ein Visum für diese Länder. Das gibt es zwar „on arrival“ an den Grenzübergängen, kostet aber jedesmal ca. 30 US-Dollar und ein Paßfoto. Von daher ist der Landweg nach Vietnam nur dann praktisch, wenn Du sowieso in den Transit- Ländern einen längeren Aufenthalt vor hast.

Auf dem Luftweg

Sowohl Hanoi im Norden als auch Ho Chi Minh – Stadt (Saigon) im Süden von Vietnam sind im internationalen Luftverkehr eingebunden. Direktflüge aus Europa verkehren von Frankfurt (Main) sowie anderen europäischen Luft-Drehkreuzen. (Informiere Dich bei skyscanner.de*).

Ansonsten bieten mehrere Fluggesellschaften in Südasien ein dichtes Netz an Flügen auch von kleineren Flughäfen. Von Thailand aus z.B. von Chiang Mai oder Bangkok, wobei dazu beide Flughäfen (Suvarnabhumi und Don Mueang) angesteuert werden. Neben Thai Air und Vietnam Airlines fliegen regionale Billig-Flieger wie Air Asia, Nok-Air, Thai-Lion-Air …. Die Flugsuche und – Buchung ist ebenfalls – auch von unterwegs – über Skyscanner* möglich, Buchung und Zahlung erfolgt online mit Kreditkarte.

Noi Bai Internationaler Flughafen
Flughafenterminal Noi Bai

Der Flughafen von Hanoi liegt rund 30 km nördlich der Hauptstadt. Willst Du kein teures Taxi nehmen, gibt es vor der Ankunft- Halle in der zweiten Reihe links einen Bushaltepunkt, von dem aus Jet-Air und Vietnam Air shuttle-Busservice anbieten. Das kostet 2 Dollar. Die Busfahrer setzen Dich auf Wunsch unterwegs dort ab, wo Du möchtest. Sinn macht es, etwa am Rande der Altstadt (Stichwort Hoan Kiem) oder im französischen Viertel südlich des Hoan Kiem-Sees auszusteigen. Die Fahrtzeit beträgt etwa 40 min. Noch billiger aber langsamer ist der öffentliche Bus 68 von Hanoibus.

Einreise nach Vietnam

Grundsätzlich wird für die Einreise nach Vietnam ein Visum benötigt.

Ausnahme: für die Bürger einiger Länder, u.a. der EU, erlaubt Vietnam die Einreise für bis zu 15 Tage ohne Visum, wenn eine bestätigte Ausreise nachgewiesen werden kann. Das geht ganz unkompliziert ohne große Formalitäten: Bei der Einreise angeben, daß Du nur max. 15 Tage bleiben wirst. Ggf. Rückfahrticket o.ä. vorzeigen. Dann gibt es einen Stempel zur Einreise in den Paß mit dem Vermerk „Is permitted to stay until ….[Datum]“. Fertig. Kein Formblatt, keine Gebühr, keine Fotos, keine Fingerabdrücke. Bestenfalls ein freundliches Lächeln und der Wunsch für einen schönen Aufenthalt (Persönlich so erlebt!).

Vietnam - Einreisestempel
Einreisestempel und Kurzzeit – Aufenthaltserlaubnis

Allerdings ist die Bedingung – keine Wiedereinreise innerhalb von 31 Tagen, keine Verlängerung möglich.

Wer länger bleiben möchte – und das ist im Grunde zu empfehlen – sollte vorab online ein Visum beantragen. Dazu muß ein Formular ausgefüllt und ein Foto hochgeladen werden. Bei der Einreise in Vietnam muß zuerst die Visa-Stelle vor dem Immigration – Checkpoint angesteuert werden, dort wird eine Visagebühr kassiert und aufgrund des online-Antrags das Visum ausgedruckt und in den Paß geklebt. Auch das geht – wenn nicht gerade eine Riesengruppe eingereist ist – innerhalb von 15 bis 20 Minuten. Danach erfolgt die eigentliche Einreise bei der Paß- Kontrollstelle.

Geld in Vietnam – schnell mal Millionär werden

Millionär werden geht für europäische Reisende ganz schnell in Vietnam – allerdings ist das coole Gefühl auch ebenso schnell wieder vorbei, wenn die ersten Rechnungen zu bezahlen sind.

Ein Euro entspricht etwa 25.000 vietnamesischen Dong. D.h. mit hundert Euros bist Du schon 2,5 facher Dong-Millionär. Gut, Vietnam ist für westliche Reisende immer noch ein günstiges Reiseland, aber gerade deshalb und weil die vielen Nullen einfach unübersichtlich sind, solltest Du etwas auf Deine Reisekasse achten. Vor allem als Langzeitreisender ohne wesentliche Einnahmen kann ein Billigland am Ende schnell zum Überziehen des Budgets verleiten.

Vietnamesische Dong
Währung in Vietnam – Dong

Ein vietnamesischer Kaffee kostet i.d.R. so um die 25.000 Dong, also einen Euro. (Mein günstigster war bei 15.000, und der war echt gut!) Willst Du „europäisch frühstücken“, also wenigstens 2 Kaffee, Baguette oder andere leckere Speisen, bist Du schnell bei 4… 5 Euro – nur für’s Frühstück.

Vietnamesischer Kaffee
.. mal ordentlich starker Kaffee – ab 15.000 aufwärts…

Außerdem ist der Kaffee dort, wo es die Option „Europäisch“ beim Frühstück gibt, oft teurer, also mind. 35.000 Dong. Schon verschiebt sich auf der „Zeit-Geld-Skala“ der Zeiger zu Lasten Deiner Restzeit. In der Regel sind es die kleinen, aber ständig anfallenden Kosten wie Essen oder Unterkunft, die die „Gesamtreichweite“ einer Reisephase ohne Einkommen maßgeblich beeinflussen.

In Vietnam kannst Du Geld an verschiedenen Geldautomaten mit MasterCard, VISA oder z.T. anderen Karten abholen. Das ist fast immer mit Gebühren verbunden, die von den Automatenbetreibern erhoben werden. Bei der häufig auch in kleineren Orten zu findenden Agribank sind das 22.000 Dong, also knapp ein Euro. Die Gebühren anderer Banken sind normalerweise höher, was bis zu 5 Euro ausmachen kann. Bei der Vietcom-Bank habe ich mit der DKB-VisaCard keine Gebühren bezahlen müssen.

Auf dem Andersreisen- blog wurde die VP-Bank und die AC-Bank empfohlen, wo mit gleicher VisaCard keine Gebühren anfallen würden. Meine Erfahrungen sind leider etwas abweichend davon – AC-Bank nie gefunden, VP-Bank hat mir nie Geld ausgezahlt, da (an verschiedenen Automaten) immer irgendwelche „technischen Gründe“ aktuell die Auszahlung verhindern würden. Es ist generell zu empfehlen, nicht bis zum letzten Dong zu warten, bevor neues Bargeld beschafft wird. Solche „technische Gründe“ kommen an allen Automaten desöfteren vor. In ländlichen Gegenden gibt es kaum Automaten, also auch kein neues Geld.

Bezahlen mit Kreditkarte ist noch ziemlich unüblich. Das geht i.d.R. nur in besseren Hotels und Agenturen oder in teureren Geschäften in den großen Städten. Für die meisten Vietnamesen zählt nur Bargeld.

Als Zweitwährung solltest Du Dir ein paar Dollars einpacken. Diese werden ebenfalls als Zahlungsmittel akzeptiert. Außer auf den internationalen Flughäfen wird zwar selten in Dollar ausgepreist, aber jedes Geschäft kennt den Umtauschkurs und wird unbeschädigte und unbeschriebene Dollar ebenso annehmen. In Hanoi bieten viele Tour-Unternehmer ihre Touren (Ha Long-Bucht, Bus nach Saigon u.ä.) gleich in Dollar-Preisen an. Die größeren Agenturen haben dann auch Kartenlese- Geräte.

Dong-Scheine gibt es in Tausend, Zwei- und Fünftausend- Noten als Papiergeld. Ab 10.000 Dong sind die Scheine aus Plastik-Folien. Das scheint sehr praktikabel und haltbar zu sein – sie sehen fast immer aus wie ziemlich neu. Auf allen Scheinen ist auf einer Seite Onkel Ho. Auf der anderen Seite Szenen des sozialistischen Realismus, historische Bauwerke oder manchmal sowas wie Phantasiemotive.

Reiseziele im Norden Vietnams

Ha Noi – Hauptstadt am „Roten Fluß“

Ha Noi bedeutet in etwa „an der Flußbiegung„. Das stimmt schon, Ha Noi breitet sich am Roten Fluß und mittlerweile über einige Nebenflüsse hin aus. Doch der alte Name vom erwachenden Drachen wäre wohl treffender. Denn Hanoi ist eine quirlige Metropole einer aufsteigenden Regionalmacht. Neben unzähligen zwei-, drei- oder vierstöckigen Wohnhäusern, die schon während der Kolonialzeit und nach den Bombardierungen im Vietnam – Krieg neu gebaut worden sind, wachsen inzwischen in immer schnellerer Folge riesige Bürogebäude und Apartment – Häuser gen Himmel.

Banken und Wirtschaftsimperien stellen ihren Reichtum zur Schau, mittlerweile gibt es auch in Vietnam eine Schicht, die sich offenbar teure Luxuswohnungen leisten kann. Aber daneben, vor allem in der Old City nördlich des Hoan Kien Sees, arbeiten Handwerker nach wie vor in dunklen Werkstätten oder bei trockenem Wetter lieber auf dem Bürgersteig davor. Jede Menge Kaffeestuben locken an allen Ecken und Enden und man fragt sich, woher die Leute eigentlich die Zeit und das Geld nehmen, so zahlreich zu jeder Stunde gemächlich beisammen zu sitzen und Kaffee zu trinken.

Vietnamesische Dame-Spieler
Der Bürgersteig wird schon mal für ein Spielchen genutzt.

An den Ufern des Sees beginnt der Tag morgens gegen 6 mit Tai Chi – Übungen, danach reißt die Betriebsamkeit von Joggern, Kraftsportlern, Gymnasten und Luftschnappern den ganzen Tag nicht mehr ab. Und überall jagen Moped-Scooter durch die Straßen, was besonders in den engen Gassen der Altstadt einiges Kopfschütteln und Verwunderung bei Touristen hervorruft. Denn, so knapp es auch werden mag, stehenbleiben gibt’s nicht, alle mogeln sich irgendwie aneinander vorbei. Regeln scheint es nicht zu geben (Außer an den Kreuzungen mit Ampeln, doch dort ist die Ausnahme eine der Regeln). Der Anblick ist verwirrend, aber es funktioniert offenbar. Ich habe jedenfalls keine Unfälle beobachtet. (Die Statistiken sprechen leider eine andere Sprache…)

Hanoi Verkehrschaos
Chaotischer Mopedverkehr in Hanoi

Was wir in den Siebziger Jahren als Bild von Vietnam vermittelt bekommen haben – alle mit ihren Kegelhüten auf dem Fahrrad unterwegs – stimmt so nicht mehr. Die Fahrräder sind fast zu 100% gegen Mopeds ausgetauscht, die Geschwindigkeiten sind entsprechend höher. Und deshalb gilt seit wenigen Jahren in Vietnam Helmpflicht, was die Kegelhüte im Straßenverkehr deutlich reduziert hat.

Was Du in Hanoi unternehmen kannst

Als erstes empfehle ich einen Besuch am Hoan Kien See. Der ist jetzt nicht unbedingt superschön, vor allem die Wasserqualität wohl eher fraglich. Aber er ist ein super Orientierungspunkt, um die anfangs verwirrende Stadt zu erschließen. Wenn Du einen Einheimischen um Hilfe bei der Orientierung bittest, frage nach dem Hoan Kien See. Dann kann Dir jeder weiterhelfen, auch, weil Deine Frage verstanden wird. Und von dort solltest Du Deine Wege kennenlernen. Der Name bedeutet in etwa „See des zurückgegebenen Schwertes„. Einer Legende nach soll der vietnamesische Held Le Loi im 15. Jh. beim Fischen ein Schwert aus dem See gezogen haben. Damit konnte er mehrere Schlachten gegen die Chinesen erfolgreich schlagen. Nach 10 Jahren Kampf wollte er das Schwert dem See zurückgeben und bereitete dazu eine Feier vor. Doch währenddessen erschien bereits eine riesige Schildkröte, nahm ihm das Schwert ab und verschwand damit wieder im See. Im See etwa im südlichen Drittel befindet sich die „Schildkröten – Pagode“. Vor allem Abends mit Beleuchtung ist sie schön anzusehen. Auf einer Insel am Nordufer kann der Jadeberg – Tempel über die „Brücke der aufgehenden Sonne“ erreicht werden.

Vietnam - Schildkrötenpagode im Hoan Kiem - See
Schildkrötenpagode im Hoan Kiem See

Der See liegt südwestlich am Rande der Altstadt und sein Südufer grenzt an das „Französische Viertel„. Diese zwei Stadtviertel solltest Du auf jeden Fall mal etwas erlaufen, dann entdeckst Du für Dich schon einige Kleinode in Form von sanierten, manchmal aber auch in der tropisch feuchten Luft vor sich hin siechenden Villen und alten Amtssitzen, die den Charakter Hanois mit prägen.

Hanoi Französischer Kolonialbau
Architektonische Spuren der Kolonialzeit

An der Grenze zwischen Altstadt und Französischem Viertel machen manche noch ein eingeschobenes weiteres kleines Stadtviertel aus – das Kathedralen – Viertel. Denn hier findet sich eine neogotische unverkennbar französisch geprägte Kathedrale aus dem Jahr 1883. Die Giebelfront mit ihren zwei wuchtigen Türmen wirkt ein wenig wie eine verkleinerte, schmucklose Imitation von Notre Dame. Leider birgt auch dieser Bau ein Stück Kolonialgeschichte, denn zugunsten der Kirche mußte die bedeutendste buddhistische Pagode der Stadt, die Bau Thin Pagode weichen.

Kathedrale Hanoi
Kathedrale in Hanoi
Theater der besonderen Art – Wasserpuppen – Theater

Vom See aus nach Norden über die Straße kannst Du eine der abendlichen Vorstellungen im Wasser-Figuren – Theater besuchen. Das gehört quasi zur Pflichtveranstaltung in Hanoi.

Vietnam s Wasserpuppen-Theater
Eingang zum Wasserpuppen – Theater

In einem Wasserbecken werden schwimmende Figuren präsentiert, die jeweils kleine kurze Episoden und Legenden Vietnams sowie der Volksmärchen darstellen. Unter anderem auch die Geschichte mit dem zurückgegebenen Schwert vom Hoan Kiem – See.

Wasserpuppentheater Vietnam
Aufführung im Wasserpuppentheater

Die Aufführungen dauern etwa eine Stunde und werden in dichter Abfolge gezeigt. Die Kartenbuchung erfolgt „halbautomatisch“ – Draußen sind mehrere Automaten mit Displays, auf denen Du für Deine gewünschte Vorstellung die passenden Plätze wählen kannst. Die Bezahlung erfolgt dann per Kreditkarte. Dafür bekommst Du eine Quittung mit QR-Code ausgedruckt, mit der Du am Schalter die richtigen Karten abholen kannst. Leider sind die Begleitmusik, die Spielgeräusche und Erzählungen sehr laut – ich empfehle Ohrenstöpsel mitzunehmen. Es gibt mehrsprachige Audio-Guides, die Dir eine kurze Zusammenfassung der jeweils folgenden Episode schildern.

Französisches Viertel und Hoa Lo – Gefängnisgrauen aus der Kolonialzeit

Im Französischen Viertel findest Du vor allem mehrere koloniale Gebäude, die einen kleinen Eindruck aus dieser Zeit vermitteln. Dazu gehört als schönstes Bauwerk die Oper Hanoi.

Hanoi Oper
Oper Hanoi

Praktisch dahinter befindet sich das Geschichtsmuseum und verknüpft damit das Revolutionsmuseum schräg gegenüber. Ebenfalls im Französischen Viertel zu finden ist das Frauenmuseum, welches allerdings ein vor allem „revolutionäres“ Frauenbild und die Rolle der Frauen bei der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft aufzeigt. Wie alle Museen der Welt haben auch diese montags geschlossen. Außerdem sind die sehr sozialistischen Arbeitszeiten zu beachten, alle staatlichen Einrichtungen haben eine Mittagspause – hier von 11:30 bis 13:30, geschlossen wird 16:15 Uhr.

Vietnam Nationalmuseum in Hanoi
Historisches Museum in Hanoi

Praktisch am anderen Ende des Viertels ist die andere Seite der Kolonialzeit zu erleben – hier vermittelt das Hoa Lo – Gefängnis eine Vorstellung von den Haftbedingungen unter französischer Kolonialherrschaft.

Hoa Lo - Gefängnis in Hanoi
Portal des Hoa Lo Gefängnisses

1954, am Ende der Kolonialgewalt wurde das Gefängnis geschlossen, erlebte dann aber während des Vietnam – Krieges unter der Spottbezeichnung „Hilton Hanoi“ noch einmal eine Betriebszeit. Im Hoa Lo – Gefängnis wurden US – Amerikanische Piloten inhaftiert, die während der Bombardierungen Nordvietnams abgeschossen und festgenommen wurden. Ein Teil der Ausstellung ist diesem Thema gewidmet. Natürlich wird dabei stark betont, wie gut die Amerikaner in dieser Zeit behandelt wurden und auch ein großer aufgeladener Anteil an Sieges – Pathos ist dabei. Trotzdem ist der Besuch zu empfehlen, die Fakten sind nun mal während der Kolonialzeit und dem Krieg so gewesen, wie bekannt.

Literaturtempel Van Mieu

Der Literaturtempel“ Van Mieu ist ein besonderer Platz in Vietnams Hauptstadt. Im Grunde handelt es sich dabei um eine erste Universität.

Hanoi - Literaturtempel
Im Literaturtempel Van Mieu

Bereits 1070 wurde hier ein Altar zu Ehren Konfuzius errichtet. Das war der Grundstein für alle weiteren Entwicklungen. Denn fünf Jahre später wurde unter König Ly Nhanh Tong die Akademie für die Söhne der Nation aufgebaut. Die Schule war vorerst die Kaderschmiede des Königshauses sowie des Adels und wurde ab 1396 für Absolventen der Beamtenschulen geöffnet. Sie blieb bis 1807 die Eliteschule des Landes.

Konfuziusverehrung im Literaturtempel
Im Literaturtempel Van Mieu

Die Anlage enspricht der Struktur einer Tempelschule mit 5 Höfen. Auf dem dritten Hof befinden sich 82 Steinstelen auf den Rücken von Schildkröten, auf denen akribisch alle 1306 Namen der erfolgreichen Absolventen zwischen 1442 und 1779 festgehalten wurden, was als Teil des UNESCO Weltkulturerbes anerkannt ist. Im 4. Hof befindet sich der eigentliche Konfuzius – Tempel.

Inmitten des Lärms und Trubels der umgebenden Straßen ist Van Mieu ein Ort der Ruhe, Entspannung und Besinnung. Ein Besuch fällt im Grunde unter „must have“ bei einer Visite in Hanoi. Der Eintritt ist mit 10.000 Dong für Erwachsene äußerst gering. Es gibt einen Audioguide in vielen Sprachen, darunter auch englisch und deutsch. Diese Mehrausgabe ist auf jeden Fall zu empfehlen, um die Struktur und die Details der Tempelanlage zu verstehen sowie einen Abriß über die Geschichte des Literaturtempels zu bekommen.

Wenn Du Glück hast, bekommst Du in einigen Gebäuden nicht nur Souvenirs angeboten, sondern auch einen praktischen Einblick in Kalligrafie oder andere zeitgenössische Künste, eventuell sogar zum praktischen Ausprobieren.

Besuch bei Ho Chi Minh

Westlich der Altstadt befindet sich das Regierungsviertel. Dort sperrt die „Zitadelle“, eine alte französische Festungsanlage, den direkten Weg. Große Teile der Anlage sind nicht passierbar. es ist eine Art Sperrzone. Gehst Du im südlichen Bereich z.B. vom Hoan Kiem See aus auf der Trang Thi westlich und biegst in die Dien Bien Phu ein, die in nordwestlicher Richtung auf den Ba Dinh – Platz mündet, kommst Du am Militärmuseum vorbei. Dort steht auch der Cot Co Flaggen- Turm, von dem aus Du einen Teil der Zitadelle überblicken kannst (Achtung – fotografieren ist hier nicht erlaubt!). Gegenüber auf der anderen Straßenseite befindet sich wohl eines der letzten Lenin – Denkmäler, die einst in allen sozialistischen Volksrepubliken zu finden waren.

Hanoi Flaggenturm
Cot Co Flaggenturm

Die Straße läuft direkt auf das Ho Chi Minh Mausoleum zu, vor dem der Ba Dinh – Platz für Paraden und Staatsbesuche zur Verfügung steht. Täglich wird dort mit militärischem Begleitprogramm die vietnamesische Flagge gehißt und eingeholt. Denn auf diesem Platz verlas Ho Chi Minh im September 1945 die Unabhängigkeitserklärung Vietnams.

Läufst Du südlich am Mausoleum vorbei, kommst Du zu dem gewaltigen Bau des Ho Chi Minh Museums. Wenn Du an der sozialistischen Bewegung und der begleitenden Selbstdarstellung interessiert bist, mag sich der Besuch lohnen.

Vietnam Ho Chi Minh Mausoleum
Ho Chi Minh Mausoleum

Zu empfehlen ist der Gang zu Onkel Ho’s Hütte, einem einfachen, typischen Stelzenhaus an einem kleinen See im Park des Präsidentenpalastes, in dem Ho Chi Minh tatsächlich gelebt und gearbeitet hat. (Mittagspause gilt auch hier bis 14:00 Uhr) Das Haus selbst darf nicht betreten werden, ein Balkonanbau dahinter ermöglicht aber einen Blick durch die Fenster in Wohn- und Arbeitsraum sowie ins Schlafzimmer. Damit wird natürlich eine Bescheidenheit zur Schau gestellt, die jedoch nicht nur symbolischer Art war. Ho Chi Minh war sehr volksverbunden, lebte lange Zeit unter und mit den Bauern an der chinesischen Grenze und bereitete dort den Widerstand und die Befreiung von den Kolonialherren vor. Den Präsidentenpalast hat Ho Chi Minh nie selbst benutzt.

Ho Chi Minh - Haus
Das Ho Chi Minh – Haus

Im vietnamesischen Volk erfreut er sich nach wie vor weitreichender Beliebtheit – an den Öffnungstagen des Mausoleums eilen weiterhin tausende ergriffene Menschen an seinem Leichnam vorbei, um einen schnellen Blick zu erhaschen. (Geöffnet vormittags außer Montag und Freitag, im Herbst ist Ho regelmäßig in Moskau zur Kur)

Einsäulen – Pagode

Zwischen Mausoleum und dem HCM- Museum befindet sich die Einsäulen – Pagode zur Verehrung der Gnadengöttin QuAnn. Auch dieses kleine Bauwerk hat eine lange Geschichte seit dem 11.Jahrhundert. Die Säule aus Holz, die die Pagode trägt, wurde beim Abzug 1954 von den Franzosen zerstört. Ersetzt wurde sie danach durch eine Beton-Säule.

Ein-Säulen-Pagode in Hanoi
Einsäulen – Pagode
Long Bien Brücke

Wer noch einen Nachmittag Zeit hat und ein weiteres historisches Bauwerk von Hanoi kennenlernen möchte, der mache sich auf den Weg zur Long Bien Brücke. (franz.: Paul Doumer Brücke) Diese ist eine kombinierte Fußgänger – Fahrrad – Moped-Brücke mit zwei Fahrspuren und in der Mitte verläuft auch noch die Eisenbahn – Spur. Das Stahlträgerwerk wurde wohl in Frankreich geschmiedet, an mehreren Stellen sind Plaketten mit der Beschriftung „1899_1932 Daydé & Pillé Paris“ zu finden.

Hanoi Long Bien Brücke
Long Bien Brücke über den Roten Fluß

Autos oder gar LKW fahren nicht mehr über diese Brücke, es ist schon erstaunlich, daß dieses rostige Ungetüm der Last von ganzen Eisenbahn – Zügen noch standhält. Die Züge fahren allerdings nur Schrittgeschwindigkeit. An einigen Teilen fehlen die Stahlgitter – Träger. Dort wurde die Original – Konstruktion wohl Opfer der Bombenangriffe im Vietnam – Krieg. Die Brücke führt ostwärts vom Nordzipfel der Altstadt und dem Long Bien – Bahnhof über Flußauen mit „Kleingärten“, Bananenplantagen und einem Nebenarm über den Roten Fluß. Willst Du die ganze Strecke laufen und nebenbei einiges fotografieren usw., bist Du locker mal eine Stunde unterwegs!

Hanoi Long Bien Brücke
Scooter und die Eisenbahn fahren über die Long Bien Brücke

Der eigentliche Flußlauf mit seinen Frachtschiffen wird erst im östlichen Drittel gequert. Auf die Flußinsel führen Treppen hinab – Gelegenheit die Fahrspur – Seiten zu wechseln. Oder, wenn Du mit dem Fahrrad unterwegs sein solltest, mitten in Hanoi mal in einem bananengrünen Wald spazieren zu fahren.

Einige der attraktiven Ziele in Nordvietnam außerhalb von Ha Noi

Ha Long – Bucht

Eines der bekanntesten und sicher auch schönsten Ziele in Vietnam ist die Ha Long – Bucht im Golf von Tonkin, östlich von Hanoi. Leider macht dabei das Wetter viel aus, um die Schönheit zu unterstreichen. Und das ist vor allem in den winterlichen Monaten recht unzuverläßlich. Bei Sonne und blauem Himmel bilden die von grünen Gebüschteppichen überzogenen hellgrauen Felsrücken im türkisfarbenen Meer einen wunderschönen Kontrast. Ist das Wetter eher dunstig und der Himmel zeigt sich im europäischen Novembergrau, verliert dieser Bilderbucheindruck wesentlich an Farbe.

Kannst Du Dir Deine Reisezeit frei einteilen, dann versuche, per Wettervorschau die schönsten Tage rauszusuchen. Ansonsten bleibt Dir nur, die Erwartungen um einiges herunterzuschrauben, um nicht enttäuscht zu werden. Schön und beeindruckend ist der Ort trotzdem, auch wenn die Farbigkeit der Prospektfotos von den Launen des lokalen Wetters abhängig ist.

Das Wetter in Hạ Long
Vietnam - Ha Long Bay
Felsenlandschaft in der Ha Long Bucht

Individuell oder organisiert?

Eine Möglichkeit ist die eigene Anreise mit dem Bus oder auch mit der Bahn. Denn Ha Long (Stadt) zählt zu den Orten, die von der vietnamesischen Eisenbahn erreicht wird. Üblicherweise versuchen Individualreisende einen Teil der Zeit in Ha Long Stadt zu verbringen und per Touristenboot in die Felslandschaft zu fahren und anschließend auf die Insel Cat Ba zu gelangen. Das geht von Ha Long aus. Die große Masse der Reisenden jedoch kommt mit organisierten Touren von Hanoi aus in die Bucht. Hast Du nur 14 Tage in Vietnam, würde ich Dir dazu auch raten – trotz aller wenn und aber, die ich gleich noch vorbringen werde. Denn die Möglichkeiten, vor Ort auf eigene Faust wirklich ein tolles Ha Long – Erlebnis zu organisieren, kosten Zeit und sind begrenzt bzw. greifen dann doch wieder auf Teile der Tourangebote zurück – wie eben die Touristenboote, die durch die Bucht fahren.

Die meisten Angebote sind standardisierte 2 – oder 3 – Tage – Touren, also mit einer oder zwei Übernachtungen. Ich rate dann eher zu den zwei Übernachtungen, damit Du überhaupt einigermaßen etwas von der Tour hast. Der zweite Tag von den dreien ist nämlich der schönste, die anderen beiden Tage sind ja zur Hälfte sowieso reine Busfahrt.

Felsen in der Ha Long Bucht
Fels-Spitze in der Ha Long Bucht

Die Anreise erfolgt nach Abholung am Hotel oder am Buchungsbüro mit Reisebussen und einer Zwischenstation an einer „Marmor-Schleiferei“, wo Toiletten und ein schnelles Imbiß- Angebot locken. Außerdem wird natürlich versucht, den Gästen Produkte des Werkes oder andere typisch vietnamesische Waren zu verkaufen. Unter Mittag wird das „Kreuzfahrt- Terminal“ von Ha Long erreicht.

Von dort werden die Gruppen per Beiboot (Tender) auf die Schiffe gefahren. Dann geht die Fahrt los in Richtung Felseneilande. Die Gäste bekommen ihre Kajüten und bald danach wird im Salon Mittagessen serviert. Das ist wirklich reichhaltig, die kleine Crew an Bord gibt sich alle Mühe, ein vielseitiges Essen aufzubieten. Auch vegetarisch ist normalerweise drin, am Besten schon bei der Buchung mit anmelden.

Das Schiffchen tuckert derweil mit höchstens 2 Knoten durch die Bucht. Am Ende sind es kaum 6 Seemeilen bis zum nächtlichen Ankerplatz, die Stadt Ha Long ist dabei weiterhin in Sichtweite. In dieser Ankerbucht liegen am Abend zwischen 20 und dreißig der Touristenschiffe, also solltest Du Dich auf eine Form von Massentourismus einstellen. Andererseits… wie sollte es auch gehen, wenn allein von Hanoi aus jedem Morgen bestimmt rund 30 Busse zur Ha Long Bucht unterwegs sind. Vom Ankerplatz aus werden die Gäste per Beiboot zu zwei oder drei „Attraktionen“ gefahren – z.B. eine Höhle im Karstfelsen mit riesigen unterirdischen Hallen.

Höhle in der Ha Long Bucht
Höhle in der Ha Long Bucht

Da im Grunde alle Touris von allen Booten dorthin fahren, ist es auch ein riesiges Gedränge und teilweise geht es nur nach einigen Minuten Anstehen weiter. Aber beeindruckend ist diese Höhle aufgrund der Ausmaße und teilweise der noch rel. jungen Tropfstein- Strukturen schon. Die Phantasie der „Reiseleiter“ übersteigt dabei oft die der Gäste im Erkennen von Figuren und Tieren in einzelnen Steinformationen. Dann geht es ebenfalls mit dem Beiboot zu einem schwimmenden Anleger für Kajaks.

Ha Long Kayaking
Kayaking in der Ha Long Bucht

Dort wird umgestiegen und alle können für eine 3/4 Stunde per Kajak unter einem Felsen hindurch in eine Bucht fahren. Dieser Felsenkessel ist rundum geschlossen, nur durch die Höhle zu erreichen und gibt einen Eindruck von der Verspieltheit der Natur in der Ha Long Bucht. An einem Ufer können Affen beobachtet werden. Leider waren danach meine Hosen naß und brauchten eine provisorische Wäsche wegen des Seewassers. Die Bauart des Kajaks sorgte dafür, daß eindringendes Wasser sich bevorzugt auf den Sitzflächen des Hintermanns sammelt.

Später geht es per Tender zurück zum Mutterschiff und das war im Grunde das Tagesprogramm für den ersten Tag. Beim Abendessen gibt sich die Koch-Crew nochmal alle Mühe. Die Abendgestaltung bleibt den Gästen überlassen, wobei ein Barkeeper gern alle gewünschten Getränke zusammen mixt.

Am nächsten Morgen wird schon gegen 7:00 geweckt und zum Frühstück gebeten. Wer am Vorabend den Barkeeper zu sehr in Anspruch genommen hat, muß sich ganz schön anstrengen. Zum Glück gibt es früh mal Kaffee als flatrate ohne Aufpreis.

Dann gehts wieder in den Tender. Hier teilt sich die Spreu…. Wer drei Tage gebucht hat, sollte sich gleich nach dem Frühstück einen Tagesrucksack fertig machen, denn diese (kleine) Gruppe verläßt das Boot jetzt bis zum späten Nachmittag. Verschiedene „Mehrtägler“ von verschiedenen Schiffen werden auf einem Schiff zusammengefaßt und bekommen ab hier ein Extra-Programm. Das umfaßt eine weitere Höhle – diesmal eine enge kleine ohne künstliche Beleuchtung, so daß es ratsam ist, eine Taschenlampe mitzunehmen. Der Guide hat eine Lampe dabei, die meisten anderen behelfen sich mit ihrem smartphone-Licht. Die Deckenhöhe ist manchmal so niedrig, daß wir teilweise auf Knien durch die Gänge kriechen. Dahinter liegt wieder ein großer Raum – nur durch den engen Gang zu erreichen. An anderer Stelle liegt ein Spalt wie ein Balkon über der See, so daß man einen Blick in eine weitere Bucht werfen kann.

An einer anderen Stelle wird nochmals Kayaking angeboten. Auch hier ein Stück Höhle. Dahinter ein Strand – wer vorbereitet ist und Handtuch sowie Wechselsachen mit hat, kann bei gutem Wetter baden gehen. Zeit ist genug, die meisten sitzen eine Stunde einfach in der Sonne.

Perlenfarm in der Ha Long Bucht

Dann noch eine weitere Fahrt im Schneckentempo durch Felsenkanäle, bis in einer weitläufigen Bucht eine Perlenfarm erreicht wird. Es gibt eine kurze Einführung in die Zucht künstlicher Perlen, was schon sehr interessant ist. Das Verfahren wurde Ende des 19.Jahrhunderts von einem Japaner entwickelt. Natürlich kann dann jeder in dem riesigen Verkaufsraum Ohrringe, Perlenketten, Fingerringe usw. kaufen, soviel das Kreditkarten – Konto hergibt. Ja, hier, auf dieser Plattform in der Ha Long – Bucht funktioniert sogar die Zahlung per Kreditkarte. Anschließend geht die Fahrt weiter, um die Runde zu schließen. Und je nach Boot werden dabei schon die einen oder anderen Gäste wieder zu ihren „Mutterschiffen“ zurückgebracht.

Zwischen 15:00 und 16:00 Uhr erreichen wir wieder unseren Dampfer, der wie am Vortag am gleichen Platz vor Anker liegt. Nur daß die Zweitage- Gäste ausgetauscht wurden und noch beim Kayaking der nassen Hosen sind. Für uns wenige Dreitage-Gäste ist das Tages – Programm zu Ende und wir dösen auf dem „Sonnendeck“. Später gibt es die erste Begegnung mit den neuen Kurzausflüglern und das Abendessen.

Das Programm am dritten Tag (für 2-Tagegäste am 2.) ist noch kürzer. Wecken wie gehabt um 7:00 Uhr. Dann eine schnelle Fahrt mit dem Beiboot zum „Ti-Top“, eine Felsspitze, wo Ho Chi Minh den zweiten Kosmonauten der Welt, German Titow getroffen hat. (Mit 26 Jahren ist German Titow bis heute der Jüngste überhaupt, der den Weltraum besucht hat.) Diesen „viewpoint“ kann man über viele viele Treppenstufen ersteigen… das geht, dank Kaffeeflatrate zum Frühstück. Da die Insel einen kleinen Strand hat (sogar mit Bademeister und baywatch!), ist allen, die das wollen, ein kurzes Bad erlaubt.

Und schon wird gedrängt, wieder auf das Mutterschiff zurückzufahren. Dort ist Packen angesagt – die Zimmer werden während der Rückfahrt schon für die nächsten Gäste gereinigt. Währenddessen wird der Anker gelichtet und die kurze, aber langsame Rückfahrt beginnt. Mittagessen gibt es dann bereits gegen 11:00 Uhr! Üppig, aber viel zu früh. Noch vor dem Mittag liegen wir wieder in der Bucht des Hafens von Ha Long (Stadt) und werden zu dem großen Passagier-Terminal geschippert. Dort sitzen wir noch über eine Stunde und warten auf den Bus aus Hanoi, der neue Kreuzfahrer bringt und uns zurück in die Metropole am Roten Fluß. Auch auf der Rückfahrt gibt es den Stop an der Toilette/ einer Marmorschleiferei.

So sieht in etwa das Programm aus, welches bei drei Tagen für 130 – 170 Dollar angeboten wird. Möge jeder für sich beurteilen, ob ihm dieser kurze Eindruck am Rande der Ha Long – Bucht ausreicht oder er mehr Zeit, aber auch mehr eigenen Organisations-Aufwand investieren möchte. Übrigends wurden diejenigen, die eine von den zwei Nächten einen Aufenthalt auf Cat Ba gebucht hatten, mehr oder weniger überredet, daß sie auf dem Schiff bleiben. Aktuell z.B. sei Cat Ba wegen Corona gesperrt.

Willst Du die Ha Long – Bucht auf eigene Faust erkunden, bist Du trotzdem darauf angewiesen, irgendwelche Bootstouren zu buchen. Nur eben dann vor Ort als Tagestouren. Denn – ohne eine Seefahrt bleibt das Erlebnis eher beim Blick aus der Ferne. Die Tagestour- Schiffe vom Ha Long – Passagier- Terminal werden mehr oder weniger das Programm, welches mit Übernachtung als Zwei-Tage-Tour angeboten wird, an einem Tag machen. Zeitlich kein Problem, da sie früher losfahren können – die ca. 4 Stunden Anreise aus Hanoi fällt ja weg. Eventuelle gute Ergänzungen gibt es durch alternative Angebote von der Insel Cat Ba. Mit mehr Zeit und passender Ausrüstung könnte ich mir auch längere Kayak-Touren in der Insellandschaft vorstellen.

Ninh Binh – Felsenlandschaft zwischen Reisfeldern

Ninh Binh selbst, rund 90km südlich von Hanoi, ist keine schöne Stadt. Leider im Vietnam- Krieg weitgehend zerstört, entsteht hier eine Großstadt irgendwie ohne Plan und System. Ein Beispiel für die Zersiedelung einer Region, wo Reisfelder parzelliert und mittels Schotterfüllung bebaubar gemacht werden. Darauf entstehen dann die typischen zweizimmerbreiten Neubauten aus einem Stahlbeton-Skelett mit ausgemauerten Wänden, wie sie in ganz Südost-Asien zu finden sind. Je nach finanzieller Ausstattung des Bauherrn in einfachster Neubau-Variante mit Stahltor und Plastik-Türen oder mit mehr oder weniger üppigen Retro-Bauelementen wie Barock-Balkonen, geschnitzten Türen und Holzfensterläden bis hin zu großen Kuppelbauten. Es kaufen sich eine Menge reicher Chinesen in Vietnam Grundstücke und bebauen diese z.T. mit Villen- und palastartigen Häusern.

Ninh Binh Vietnam
Felslandschaft bei Ninh Binh

Trotzdem ist die Region eine Reise wert – und das liegt v.a. an dem Gebiet westlich von Ninh Binh, in dem aus flachen Ebenen mit Reisfeldern karstige Kalksteinbuckel und Bergzüge aufragen. Viele sprechen dabei von der „trockenen Ha Long – Bucht„. Doch so trocken ist die gar nicht! Abgesehen von den Reisfeldern, auf denen ja fast ausschließlich Naß – Reisanbau betrieben wird, ist die Landschaft von Flußläufen und Kanälen durchzogen, und das erhöht den Reiz nochmal besonders. Auch einige Seen und Teiche liegen eingebettet zwischen den Felsen. Manche der Täler sind nur über die Flüsse zugänglich, was mich zu dem Gedanken geführt hat – es ist ein wenig wie „Spreewald und Sächsische Schweiz“ in einem! Diese Flußtäler sind sogar als Welt-Naturerbe eingestuft.

Welt – Naturerbe und Welt – Kulturerbe dicht beieinander

Dazu kommen einige sehr bedeutende historische Stätten wie Pagoden, Tempel und die alte Hauptstadt Hoa Lu, die Vietnam in die Reihe der jahrhundertealten Hochkulturen stellt. Insbesondere Hoa Lu ist auch noch Welt – Kulturerbe der UNESCO, so daß hier nahe beieinander zwei bedeutende Welterbestätten liegen.

Die Anreise nach Ninh Binh kann per Zug von Hanoi aus erfolgen. Das geht relativ schnell (rund 2 Stunden) und ist eine angenehme Art zu reisen. Alternativ fahren viele Busunternehmen nach Ninh Binh. Die Busstationen in Hanoi liegen allerdings relativ weit vom Touristenschwerpunkt Hoan Kien-See entfernt. Also sind Taxis oder Xe Om (Motorrad-Taxis) als „Zwischentransporter“ erforderlich – oder Du wühlst Dich durch die Routenpläne von Hanoibus. Auch das sollte gut klappen.

Willst Du es ganz bequem haben, buchst Du einfach einen Ausflug nach Ninh Binh/ Tam Coc über eines der vielen Reiseanbieter in Hanoi. Dort sind vor allem Tagesausflüge im Angebot, aber diese Hetzerei lohnt meiner Meinung nach nicht – diese schöne Gegend will in Ruhe erkundet werden! Die Touribusse fahren nach Tam Coc, setzen die Gäste in eines der Boote, machen noch irgend ein zweites kleines „highlight“ wie eine Höhle oder einen „viewpoint“ und fahren zurück nach Hanoi. Viel Streß, wenig nachhaltiges Erlebnis.

Obwohl Ninh Binh keine Schönheit ist, kann es von Vorteil sein, gleich dort sein Quartier zu suchen. Besonders in den westlichen Bezirken gibt es einzelne homestay-Herbergen, die eine gute Qualität haben und einen schnellen Zugang zu den interessanten Gebieten sowohl süd- als auch nordwestlich erlauben. Im Umfeld des Bahnhofs gibt es aber auch einige Hotels. Fahrräder und Mopeds lassen sich in fast jeder Unterkunft ausleihen oder zumindest werden sie vermittelt. Willst Du nicht mit Taxifahrern oder Tour-Unternehmern die Gegend erkunden, sondern auf eigene Faust, bist Du auf so eine „Mobilitätshilfe“ angewiesen. Ein Fahrrad ist für einigermaßen trainierte Radler ausreichend. Allerdings sind die Guesthouse-Fahrräder i.d.R. sehr einfache Standard- Räder mit hartem Sattel und i.d.R. für europäische Größen zu kurzen Sattelrohren. D.h. das Fahren damit ist nicht der höchste Radler-Genuß. Fahrradverleiher haben da oft eine größere Auswahl.

Der Weg an der Südtangente – Tam Coc

Die Masse der Traveller läßt sich vom Bahnhof aus gleich mit Taxis nach Tam Coc fahren. Das ist die Hochburg südwestlich von Ninh Binh. Hier ist Hostel an Hostel, Hotel an Guesthouse und homestay an resort… Die Hauptstraße ist eine einzige Kneipenmeile, von Fahrrad- und Moped-Verleih, Massagestudios und „Made in Vietnam“-Shops unterbrochen. Wenn Dir also nach westlichem Essen, abendlicher Party, der Gesellschaft des Traveller-Kosmos und sonstigen Annehmlichkeiten ist, dann ist Tam Coc Dein Ziel. Willst Du das nur für ein paar Stunden oder für einmal richtig satt essen um Dich haben, gibt es jede Menge einfacher oder hochwertiger Unterkünfte im näheren Umkreis.

Tam coc - Bamboo Huts
Hütten – Resort bei Tam coc

Der große Reiz an Tam Coc besteht in der Möglichkeit, vom „Hafen“ am zentralen Platz aus über zwei Stunden lang mit kleinen Booten durch die Bergwelt gerudert zu werden. Und das ist wirklich ein Erlebnis. Einen anderen Zugang zu diesen Gebieten gibt es i.d.R. nicht und die Landschaft ist einfach unvergleichlich. Teilweise führen die Bootsrouten sogar durch Höhlen..

Bootstouren durch die Felsenlandschaft

Schon die Art zu rudern ist außergewöhlich. Die Ruderinnen (meist sind es Frauen) sitzen – anders als bei den olympischen Ruderern – in Fahrtrichtung im Heck des Bootes, gerudert wird mit den Beinen. Die Füße liegen dabei auf den Ruderholmen, ohne Pedal, ohne irgendwelche Schnallen und drücken die Ruder nach vorn. Beim Rückführen werden die Ruder sogar noch für geringeren Luftwiderstand flachgedreht, alles nur durch Fußbewegungen. Manche rudern auch im Wechsel, so daß es aussieht, als ob sie ein Fahrrad vorwärtsstrampeln. Dabei sitzen die Ruderinnen entspannt zurückgelehnt, die Hände im Schoß oder oftmals hinter dem Kopf verschränkt…

Bootstour bei Tam Coc

Die Gebühren für die Tour sind nicht ganz ohne, lohnen sich aber. Es wird eine Abgabe pro Boot fällig und dazu noch ein Entgelt pro Person. Wobei in den aushängenden Regeln schon steht, daß nicht mehr als zwei Ausländer auf einmal ein Boot benutzen dürfen. (Das wird in der Praxis allerdings wohl nicht ganz so ernst genommen, wie ich beobachtet habe, so daß Dreiergruppen durchaus möglich sind).

Es macht Sinn, möglichst früh am Tag loszufahren oder etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang/ Schließung. Denn im Hauptschwung am späten Vormittag bis etwa 15:00 Uhr am Nachmittag kann es sein, daß Du in einem Boot wie auf einer Perlenschnur mit hunderten anderen Booten die Flüsse entlangfährst. Das schmälert das Erlebnis beträchtlich, v.a. wenn darunter noch Partyfans mit beat-box sind. Tagsüber kommen eine ganze Reihe von Tagesausflüglern aus Hanoi mit Bussen, die sind aber am späteren Nachmittag schon wieder auf dem Rückweg. Dann wird es ruhiger. Und am Wochenende oder an Feiertagen ist natürlich besonders viel los, deshalb ist ein Besuch in Ninh Binh in der Woche besser.

Mua Cave – keine Empfehlung

Auf dem Weg nach Tam Coc liegt bereit eine Höhle „Hang Mua“- Mua Cave. Meiner Meinung nach ist der Besuch nicht so wirklich zu empfehlen. Bereits auf dem Weg vom Hauptweg zum Eingang versuchen die Einheimischen Moped- und Radfahrer zum Parken auf den eigenen Grundstücken zu verleiten „Walking Street„! Und dann neben der Bewachungsgebühr natürlich noch weitere Geschäfte wie Essen oder Souvenirverkauf einzufädeln.

Der Eintritt zum Mua-Cave – Gelände ist mit 100.000 Dong (aktuell 4 Euro!) im Verhältnis zu anderen Attraktionen ziemlich überzogen. Denn die Mua-Cave ist einfach nur ein 40m Felsentunnel unter einem Berg hindurch ins nirgendwo. Mit einem kleinen Seitenarm „Perlengrotte„, der in einem Wasserbecken endet. Und ansonsten gibt es zwei zusammenhängende Aussichtspunkte, die zu erklettern sind – der „Drachenfelsen“. Die bzw. der Ausblick von diesen sind noch am Interessantesten. Das Grundstück vor der Mua Cave ist eine Art Disney-Park mit künstlichen Wasserfällen, Fischteichen und Beton-Figuren. Sogar eine Herz – Steganlage im Reisfeld gibt es (Oder soll das ein Spermium sein?). Außerdem werden verschiedene Unterkünfte im Gelände angeboten.

Vietnam Mua Cave
Aussicht an der Mua Cave
Weitere Bootstour – Angebote am Wegesrand

Wer dem Bootstrubel in Tam Coc entgehen möchte, findet noch ein paar andere kleinere Stellen mit Bootsfahr-Angeboten. So z.B. rund 3 km westlich von Tam Coc auf dem Weg zur Bich Dong Pagode in Thung Nang. Dort kann man sich rund 70 min. für etwa 150.000 Dong rudern lassen. Zwar sind die ersten 200m eher kanalähnlich und es ist hin und zurück die gleiche Strecke, aber die Eindrücke lohnen.

Zwei Höhlen werden durchquert, wobei bei der ersten der Ausgang nicht erkennbar ist und nur die Stirnlampe der Bootsruderin für etwas Licht sorgt. Hinter der zweiten Höhle ist eine „Wendeschleife“. Dort versuchte die Ruderfrau, noch sowas wie eine Kaffeefahrt aus der Tour zu machen, indem sie handgenähte Kühe und Keramik-Schildkröten mit Wackelbeinen aus der Tasche zog. Aber ansonsten war die Fahrt sehr eindrucksvoll durch grüne Landschaften, zwischen steilen Felsen hindurch. Da ich eine späte Nachmittagsstunde gewählt hatte, wo nur noch wenige Boote unterwegs waren, konnte ich sogar mehrmals asiatische Eisvogel-Verwandte bei der Fischjagd voraus beobachten.

Noch weiter westlich am Ende des Tals in Thung Nham wird nochmal offiziell ein Eintritt verlangt, da es sich um ein Vogelschutzgebiet handelt. Auch in diesem „bird-valley“ kann man mit einem Boot gefahren werden. Kurz davor gibt es in Linh coc noch ein weiteres kleines Bootstour-Angebot. Entlang dieser Straße sind viele weitere Unterkünfte zu finden – auch Bungalows in kleinen resorts (Ricefield – resort o.ä.).

Die Nordroute – Trang An und Hoa Lu

Eine andere sehr schöne Fahrrad-Tour kann man im Norden der Felsenkette machen. Allerdings ist diese Straße stärker ausgebaut und mehr befahren als die kleineren Erschließungsstraßen westlich von Tam Coc. Denn sie endet nicht in irgendeinem Seitental, sondern stellt eine Ost- West- Quer- Verbindung dar.

Das erste Ziel kann Trang An sein. Hier beginnt die Weltnatur-Erbe – Bootsfahrt über die Bergflüsse vom Norden her. Doch gibt es hier noch mehr Boote als in Tam Coc, vermutlich bis 1500 nach eigener Schätzung. Und damit ist es ratsamer, früh aufzustehen und möglichst vor allen anderen anzukommen oder eine der letzten Touren des Tages zu starten.

Ein Ort als Bootsanlegestelle

Der Bootsanleger von Trang An besteht mehr oder weniger nur aus Parkplatz, Restaurant-Baracken und Souvenir- Ständen. Der Anleger selbst ist eine runde Insel mit Servicepoint und Ticketcounter, um die herum die Boote zum Ablegen bereit sind.

Ansonsten gehören zu Trang An eine Reihe von kleineren Siedlungsflecken, die entlang der Straße zu finden sind. Jedenfalls kein so konzentrierter Ort wie Tam Coc. Natürlich finden sich auch in diesem Gebiet eine Reihe von Unterkünften, wobei diese verstreut liegen und mehr in einzelnen Bungalows oder kleinen Häusergruppen bestehen. Wer die Ruhe sucht und eine abgelegene Unterkunft in der Natur möchte, hat hier die besten Chancen!

Hoa Lu – vergangene königliche Hauptstadt und Weltkulturerbe
Tor zum Welterbe Hoa Lu - Vietnam
Tor zum Welterbe Hoa Lu

Etwa 6km nordwestlich von Trang An befindet sich die Weltkulturerbestätte Hoa Lu. (Eintritt 50k Dong- 2€) Hierbei handelt es sich um eine erste Hauptstadt und Tempelanlage des Königreichs Vietnam, bereits aus dem ersten Jahrtausend! Wer in Hanoi den „Literatur – Tempel“ besucht hat, wird eine ähnliche Struktur wiederfinden. Es handelt sich um einen Tempelkomplex mit mehreren Höfen, die durch mehrere Tore zum zentralen Altarbau hinführen.

Vietnam Tempel Hoa Lu
Tempel Hoa Lu

Noch einmal ca.8 km weiter liegt Bai Dinh, die größte Pagode und Tempelanlage der Region. Allerdings wird diese stark touristisch vermarktet mit großen Parkplatz und Shopping-Gelände und ist eher ein Retro-Disneyland. Denn die Authentizität der Bebauung ist nur teilweise gegeben und es werden immer weitere Elemente im modernen Betonbau hinzugefügt – Eine Inselpagode im See, weitere Türme und Tempelchen in den Sichtachsen… Für viele Vietnamesen ist der Ort schon ein heiliger mit historischen Wurzeln, wer allerdings authentische gewachsene Geschichte sucht, sollte sich mehr Zeit für Hoa Lu nehmen und Bai Dinh allenfalls als „kann„- Option einplanen.

Drachenbaby am Drachenbett von Hoa Lu entdeckt!

Für diese Teilregion allein sind 3 Tage durchaus angemessen. Es können aber auch ein, zwei mehr sein. Denn das waren hier nur die Top- highlights – wenn Du Zeit mitbringst, kannst Du auf eigene Faust noch weitere Höhlen entdecken oder Seitentäler erkunden. Und genügend Zeit ist vor allem hilfreich, wenn Du die lebendige Natur entdecken und beobachten möchtest! Das geht am Besten an Morgen – oder Abendstunden und dann eben mit dem langsameren, aber leiseren Fahrrad. Die Mopedfahrer haben Eisvögel / Kingfisher wenn überhaupt, dann nur mal so im Augenwinkel wahrgenommen – ich hatte mehrfach längere Beobachtungen auf meinen Radtouren. Und Drachenbabies lassen sich auch nicht im Trubel von Touristengruppen wecken 🙂 (Obwohl viele Touristen drum herum waren, wie am Geräuschpegel zu hören ist. Nur hat niemand außer mir auf das keine Tierchen geachtet…)

Abendsonne bei Ninh Binh Vietnam

Sehr zu empfehlen – in Vietnam überhaupt, aber besonders in der feuchten und teils sumpfigen Reisfeld-Region Ninh Binh ist ein gutes Mückenmittel!

Sa Pa – Touristenzentrum in den Bergen

Sa Pa ist für Vietnam eher eine Ausnahme – so hohe Berge und ein Klima, was im Winter an mitteleuropäische Herbsttage erinnert, im Extremfall sogar Schnee! Vietnamesen und Gruppen der regionalen Bergvölker, vor allem H’mong in dicken Jacken, mit Mützen und Handschuhen. Auch ich habe meinen Pullover wieder rausgeholt….

Bist Du an sich schon ein Freund der Berge, dann plane ein paar Tage für den Besuch in Sa Pa und der Umgebung ein und fahr dort hin. Sa Pa liegt auf ca. 1400 m Höhe über dem Meeresspiegel. Der höchste Berg Vietnams (Fangsipan) gleich daneben erreicht über 3143m – das Relief ist „bewegt“. Da kommen einige Höhenmeter zusammen,wenn Du dort eine Tour machen willst.

Sa Pa - Berge im Nebel
Terrassenanbau prägt die Landschaft um die Bergdörfer

Und das solltest Du, denn nur ein Besuch in der Stadt lohnt den Besuch nicht so richtig. Mit dem Bus sind es über 5,5 Stunden von Hanoi, trotz relativ gut ausgebauter „Vietnam Express-ways“. Zum Schluß mit rund einer Stunde Anstieg über Serpentinenstraßen. Schaue Dir vorher die Wettervorschau an – oft liegt Sa Pa in dichten Bergnebeln und Du siehst von den hohen umgebenden Bergen nur Schemen – wenn überhaupt. Also ist (zeitliche) Flexibilität erforderlich.

Sa Pa Stadt – Hotel an Hotel und jede Menge Baustellen

Die Stadt selbst bietet nicht soviel, was den weiten Weg dorthin wirklich rechtfertigen würde. Sie ist vor allem ein Urlauberstädtchen mit Hotels und Unterkünften dicht an dicht. In den Randlagen jede Menge Baustellen – hier entsteht noch immer mehr „touristische Infrastruktur“. Dafür werden z.T. die Terrassenfelder abgegraben, die die Umgebung von Sapa ja gerade so interessant machen. Viele Pfade und Wege, vor wenigen Jahren bei openstreetmap noch als „Trail“ oder „unbefestigter Weg“ eingetragen, ist inzwischen betoniert, manchmal auch straßenähnlich verbreitert und ausgebaut. Diese Entwicklung setzt sich fort – man hat den wirtschaftlichen Ertrag des Tourismus erkannt und setzt auf immer mehr davon, z.T. leider, indem die eigentlichen Ressourcen wie schnell erreichbare Natur-Gebiete, die jahrhundertealten Bewirtschaftungsweisen der Felder mit Terrassenanbau und grüne Landschaften zersiedelt werden oder eine Freizeit-Industrie aufgebaut wird.

Per Standseilbahn und Schwebebahn auf den höchsten Berg

Der höchste Berg Vietnams, der Fangsipan, wird schon seit einigen Jahren (2016) über eine Seilbahn erreicht, die gleich mehrere Rekorde im Guinness-Buch hielt. (Längste dreikabelige Seilbahn der Welt mit 6282m, größter Höhenunterschied mit 1410m – allerdings 2018 durch einen weiteren Neubau mit 7.899,9 Metern in Süd- Vietnam übertroffen, diese Seilbahn verbindet zwei Ferieninseln) Seit 2016 gibt es zur Talstation auch noch eine Standseilbahn aus dem Stadtzentrum heraus. Diese ist schon eine technisch interessante Attraktion, besonders für Freunde von Bahnen und Schienenfahrzeugen. Leider besteht die Gefahr, daß aus dem Erfolg dieser vertretbaren Erschließung immer weitere touristische Bauten abgeleitet werden und letztendlich eine Kunstlandschaft entsteht, die mit dem ursprünglichen Reiz der phantastischen Natur nicht mehr viel zu tun hat.

Vietnam - Sa Pa Baustelle
Sa Pa’s Randzonen gleichen einer Großbaustelle.

Die „Tal“-Station der Standseilbahn befindet sich übrigens im EG/ Keller des Sapa Plaza, eines monströsen Bauwerkes im Stile der eklektischen Sammlung neoklassischer Versatzstücke, was wohl an mondäne Hotelbauten an der Coté Azur oder Davos erinnern soll.

Vietnam - Sa Pa Plaza
Sa Pa Plaza – ein monströser Klotz

Auf den Straßen wirst Du immer wieder von H’mong – Frauen und teilweise auch Kindern angesprochen, die versuchen, Schmuck, Holzarbeiten, Täschchen und anderen Klimbim an Touristen zu verkaufen. Einige bieten sich auch als Führerinnen in die nahegelegenen H’mong – Dörfer an. Natürlich fehlen die Taxi- und Motorrad-Taxifahrer nicht unter den Straßen – Begleitern.

Vietnam Sa Pa Hmong-Frauen
H’mong – Frauen in Sa Pa

Unterkünfte gibt es jede Menge, von der einfachsten „Mitwohngelegenheit“ bei vietnamesischen Familien bis zu luxuriösen Hotels. An Wochenenden und v.a., wenn auch die Vietnamesen freie Tage haben, kann es trotzdem schnell eng werden – dann am Besten vorab buchen oder diese Zeiten gleich ganz vermeiden.

Vietnam Bergdorf bei Sa Pa
Bergdorf bei Sa Pa

Tourenangebote vor Ort nutzen oder auf eigene Faust losziehen

Viele Unterkünfte bieten Touren in die Umgebung an. Wenn Du nicht vor hast, auf eigene Faust loszuziehen, dann kannst Du diese Angebote nutzen. Der Schwerpunkt liegt hier auf Besuchen in Dörfern der Bergvölker sowie Trekking-Touren verschiedener Schwierigkeitsgrade. Die Dauer reicht von Tagestouren bis 3-Tages-Angeboten mit Übernachtungen entweder in den Bergdörfern oder in veranstaltereigenen Camps. Buchst Du über eine Unterkunft, ist es meistens möglich, überflüssiges Gepäck im Hotel zu lassen und nur die nötigsten Dinge mitzuschleppen. Neben der Natur, die sich wie eine Mischung aus Bambuswäldern und europäischen Mittelgebirgen anfühlt, machen die Bergvölker mit ihrer Kultur, ihren Trachten, der Landbewirtschaftung in den Bergen und deren Lebensweise den Reiz dieser Region aus. Sapa selbst ist dagegen mehr der Start- und Endpunkt für Touren in die Umgebung.


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