Radtour durch die nördliche Dahlener Heide

Radtour durch die nördliche Dahlener Heide

Ein weiterer „Jahrhundert – Sommer“ liegt hinter uns. Die lähmende Hitze ist vorbei, die beständigen Sonnentage leider auch. Was uns geblieben ist, ist die Dürre, auch wenn gerade mal ein paar erbärmlich dünne Schauer etwas Frische über den durchgetrockneten Boden der Dahlener Heide breiten.

[*enthält Verweise auf Gastronomie, Geschäfte, Freizeiteinrichtungen usw. und zählt deshalb als Werbung]

Inhaltsübersicht

Wochenend-Abenteuer bei Leipzig im Reich der Schildbürger

Nichtsdestotrotz – gerade diese herbstliche Zeit ist für kurze Abenteuer gut genug – Kleine Fluchten aus dem Alltag. Ein Reiseziel für Wochenenden, ja eventuell sogar nur für einen Tag, liegt von Leipzig oder Halle aus erreichbar im Osten – die Dahlener Heide und die Schildbürger.

Da die Dahlener Heide ein Hügelland ohne steile Anstiege ist (der Schildberg ist mit 217m die höchste Erhebung), können auch Ältere oder Familien mit kleinen Kindern dieses Gebiet ohne allzu große sportliche Herausforderung erfahren. Ein Großteil der Wege sind allerdings Wald- und Feldwege nur mit Split-Schüttung, deshalb empfehlen sich breite Fahrrad-Reifen. Die hier empfohlene Nordroute durch die Dahlener Heide als Radtour führt von der S-Bahn über Schildau nach Belgern. Für den südlichen Teil der Heide-Radtour mit Dahlen als namensgebender Stadt lies den Extra-Bericht.

Anreise mit S-Bahn und Rad

Mit der Leipziger S-Bahn S4 (dem langen nördlichen Schenkel mit dem fernen Ziel Hoyerswerda) könnt Ihr von Leipzig aus bis Doberschütz fahren. Die Hallenser, die über Delitzsch kommen, steigen in Eilenburg in die S4 zu (oder RE10 im Wechsel) und haben dann nur noch zwei Stationen. Zum Glück ist in den Schienenverbindungen des Verkehrsverbundes MDV die Fahrradmitnahme kostenlos, so daß Ihr Eure eigenen Räder mitbringen könnt.

Mit Fahrradverleih- Stationen sieht es in der Gegend nämlich noch recht düster aus. Und ohne Fahrrad bist Du in Doberschütz auch aufgeschmissen, es sei denn, Dein Interesse gilt weiten Wanderungen.
Ihr braucht mit dem Rad gar nicht in den Ort hineinzufahren, da nervt sowieso nur die B87 mit all den Auto-Ausflüglern. Besser ist es, ein Stück in der Gegenrichtung die Straße raus zu nehmen und dann links in den Feldweg einzubiegen und Strelln sowie Schöna anzusteuern. Das erste Ziel sollte östlich in der Ferne schon erkennbar sein – der Schildberg bei Schildau mit einem kleinen Buckel auf der Kuppe, welcher den Turm wahrnehmen läßt. (ca. 14,5km) ( Radweg bis Schildberg: https://t1p.de/y06z , mit download-Option für .gpx-Track)

Erste Etappe über Feldfluren zum Schildberg

Zuerst geht es über Feldwege durch offene Landschaften. Ab Strelln kommen Kommunalstraßen, allesamt sehr wenig befahren und bis auf ein paar enge Kurven zwischen Schöna und Kobershain sehr übersichtlich.

Kleiner Übernachtungstip: Im alten Rittergut Kobershain gibt es jetzt ein Schloß-Hotel mit Familiensuite und Doppelzimmer*. Von hier aus ist dann Schildbergwald und Stadt Schildau auch für Kinder mit dem Rad sehr gut zu erreichen.

Von Kobershain aus führen zwei mögliche Wege auf den Schildberg. Einer führt noch ca. 1,5km die Straße Richtung Schildau und dann rechts in einen Waldweg hinein, der andere schon in Kobershain auf ansteigenden Wegen und an der Wind- Mühle vorbei.

Dahlener Heide - Schildau: Schildbergturm
Der Aussichtsturm auf dem Schildberg


Über den Namen des Schildberg läßt sich etwas spekulieren. Einige meinen, dieser käme von der Form eines flachliegenden Schildes. Wahrscheinlicher ist die Zuordnung zur Kleinstadt Schildau, zu deren Fluren der Schildberg-Wald gehört. In einigen Landkarten steht folgerichtig auch „Schildauer Berg“ als Bezeichnung, obwohl das kein Einheimischer so sagt.

Schildberg- Aussicht und versteckte Kleinode

Der Schildberg ist ein Porphyr-Buckel mit einer Höhe von 217m über NN, der in westlicher Richtung noch eine Fortsetzung in den Hohburger Bergen findet. Oben steht ein steinerner Turm, der vom Forst als Feuerwacht-Turm bei Waldbrandgefahr genutzt wird (mittlerweile per Video-Technik). Unter dieser Kanzel befindet sich eine Aussichts-Plattform. Diese ist in der Sommersaison an Wochenenden geöffnet, wenn nicht zu hohe Waldbrandgefahr besteht. Von der Höhe aus kannst Du einen weiten Rundum-Blick genießen: nordwestlich ist der Funkturm Roitzsch in der Dübener Heide zu sehen. In nördlicher Richtung Schloß Hartenfels in Torgau. Östlich liegen vor allem die Waldgebiete der Dahlener Heide, wenn Dein Blick nicht so weit schweift, siehst Du unterhalb des Berges Schildau mit der markanten Stadtkirche sowie dem Rathaus links daneben.

Südöstlich in der Ferne ein weiterer Berg – der Collm bei Oschatz, bei guter Sicht ist ein Funkturm und ein alter Steinturm zu erkennen. Eventuell sogar ein weißes Gebäude – das ist das Observatorium Collm. In südwestlicher Richtung liegen die Hohburger Berge. Wenn das Wetter und der Sonnenstand es zuläßt, dann erkennst Du leicht südlich dieser Berge vielleicht sogar Leipzig mit dem „Weißheitszahn“ und dem Völkerschlacht – Denkmal.

Dahlener Heide - Schildau: Wegweiser Sandstein
Alter Sandstein-Wegweiser


Leider ist nach dem Wüten insbesondere des Sturms „Friederike“ im Winter 2018, nach dem zweiten Dürre- Sommer in Folge und starkem Borkenkäfer- Befall der Wald hochgradig geschädigt. Das ist von oben an den vielen braunen Baumwipfeln besonders deutlich wahrzunehmen. Hier werden in den nächsten Jahren große Anstrengungen der Forstleute notwendig, um den Waldumbau zu widerstandsfähigeren Laub-Mischwäldern voranzutreiben.

Geschichte auf der Spur

Der Schildberg- Turm wurde in den 30er Jahren durch „Kraft – durch – Freude“- Einsätze gebaut. Eigentlich sollte am Schildberg so eine Art Thing-Platz entstehen mit Freilichttheater am Hang usw. Doch ab 1939 wurde die Kraft nicht mehr für Freude gebraucht, sondern zum Kriegführen, wodurch die ursprünglichen Pläne für nach dem Endsieg aufgeschoben wurden. Die Kräfte, die dann die Macht übernahmen, waren Freunde anderer Freuden und damit waren die Baupläne erledigt.

Verlaßt Ihr das Schildberg – Plateau auf dem Abstieg nach Süden, dann kommt nach ca 50m ein Pfad nach rechts. Dort geht es zum „Napoleon-Stein„. Das ist ein Felsbuckel, der am Westhang des Schildbergs aus dem Waldboden ragt (mit einer der kleinsten Boofen Sachsens 🙂 . Dort soll Napoleon am Vorabend der Völkerschlacht 1813 gelagert haben. Der Pfad dahin führt auch oberhalb eines Steinbruchs entlang (die „Heßler-Schlucht“). Dieser ist inzwischen ein kleines Naturreservat mit Sonnenwänden und Feuchtbiotop.

Dahlener Heide - Schildau: Waldpilze
Waldpilze sind reichlich zu finden

Ein weiterer Steinbruch (und nicht der einzige ) befindet sich ca. 500m weiter südlich. Dieser ist „abgesoffen“, d.h. weitgehend mit Wasser gefüllt.

Länderteilung nach Völkerschlacht und Wiener Kongreß

Dahlener Heide: Grenzstein Königreich Sachsen bei Schildau
Grenzstein KS – KP

Der Weg, der die Steinbrüche verbindet, ist heute Kreisgrenze zwischen Nordsachsen und Leipziger Land und war nach dem Wiener Kongreß 1815 die Grenze zwischen dem verkleinerten Königreich Sachsen und dem Königreich Preußen. Sachsen hatte sich mit dem Völkerschlacht – Verlierer Napoleon verbündet und mußte dafür nicht nur Federn lassen, sondern auch einige Quadrat-Kilometer Land an die Sieger abtreten. Südlich vom Schildberg und von Schildau und quer durch die Dahlener Heide finden sich seitdem immer wieder die Grenzsteine mit den Markierungen KP und KS (Königreich Preußen und Königreich Sachsen).

Ein Besuch bei den Schildbürgern

Vom Schildberg führen nun mehrere Wege nach Schildau. Alle haben ihren Reiz, nur auf dem Grenzweg würde ich nicht bleiben, da dieser nicht direkt in die Stadt führt, sondern weit raus nach „Altenhain“ und dann nur die sehr befahrene Staatsstraße (von Wurzen) nach Schildau bleibt.

Lange Besiedlungsgeschichte

Die Ortsbezeichnung „Schildau“ kommt wohl ursprünglich aus dem Slawischen, wo ein Wortstamm „scoldoch“ auf einen eher undurchdringlichen Wald hinweisen soll. Die erste Besiedlung des Gebiets liegt deutlich weiter zurück: Fährst Du nach Süden in den weitgehend „wüsten“ Ortsteil Altenhain und biegst im Wald in Richtung Ochsensaal ab, kommst Du an ein Hügelgräber – Feld aus der Bronze – Zeit. Die Gräber wurden bereits etwa 1800 bis 1500 Jahre vor Beginn der Zeitrechnung angelegt. Kontinuierlich besiedelt wurde Schildau nachweislich seit 1170, d.h. im Jahr 2020 ist 850 – Jahr – Feier. Zu dieser Zeit Ende des 12. Jahrhunderts zogen Mönche vom Kloster am Petersberg bei Halle (Saale) aus, um weitere Gebiete (mit bis dahin slawischer Besiedlung) urbar zu machen. Dazu rodeten sie die ersten Waldgebiete und begannen, um einen slawischen Wehrturm, der heute noch den unteren Teil des Kirchturms der Stadtkirche St. Marienkirche bildet, eine neue Siedlung anzulegen.

Schildbürger – Buch, Schildbürger – Museum und Schildbürger -Brunnen

Schildbürger - Museum Schildau (Dahlener Heide)
Schildbürger (und Gneisenau-) Museum

Schildau ist die Stadt der Schildbürger. Vom Schildbürgerbuch hat vermutlich jeder schon mal was gehört. Nur wissen viele nichts von den Hintergründen und vor allem nicht, daß es den historischen Ort dazu tatsächlich gibt. Deshalb empfiehlt sich ein Besuch im „Schildbürger-Museum“. Leider sind die Öffnungszeiten eine Schildbürger- Geschichte für sich… Naja, das Problem ist, daß der Betrieb nur durch einen „Bundesfreiwilligen“ oder Ehrenamtliche aufrecht erhalten wird. Deshalb sind die Zeiten stark von der Verfügbarkeit der Freiwilligen abhängig. Du kannst entweder Dein Glück herausfordern, auf die Web-Seite schauen oder per Anmeldung versuchen, daß Dein Besuch paßt.
Das Schildbürger – Museum erklärt vor allem auch ein Stück die Entstehung des Buches und hat eine ganze Sammlung von verschiedenen Ausgaben parat.

Schildau Schildbürger -Brunnen
Der Schildbürger-Brunnen


Interessant ist neben dem Museum der Schildbürger – Brunnen, einige Meter westlich die Straße runter. Der Künstler hat in einem Bronze- Guß über 20 der Streiche und Szenen verewigt.. oder versteckt 😉 Da kannst Du eine Weile zubringen und wirst nach und nach immer mehr Details entdecken. Am Besten, Du machst Dir ’ne Liste, was Du alles gesehen hast, besorgst Dir das Buch und versuchst, die Artefakte den Texten zuzuordnen. … oder umgekehrt. Einige der bekanntesten Geschichten sind unten im Abschnitt „Reiseliteratur“ in wenigen Worten zusammengestellt.

Apropos Buch.. unterhalb vom Kirchberg in der Goethestraße gibt es das Geschäft „Foto Kleber“. Wenn geöffnet, lohnt ein Besuch in dem Laden – dort kannst Du Glück haben und nicht nur Schildbürger – Postkarten, sondern vielleicht auch noch eines der Schildbürgerbücher zu ergattern. Nicht das Original von 1598, aber ein überarbeitetes Exemplar der Schildauer Schriftstellerin Ruth Kraft.

Schildbürger – Geschichten auf einem Stadt-Pfad kennenlernen

Hast Du etwas mehr Zeit für die Stadt der Schildbürger eingeplant, kannst Du einige Streiche der Schildbürger auf Bildtafeln entdecken. Denn in Schildau sind an etwa 10 Orten Bilder angebracht mit jeweils einem der Streiche. So z.B. links neben dem Rathaus (mit extragroßen Fenstern) „Wie die Schildbürger Licht ins Rathaus tragen“ , am Seggengraben „wie die Schildbürger einen Krebs als Schneider ansehen und wegen Sabotage zum Tode durch Ertränken verurteilen“ oder unterhalb der Kirche „Wie die Schildbürger eine Kuh auf die Mauer ziehen wollten, damit diese das Gras auf dem Mauersims abweiden kann“ . Selbst die Kuh hängt dort an der Mauer.

Schildau - Stadt der Schildbürger - Krebs zum Ertränken verurteilt
Wie die Schildbürger den Krebs ertränken wollten

Die meisten Tafeln sind im Stadtgebiet zu erlaufen bzw. auch mit dem Fahrrad schnell zu finden. Für die Anekdote „Wie die Schildbürger ihre Glocke im See versenkten“ mußt Du allerdings zum Seebad am Neumühlteich fahren. Nochmal zum Schildberg ist aber nicht notwendig, denn die Tafel mit dem Schildbürger-Streich „Wie die Schildbürger Bauholz zu Tale tragen“ steht schon am Weg dorthin in der Friedensstraße.

Schildau - Stadt der Schildbürger - Kuh auf die Mauer ziehen
Wie die Schildbürger eine Kuh auf die Mauer zogen.
Schildau - Stadt der Schildbürger : Kuh an Kirchberg - Mauer
Schildau: Schildbürger - Buch

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Die Schildbürger – historischer Hintergrund des Schildbürger – Buchs von 1598

Wie konnte es dazu kommen, daß die Bürger der kleinen Stadt Schilda(u) so in Verruf gerieten? Und das die Geschichten der Schildbürger ein ganzes Buch füllen?

Als Verfasser gilt der Landadlige Johannes Friedrich von Schönberg – und der hatte sein Adelshaus und seine Besitzungen in : Sitzenroda. Das kleine Nachbardorf 3 km östlich von Schildau. Schönberg waren die widerborstigen Bürger Schildaus ein schmutziger Dorn im Auge, denn sie wollten sich seinem Besitzstreben nicht einfach ergeben. Dazu kam, daß am Ende des 16. Jahrhunderts auch die Bürger kleiner Landstädte mit eigener Stimme im sächsischen Landtag mitreden wollten. Doch die Gemeinden wurden bis dahin von den Landadligen vertreten. Und so nahm sich von Schönberg das kurz zuvor erschienene und heute wenig bekannte Lalebuch zum Vorbild und schrieb eine Schmähschrift über seine freidenkenden Nachbarn. Angesiedelt hat er die Geschichte in „Misnopotamia“ – was als Meißnerisches Zweistromland, also zwischen Elbe und Mulde gelegen, interpretiert wird. Und sich selbst erwähnt er ebenso, erst verschlüsselt in einer Art Buchstabenrätsel, später ab 1603 mit dem Namen Bellemont – was ja nicht anders als mit „Schönberg“ übersetzt werden kann.

Auch ein Schildbürger – Neidhardt von Gneisenau

Auf dem Markt steht ein Rathaus mit besonders großen Fenstern (im Gegensatz zum abgebrannten Schildbürger – Rathaus) und ein Denkmal für Wilhelm Anton August Graf Neidhardt von Gneisenau. Dieser Generalfeldmarschall und Heeresreformer der Preußischen Armee wurde nämlich 1760 in Schildau geboren – und gleich erstmal verloren. Zu Zeiten des 7jährigen Krieges war es üblich, daß die Offiziersfrauen – schwanger hin oder her – im Troß der Heere mitreisen mußten. Und so hat Frau von Gneisenau während einer Rast in Schildau am 27.Oktober 1760 entbunden.

Schildau Gneisenaudenkmal ( Dahlener Heide ) Schildbürger
Schildau: Denkmal für Graf Neidhardt von Gneisenau

Naja, der kleine Neidhardt wurde in der Stadtkirche St. Marien getauft und dann ging es auch schon bald weiter. Doch die Mutter war entkräftet und ihr entglitt das zarte Bübchen bereits auf dem ersten Kilometer am Stadtrand. Sie überlebte das Drama nicht, aber der Junge wurde gefunden und nach Schildau zurückgebracht. Dort kam er zu Pflegeeltern, die sich über 8 Jahre mit dem kleinen Blaublüter rumplagen mußten. Die Gneisenaus wollten ihn nämlich so schnell gar nicht zurück. Also wurde er als human ressource verwendet und mußte die Weihnachtsgänse der Pflege- Familie hüten.

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Einige der bekanntesten Schildbürger – Geschichten kurz zusammengefaßt:

Der Schilderung im Schildbürgerbuch zufolge waren die Schildauer eigentlich sehr schlaue Leute, die überall an den Höfen und Regierungssitzen als Berater gefragt waren. Doch zu Hause verfiel Haus und Hof und die Kinder und Knechte wurden aufsässig. So beschlossen sie, daheim zu bleiben. Sie erfanden also allerlei Narreteien, um nicht mehr als Ratgeber abgerufen zu werden. Als Zeichen für den Beginn einer neuen Ära begannen die Schildbürger mit dem Bau eines Rathauses…

Wie die Schildbürger Bauholz für ein neues Rathaus besorgten. Im Schildbergwald wurden Bäume gefällt und den Berg hinabgetragen. Der letzte Stamm entglitt ihren Händen und rollte hinab. Erstaunt erkannten sie, daß die Bäume ihren Weg selbst kannten – und trugen alle wieder auf den Berg, um sie in die Stadt rollen zu lassen.

Wie die Schildbürger ein neues Rathaus bauten und die Fenster vergaßen. Neue Zeiten – neues Rathaus. Deshalb wurde fleißig gebaut, um bald würdig in neuem Ambiente tagen zu können. Doch – ohweh! Im Rathaus war es dunkel wie in finsterster Nacht! Irgendwas war schief gegangen.

Schildau Stadt der Schildbürger - Schildbürger bringen Bauholz ins Tal
Die Schildbürger bringen Bauholz zu Tal
Schildau Stadt der Schildbürger - Licht ins Rathaus tragen
Wie die Schildbürger Licht ins Rathaus tragen

Wie die Schildbürger das Licht einfingen. Bald kamen die Schildbürger auf den Gedanken, daß sie vergessen hatten, das Licht mit im Rathaus einzubauen. Daran konnte man was ändern – nach Schildbürger – Art! Sie versammelten sich an einem sonnigen Mittag, um das Licht einzufangen und ins Rathaus zu tragen – mit Körben, Eimern und Säcken, ja sogar mit Lasso und Mausefalle wurde versucht, das Licht ins Haus zu bringen. … leider war der Erfolg nicht allzu groß.

Umsichtig in schweren Zeiten 😉

Wie die Schildbürger Salz säten. Wegen unruhiger Zeiten (wohl nicht Corona 😉 wurde im Lande das Salz knapp. Da kamen die Schildbürger auf die Idee, ihre letzten Salzvorräte auszusäen und mit reicher Ernte dem Mangel zu begegnen. Gesagt, getan, wurde am Salzberg (den gibt’s tatsächlich hinter dem „Toscanella“ ) ein Salzfeld angelegt. Und schon nach kurzer Zeit sprossen kräftige grüne Pflanzen – die auch noch heftig brannten wie Salz auf frischer Wunde, wenn man sie anfaßte. Nur leider war die Ernte eher ein Reinfall…

Schildau Stadt der Schildbürger - Salz säen am Salzberg
Wie die Schildbürger auf dem Felde Salz aussäten

Wie die Schildbürger ihre Glocke im See versenkten. Ein Krieg kam übers Land und rückte näher. Da beschlossen die Schildbürger, ihre Glocke als wichtigen Besitz vor den Heeren zu verstecken. Sie fuhren mit einem Holzkahn auf den See und versenkten die Glocke in den Fluten. Dort, wo sie die Glocke versenkten, machten sie eine dicke Kerbe in die Bordwand, damit sie die Glocke später wiederfinden konnten…

Der letzte Streich beginnt übrigens: Wie die Schildbürger in die Welt hinauszogen… und endet: so findet man heute überall Leute, von denen man sich sagt „Das sei ein rechter Schildbürger!“

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In Schildau den Hunger stillen

Dahlener Heide - Schildau : Restaurant Toscanella
Restaurant Toscanella

Wer jetzt hungrig geworden ist, kann auf dem Markt ins Marktstübchen „Zu den echten Schildbürgern“ schauen. Dort gibt es typische deutsche Gerichte (vielleicht auch Gänse), vegetarisch (nicht vegan) auf Nachfrage, wenn „Material dafür verfügbar“ ist. Die Öffnungszeiten sind ein wenig Wetter-abhängig, da sich Öffnen nur lohnt, wenn genügend Touristen unterwegs sind.

Als zweite, stilvollere Möglichkeit sei das indisch-italienische „Toscanella“ empfohlen. Vom Markt aus über den Kirchberg und dann noch ein paar Schritte nach links in die Wurzener Straße hinein. Dieses hat am Wochenende von 11-14 Uhr und von 17 – 20 Uhr geöffnet, Dienstag bis Freitag nur zu den Abend- Öffnungszeiten (Montag ist Ruhetag). In der kälteren Jahreszeit werden die beiden Gasträume stilvoll mit Kamin-Öfen beheizt. Die Wände sind zum Großteil unverputzte Naturstein- Mauern, teilweise mit offenliegenden Balken.

Es gibt vor allem Pizza, Pasta und dazu auch eine Auswahl an indischen Gerichten. Mehrheitlich Chicken-Speisen, hier sind aber auch einige vegetarische Optionen (ggf. sogar vegan) möglich.

Neu eröffnet ab Mitte Juni 2020 trägt nun auch noch ein Eiscafé „Zum Schildberg“ zu den kulinarischen Freuden in der Schildbürgerstadt bei. In der Friedensstraße, also oberhalb des Friedhofs auf dem Weg zum Schildberg kannst Du Eis, Kaffee und andere Leckereien genießen.

In der Sommersaison (Mai bis August) wäre außerdem der Imbiß in der Strandbar „Hai five“ am Seebad Schildau eine Alternative.

Seebad Schildau – Baden, Campen, Wohlfühlen

Dahlener Heide - Seebad Schildau Rutsche
Seebad Schildau – Rutsche

Übernachtungsoptionen gibt es in Schildau ebenfalls – in der Stadt vor allem Fremdenzimmer. Am Seebad im Stadtteil Neumühle sind zwei sehr einfache Bungalows, der Campingplatz oder eine Gruppenunterkunft verfügbar. Diese könnt Ihr über das Fremdenverkehrsamt der Stadt reservieren oder, soweit noch verfügbar, direkt vor Ort am Bad- Einlaß buchen.
Für die Sommersaison ist deshalb auch das Seebad an der Straße Richtung Torgau (ca. 1,5 km nördlich der Stadt) ein gutes Zwischenziel bzw. eine Option für ein Heide-Wochenende. Das Seebad Schildau ist eines der bekanntesten und gut ausgestatteten Freibäder der Region – es verfügt über ein solar erwärmtes „Erlebnisbecken“ mit großer Rutsche, aber auch über einen großen „Natur“-See für alle, die lieber ein paar Meter mehr schwimmen. Auf dem großen See kannst du auch mit einem Ruderboot losfahren und nach der versenkten Schildbürger – Glocke Ausschau halten.

Natur steht hier absichtlich in Anführungszeichen, da der Neumühlteich wie die meisten Teiche in der Region vor Jahrhunderten künstlich zur Fischzucht angelegt wurde, mittlerweile aber in die Naturlandschaft gut integriert ist. Er ist ein Rastplatz und z.T. auch Brutgebiet für Wasservögel. Östlich schließt sich die Mittelheide als Waldgebiet an, in der noch der (ebenfalls angestaute) Kühle-Grund-Teich liegt und für eine abwechslungsreiche Waldstruktur sorgt.

Auf Wege-Varianten von Schildau nach Belgern

Wer nicht am Seebad Rast und Quartier sucht, kann die Radtour von Schildau aus östlich in Richtung Sitzenroda fortsetzen. Der Radweg führt an einer der Tongruben vor bei, aus denen bis in die 70er Jahre Ton für die Schildauer Ziegelei gewonnen wurde. Zwei oder drei sind inzwischen wertvolle Feuchtbiotope in der Feldlandschaft, andere leider noch bis in die 90er Jahre mit Bauschutt verfüllt worden.

Klausen in Sitzenroda, Reiten in Taura

In Sitzenroda in der Belgerner Straße lädt die Biberklause „Zum Biber“ als Quartier und auch zum Essen ein, Du solltest aber rechtzeitig reservieren. Auf der Speisekarte steht je nach Verfügbarkeit sehr oft Wild aus der Region.

Ab der Belgerner Straße in Sitzenroda gibt es mehrere Möglichkeiten, weiter in die Dahlener Heide einzutauchen. So geht nach links weg zwischen den Gebäuden des Christlichen Sozialwerks hindurch ein Feldweg in Richtung des Heidedorfs Taura.

Dahlener Heide Schildau: Reiterhof Taura
Am Reiterhof Taura

Dort kommen Reitfreunde auf ihre Kosten – ein Reiterhof „Heideland“ freut sich auf Gäste, die die Heide auf dem Pferderücken erkunden wollen. Außerdem lockt ein Ferien-Park mit Gastronomie, einer Gartenbahn-Anlage und im Herbst meist mit einer Pilz – Ausstellung. Wer in der freien Natur kein Glück oder keine Geduld hat, kann im Wildgehege einige Tiere der Region sehen. Da in Taura eines der Forstämter von „Sachsenforst“ sitzt, wurde als „umweltpädagogisches Angebot“ eine Waldscheune eingerichtet. Diese ist vor allem für Schülergruppen an Projekttagen interessant. Wenn Du Interesse an einem Besuch hast, mußt Du das individuell mit dem Forstamt vereinbaren.

Wald, Wald, Wald…

Sowohl von Sitzenroda als auch von Taura könnt Ihr dann Belgern auf verschiedenen Wegen als östlichstes Ziel unserer Erkundung der Dahlener Heide (Nord) ansteuern.

Dahlener Heide - Schildau: Waldheide
Waldheide bei Taura


Dazwischen liegt vor allem Wald – teilweise als Kiefernforst, teilweise als Buchenmischwald, ab und zu Lichtungen, Hügelketten, Quelltäler und Quellteiche… Besondere Punkte im Wald, die Du noch besuchen solltest, gibt es in diesem nördlichen Teil der Dahlener Heide so nicht. Doch es ist ein großes, zusammenhängendes Waldgebiet, welches nur von einer befestigten, aber schmalen Straße durchschnitten wird. Wenn Du also Zeit und Muße hast, suche Dir einen ruhigen Platz und genieße die Abgeschiedenheit.

Harzgewinnung in der Dahlener Heide

In der Dahlener Heide sind noch einige alte Kiefern zu finden mit großen V-förmigen geriffelten Flächen. Da der Zugang zu Weltmärkten beschränkt und Valuta knapp waren, wurde in der DDR versucht, möglichst viele verschiedene Rohstoffe aus eigenen Ressourcen zu gewinnen. Einer der Rohstoffe war das Baumharz der Gemeinen Kiefer, welches in der Chemieindustrie zu Terpentin und Kolophonium destilliert wurde. Diese Grundstoffe konnten dann weiter verwendet werden in der Farben- und Lackherstellung, für Klebstoffe, Schmiermittel, Dichtungen und in anderen Bereichen.

Dahlener Heide - Harzbaum bei Schildau
Geharzte Kiefer

Für die Harzgewinnung gab es extra den Beruf des Harzers. Diese Leute waren eigentlich den ganzen Tag im Wald unterwegs. Im Winter wurden mit Hilfe von Bügelschabern die zu beharzenden Flächen von der äußeren Borke befreit. Im Frühjahr wurde dann eine senkrechte Tropfrinne gezogen, an deren unterem Ende eine Halterung eingeschlagen wurde. Über diese lief das Harz in einen Glaspott, der in etwa die Form eines Blumentopfes hatte. Pro Woche wurden an jedem Baum ein bis zwei V-förmige Rillen in Richtung Tropfrinne neu gezogen.

Der Ertrag hing stark vom Wetter ab, warmes und feuchtes Wetter lies den Baum stärker „bluten“. Denn mit dem Harz versuchen Bäume, ähnlich wie Blut beim Menschen, Wunden zu schließen und Krankheitserreger sowie Pilzbefall abzuwehren. Pro Saison konnte ein Harzer von 3000 Bäumen bis zu 9 Tonnen Harz gewinnen. Normalerweise wurden die Bäume dann innerhalb der nächsten Jahre geschlagen – die Kiefer gilt mit 80 Jahren als „hiebreif“. Durch die Veränderungen in der Forstwirtschaft, ungeklärte Eigentumsverhältnisse und fehlendem Bedarf nach dem „Beitritt der DDR“ sind die Fällungen aber oftmals bis heute ausgeblieben. So sind selbst jetzt, über 30 Jahre nach den letzten Harzungen in der Dahlener Heide noch Kiefern mit den typischen Harzungs – Narben zu finden. Der Beruf des Harzers ist in Deutschland inzwischen ausgestorben – die Harzgewinnung in warmen Billiglohnländern ist profitabler. Nur im Süden Österreichs gibt es noch Harzer als „immaterielles kulturelles Erbe“, dort eher Pechler und der Vorgang Pechlerei genannt.

Achtung – Wölfe in der Dahlener Heide

Wichtig zu wissen – die Dahlener Heide ist Wolfs-Gebiet! Insbesondere sollten Hunde an der Leine dicht beim Mensch geführt werden. Sonst kann es zu Kämpfen kommen, die für die Hunde (Konkurrent) nicht selten tödlich enden. Außerdem mußt Du mit Plagegeistern rechnen – Mücken und Zecken. Gegen letztere empfehle ich Mückenspray mit DEET und im Ernstfall die Zeckenzange oder -Karte in Deinem Erste-Hilfe-Set.

Belgern – der weiße Berg an der Elbe

Dahlener Heide - Markt Belgern
Marktplatz Belgern mit Rathaus und Roland (links)

Belgern ist dann das östliche Ende der West-Ost-Strecke durch die Dahlener Heide. Auch hier hat der Stadt-Name slawische Wurzeln: Bela Gora, der weiße Berg. Da in Belgern Ton abgebaut wurde, kann man vermuten, daß offenliegende Kaolien- Brüche die Bezeichnung begründeten. Seit 2013 mit Schildau in einem Städteverbund „Belgern-Schildau“ vereint, liegt Belgern auf einem Hochufer an der Elbe und bietet damit einen Anknüpfungspunkt an den Elbe-Radweg. Hier besteht also die Möglichkeit, die Radtour an der Elbe entlang fortzuführen. Meine Empfehlung – Richtung Süden! Denn von Belgern aus beginnt der schönste Teil des Elbe-Radwegs durch das Elbtal bei Meißen, Dresden und die Sächsische Schweiz. In der Gegenrichtung, von Belgern nach Schildau und dann weiter nach Wurzen, liegt sogar eine der „offiziellen“ Verbindungsspangen zum Mulderadweg. Und dieser ist im Abschnitt von Wurzen Richtung Norden landschaftlich wesentlich interessanter als der Elbe-Radweg.

Mit dem Roland von Belgern Eis essen

In Belgern könnt Ihr dann in der Sommersaison im Eiscafè am Markt einen Eisbecher genießen. Dieses kommt aus traditioneller hauseigener Produktion der Familie Gehring. Am Rathaus von Belgern steht ein Roland als „Schutzpatron“, es gibt auch einen „Rolandpark„, in dem Nachbildungen der Rolande aller anderen „Rolandstädte“ zu finden sind. Über die Elbe führt eine Gierseil- Fähre, welche die Fortsetzung der Radtour ins brandenburgische Gebiet der Schwarzen Elster oder auf dem ostelbischen Radweg ermöglicht. Die Gierseilfähre kommt übrigens mit der Energie des Flußes aus. Durch ein oberhalb am östlichen Ufer befestigtes Gierseil und ein veränderliches Seildreieck an der Fähre selbst kann der Fährmann den Bootskörper jeweils so im Winkel gegen die Strömung stellen, daß die Fähre, am Seil treibend, das andere Ufer erreicht. So kann die Fähre mehrere PKW oder sogar Mähdrescher und Traktoren über den Fluß bringen.

Dahlener Heide - Elbfähre Belgern
Elbfähre Belgern

Elsterauen, Elberadweg oder Süd-Heide – wo geht’s weiter?

Belgern bietet in mehreren Pensionen Unterkünfte, welche vor allem die Radtouristen auf dem Elberadweg nutzen. Es bieten sich also verschiedene Optionen, um nach einem (oder auch zwei) spannenden Tagen im Nordteil der Dahlener Heide und Quartier in Belgern, die Radtour fortzusetzen: Im Südteil der Dahlener Heide mit Schmannewitz und Dahlen, auf dem Elberadweg z.B. nach Wittenberg und ins Dessau- Wörlitzer Gartenreich oder mit der Fähre rüber und weiter im Brandenburgischen….

Reisetips für die nördliche Dahlener Heide

Einige Hinweise sind bereits im laufenden Beitrag enthalten. Hier folgen nochmal weitere Tips für die Organisation Deiner Tour durch die nördliche Dahlener Heide wie Anreise, Unterkünfte oder auch Literatur und Kartenmaterial.

Ergänzende Hinweise zur Anreise

Wie beschrieben, ist die Anreise mit der Bahn* leicht möglich. Auch und gerade mit dem Fahrrad, welches Du wegen dem eingeschränkten Verkehr mit lokalen Busverbindungen gerade am Wochenende brauchst. Die S4 von Leipzig schafft die schnellste Verbindung in diese Region. Fahrradmitnahme ist im Mitteldeutschen Verkehrsverbund in der Bahn kostenlos möglich.

Mit einem eigenen Auto oder einem Mietwagen* erreichst Du die nördliche Dahlener Heide von der Autobahn A14 über die B87. Alternative ist die B6 bis Wurzen und von dort auf der Staatsstraße 23 weiter nach Schildau.

Unterkünfte in der nördlichen Dahlener Heide

Bereits erwähnt habe ich das Schloßhotel im Rittergut in Kobershain*. Angeboten werden ein Apartment für zwei Personen und eine Familiensuite mit Doppelbett und zwei Einzelbetten. Eine Küchenzeile gehört zu jedem Apartment. Frühstück wird zu jeder Übernachtung mit angeboten. Haustiere sind erlaubt. Einkaufsmöglichkeiten in Schildau.

Mitten in der Heide, im Heidedorf Lausa findet sich das kleine Ferienhäuschen Pension Lausa*. In diesem Bungalow können bis 4 Personen in zwei Schlafzimmern nächtigen. Eine komplette Küchenausstattung macht den längeren Aufenthalt möglich. Vorräte müssen allerdings mitgebracht werden – Lausa hat keine eigenen Märkte. Die nächsten Supermärkte befinden sich in Schildau oder Belgern. Haustiere sind willkommen.

Bis fünf Personen finden Platz im Ferienhaus Fuxbau*. Dieses liegt am Rande der Heide in Wohlau. Drei Schlafzimmer ermöglichen auch einen ruhigen Aufenthalt für Familien mit mehreren Kindern. Eine Küche steht zur Verfügung. Im Garten gibt es einen Pool. Liegestühle laden zum Sonnenbad. Fahrräder können gegen Gebühren ausgeliehen werden. Reittouren können vermittelt werden. Haustiere sind erlaubt.

Eine weitere Übernachtungsmöglichkeit in Wohlau bietet das Ferienhaus Weitblick*. Auf 130qm finden 4-5 Personen Platz. (2x Schlafzimmer mit Doppelbett, ein Schlafsofa im Wohnraum). Zum Anwesen gehört ein Garten mit Außenpool und Kinderspielplatz.

Von Wohlau aus ist die Elbbrücke ins brandenburgische Mühlberg nicht allzu weit entfernt.

In Neußen am östlichen Rande der Heidewälder erwartet Dich die großzügige Ferienwohnung Kraußnitzbach*. Eine Küche mit Backofen und Geschirrspüler ermöglicht die umfangreiche Eigenversorgung. Im Schlafzimmer können zwei Personen im Doppelbett nächtigen, zwei weitere Personen finden auf dem Schlafsofa im Wohnzimmer Platz. Im Garten kann gegrillt werden. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Belgern. Haustiere sind hier nicht erlaubt.

Ebenfalls in Neußen kannst Du auch die Ferienwohnung Lipizzaner* nutzen. Mit Doppelbett im Schlafzimmer und Schlafsofa finden bis zu 3 Personen Quartier. Eine Grillmöglichkeit bietet der Garten am Haus. Hier sind Haustiere erlaubt.

Auf der östlichen Elbseite finden jeweils 2 Personen in zwei Apartments im Schloß Triestewitz* ihre Unterkunft. Dazu mußt Du in Belgern mit der Fähre übersetzen. Also ein guter Ausgangspunkt, um auf dem östlichen Elberadweg weiterzufahren oder nach Herzberg in Brandenburg zu wechseln. Dann ist Baden z.B. im 12km entfernten Kiebitz-See bei Falkenberg/ Elster eine Option. Frühstück gehört zum Übernachtungsangebot. Ansonsten ist die Selbstversorgung in den Küchen der Apartments möglich, allerdings müssen Vorräte mitgebracht werden.

Reiten und Pferde – Fahrsport in der nördlichen Dahlener Heide

Mehrere Reiter- oder Pferdehöfe bieten die Möglichkeit zu Reiterferien oder Kremserfahrten in der Region. Bereits erwähnt der Reiterhof in Taura. Eine weitere Gelegenheit bietet der Reiterhof Familie Scharf in Sitzenroda. (Zum Quellental 42, Leider keine web-site, Tel. 034221 5 03 23)

In Schildau wird Pferdefahrsport der Extraklasse angeboten. Und zwar auf der Pferdesport – Arena an der Sitzenrodaer Straße. Diese Fahrsport – Anlage ist mehrmals jährlich Austragungsort für Wettkämpfe teilweise bis Deutschen Meisterschaften oder Qualifikations- Läufen für Weltmeisterschaften. Für August 2020 war sogar eine Weltmeisterschaft der Para-Fahrer geplant, mußte aber wegen der Corona-Beschränkungen abgesagt werden.

Besonderheit der Anlage ist der Bezug zu den Schildbürgern – die Hindernisse wurden mit Bezug zu Schildbürger – Geschichten und Schildauer Gebäuden gestaltet. Im Umfeld finden als Ergänzung zu den Hindernis-Fahrten Geländeprüfungen u.a. Pferde-Fahrsport – Wettkämpfe, aber auch Reitveranstaltungen statt.

Reiseführer, Wanderkarten und Literatur

Wanderkarten

Die beste Karte für die Region ist die Radwander- und Wanderkarte Dahlener Heide*, Wermsdorfer Wald und Umgebung aus dem A.Barthel Verlag. Diese enthält eine Übersicht und Angaben im Maßstab 1:50.000.

Mit dem Maßstab 1:125.000 weniger detailreich ist die „Ausflugskarte Leipzig und Umgebung*“ aus dem gleichen Verlag. Diese verschafft einen Überblick über mehrere interessante Gebiete im Leipziger Nahraum und gibt entsprechende Anregungen für „Kleine Fluchten“ an Wochenenden und Kurzurlaubstagen.

Wer in Belgern auf dem Elberadweg fortsetzen will oder die Region der Dahlener Heide im Rahmen einer Tour auf dem Elberadweg erkunden möchte, ist mit der Radtourenkarte „Elberadweg 1: Bad Schandau – Dessau“* auf der richtigen Spur.

Reiseliteratur

Mit „Ab ins Grüne – Ausflüge rund um Leipzig & Halle“ hat Harald Lachmann 41 Ausflugsziele für Rad- und Wandertouren aufbereitet. Darin sind auch Stationen in der Dahlener Heide enthalten. Ergänzt wird das Ganze mit Tourenkarten, Verpflegungstips vor Ort und den Möglichkeiten zur Anreise mit der Bahn.

Die Schildbürger – Literaturklassiker immer wieder aufgewärmt

Wenn es um sonstige Literatur zur Region der nördlichen Dahlener Heide geht, bleibst Du unweigerlich bei den Schildbürgern hängen. Den meisten Autoren war und ist dabei die Existenz des Ursprungs der Geschichten und der historische Hintergrund kaum bewußt.

Das Original – Schildbürgerbuch von 1597/98 bzw. sein aufbereiteter reprint durch die Schildauer Autorin Ruth Kraft ist derzeit leider nicht in den großen Buchmärkten erhältlich. Restbestände können eventuell im o.g. Schildauer Laden „Foto Kleber“ oder direkt im Schildbürgermuseum erworben werden – solange Vorrat reicht.

Wer aber seinen Kindern Schildbürger- Geschichten – zumindest den populären Teil davon, der auch heute noch leicht verständlich ist – vorstellen möchte, erhält einige der Klassiker im Handel:

Schildbürger - Buch von Ottfried Preußler in Schilda

Unter dem Titel „Bei uns in Schilda*“ hat Ottfried Preußler eine illustrierte Fassung veröffentlicht. Diese Ausgabe ist wieder erhältlich im Thienemann Verlag.

Erich Kästner Die Schildbürger

In seine Klassiker – Reihe für die ganze Familie hat Dirk Walbrecker seine Ausgabe von „Die Schildbürger*“ einsortiert. Diese Ausgabe ist im Kuebler Verlag erschienen. Der Autor hat auch eine Hörbuch – Ausgabe als Variante* parat.

Auch von Erich Kästner gibt es eine inzwischen selbst schon historische illustrierte Ausgabe von „Die Schildbürger*“. Der Attrium Verlag AG hat sie wieder aufgelegt und sogar als eBook im Angebot.

Im September 2020 ist im renomierten INSEL – Verlag eine Nacherzählung vom Original-Buch von 1597 „Die Schildbürger“* von Katrin Stangl erschienen, die sie selbst illustriert hat. Frau Stangl hat an der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst studiert und wurde bereits mehrfach für ihre Illustrationen und Druckgraphiken ausgezeichnet. Ob sie zur Vorbereitung des Buches auch einen Besuch an den naheliegenden Original – Schauplätzen in Schildau unternommen hat, ist unbekannt.

Modernere Schildbürgereien

Der Begriff der „Schildbürger“ für Mitmenschen, die scheinbar närrische Dinge tun, hat sich bis heute gehalten und wird in der Literatur desöfteren aufgegriffen. So sind inzwischen mehrere Werke zu finden, die darauf zurückgreifen und uns im heutigen Kontext „Schildbürgereien“ vor Augen führen wollen.

Doch auch bereits 200 Jahre nach Entstehung des Originals wurden die Geschichten mehrfach herangezogen und an die jeweilige Zeit angepaßt. So entstand 1793 von Johann Andreas Georg Friedrich Rebmann das Buch „Empfindsame Reise nach Schilda„*, welches der Literarica Verlag in einen Nachdruck gegeben hat.

Und Friedrich Christian Laukhardt verfaßte 1798 die Annalen der Universität zu Schilda“*, in einer reprint – Reihe von Hansebooks erschienen.

Neugierig auf ein Schildbürger – Wochenende?

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