Svendborg – Hauptstadt des „Südfünischen Inselmeeres“

Svendborg – Hauptstadt des „Südfünischen Inselmeeres“

Wer auf der dänischen Insel Fünen historische Orte sucht und den maritimen Hauch in der Nase spüren möchte, ist in Svendborg am richtigen Platz. Eine lange Geschichte von Handel, Schiffahrt und maritimer Wirtschaft hat der Hafenstadt ihren Charakter aufgeprägt. Gleichzeitig ist Svendborg der Ausgangspunkt für die Entdeckung der Inseln südlich von Fünen.

Seit Jahrhunderten von Seeluft umweht – Svendborg

Von Langeland auf Fünen – Svendborg als Tor zur Insel

Nach der Rundfahrt auf Langeland führte mein Weg mit dem Rad über die „zwischengelagerte“ Insel Tåsinge und den Svendborgsund in die erste Stadt auf Fünen – Svendborg. Schon von der hohen Svendborgsund – Brücke konnte ich den Eindruck einer lebendigen und geschichtsträchtigen Hafenstadt gewinnen. Hafenanlagen an den Ufern des Sunds, Kirchtürme und freundlich – farbige Häuser an den ansteigenden Hängen zum Inselinneren hin und weite Grünzüge zwischen der Bebauung versprachen einen angenehmen Stadtbesuch nach mehreren Tagen in der ländlichen Umgebung von Langeland.

Svendborgsund, Dänemark
Svendborgsund

Von der Brücke aus ging es erstmal etwas hoch und vor allem runter, die ursprünglichen Stadtviertel von Svendborg liegen dichter am „Sund – Niveau“ in Hafennähe und auf den Hügeln darum herum. Schnell fand ich über die „Gerritsgade“ einen Zugang zur Altstadt, in der mehrere Straßen eine Fußgängerzone und motor-verkehrsberuhigten Bereich bilden.

Beginn der Fußgängerzone in der Gerritsgade

Zu Fuß durch die Altstadt

St. Nicolai kerke Svendborg
St. Nicolai Kerke

ie Bebauung ist abwechslungsreich. Einzelne moderne Häuser reihen sich relativ unauffällig in die Zeilen mit Altstadt – Häusern ein. Enge Gassen wechseln mit kleinen Plätzen und Kreuzungen, wobei verwinkelte Anordnungen immer wieder für überraschende neue Einblicke sorgen.

An der Sct. Nicolai Kirke einer der beiden großen Kirchen in der Altstadt von Svendborg steht ein Spielmann auf dem Vorplatz und jagt seiner Fidel irische Tänze ab. Vielleicht nicht ganz in eine dänische Stadt passend – obwohl, als Hafenstadt gibt sich Svendborg sehr weltoffen – mir gefällt’s aber und ich lasse mich nieder, um mit musikalischer Umrahmung die Eindrücke der Betriebsamkeit auf mich wirken zu lassen.

Ein freundlicher Ort zum Shoppen

Es ist Samstag vormittag und zahlreiche Menschen tummeln sich in den Gassen – vor allem wohl zum Shoppen. Denn mit vielen kleinen Boutiquen, die durchaus noch handwerkliche und designerische Raritäten anbieten, lädt Svendborg auch zum Bummel ein. Shopping ist ja eigentlich nicht so mein Ding, doch die abwechslungsreichen Auslagen und das gesamte flair, welches noch an gute Zeiten des Handwerks und Kleingewerbes erinnert, läßt den Spaziergang zum Vergnügen werden.

Am Klosterplads begrüßt mich ein Mönch – kein echter, sondern aus Bronze – und erzählt mir etwas zur Geschichte des Klosters. Von dem ist leider so gut wie nichts mehr sichtbar – der Klosterplads ist eher der Bahnhofsvorplatz und das Kloster lange abgerissen und überbaut. Doch bei Ausgrabungen kamen eine Vielzahl von Spuren des Klosterlebens zum Vorschein und so wollte man in Svendborg mit den Mönchsfiguren am Klosterplads auf diese Episode in der Stadtgeschichte hinweisen.

Apothekenplads an der St. Nicolai kerke
Gemütlich Shopping am Samstag

Hafen und Fähren ins „Inselmeer“

Vom Bahnhof ist es auch nicht weit bis zum Hafen und der Hafeninsel Frederiksø, dem maritimen Viertel von Svendborg. Hier liegen nicht nur alte Segelschiffe, hier legen auch mehrere Fähren ab und verbinden die große Insel Fünen mit den kleineren Inseln im „südfünischen Inselmeer“. Manche sprechen auch von der „dänischen Südsee“. Wer zum „Inselhopping“ aufbrechen möchte, ist in diesem Hafen genau richtig.Auf der Hafeninsel Frederiksø befinden sich auch mehrere traditionelle Werften.

Anne Hvides Gård
Anne Hvides Haus

Ich umrunde die große Frauenkirche Vor Frue Kirke und stoße auf ein gelbes Fachwerkhaus. Das ist Anne Hvides Gård, ein alter Kaufmannshof, der heute zum Svendborg Museum gehört. Bereits 1560 wurde dieser Hof von der Adeligen Anne Hvide zu Rødkilde errichtet, wobei bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bei wechselnder Nutzung der Anlagen bereits mehrere Gebäudeteile abgerissen worden sind. Seit 1915 ist der Anne Hvides Gård Teil des Svendborg Museum und wird heute für Sonderausstellungen genutzt.

Episoden aus der Geschichte von Svendborg

Woher der Name Svendborg kommt, ist nicht zu 100% geklärt. Eine Ableitung aus Svineburgh – Schweineburg – gilt als wahrscheinlich, doch ging es um Schweine, die als „Eichelschweine“ die umliegenden Wälder bevölkerten und als Delikatesse auf den Spieß in der Burg – Kantine kamen oder ging es dabei um die marsvin – die „Meeresschweine“ – Schweinswale, die zu dieser Zeit noch zahlreich die Ostsee besiedelten?

Beste Lage am Svendborgsund

Fest steht, daß die Lage der Svineburgh ideal war – eine natürliche Bucht an der engsten Stelle des Svendborgsunds bildete einen geschützten Hafen, die Insel Fünen war und ist fruchtbar und sowohl Fischerei als auch der Handel konnten sich bestens entwickeln. Von der Svineburgh ist nichts mehr übrig, vermutet wird die Lage am Ort der heutigen Vor Frue Kirke , drumherum entstand eine Stadt, die im Mittelalter bereits die zweitgrößte auf der Insel Fünen war. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung fand die Swineburgh in einem Schenkungsbrief des Königs Valdemar II. von 1229, der die Ländereien seiner Schwiegertochter Eleonora von Portugal vermachte. Das Stadtrecht erhielt Svendborg 1253.

Östlich der Stadt ergänzte eine weitere Burg – die königliche Burg Ørkild den Schutz vor Überfällen. Diese brannte jedoch 1534 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Die Ruine der Burg Ørkild kannst Du im Lustwäldchen Karoline Amalielund noch heute finden.

Aufstrebendes Handwerk und gewinnbringender Handel

Die Heringsfischerei, der Handel mit Erzeugnissen aus der Fünischen Landwirtschaft sowie das reichlich betriebene Handwerk trugen zum Gedeihen von Svendborg bei. Geprägt war die Stadt durch den großen Markt, der von den zwei Kirchen Vor Frue Kirke und Sct. Nicolai Kirke umrahmt war.

Wandernder Mönch am Klosterplads in Svendborg
Mönch am Klosterplads

Am Ostrand, dem Hafen zu, stand ein bedeutendes Kloster, das als reicher Stift mit hohem Ansehen die geistige Stärke der Stadt repräsentierte. Rings um den Hafen und auf der Insel Frederiksø entstanden außerdem Werften, weitere Betriebe wie Seiler, Zimmerer, Schmieden usw. lieferten dazu Bauteile und Material.

Der schon erwähnte Anne Hvides Gård bildet quasi ein Spiegelbild der Entwicklung von Svendborg ab. Während die Erbauerin Anne Hvide als Adlige wie im 16.Jahrhundert unter dänischen Adligen üblich einen Sommerwohnsitz auf dem Lande und das Stadthaus in Svendborg als Winterresidenz besaß, lebten und arbeiteten die späteren Besitzer vorwiegend in der Stadt.

Bekannte Eigentümer des Hauses waren ab 1700 die Kragh Familien, welche als Geheimrat bzw. Kämmerer und Stadtrat dem Gemeinwesen dienten. Es folgte der Vizeadmiral Jacob Rostgaard, der mit einem Kriegsschiff am Großen Nordischen Krieg teilnahm und bis 1756 lebte. Ab 1796 ging der Besitz aus dem Adel an Bürgerliche über: Christen Børgesen war Schiffer und Vereinswirt. Um 1800 organisierte sich die Stadtgesellschaft in Klubs und ‚dramatischen Gesellschaften‘, diese trafen sich fortan bei Børgesen. Witwe, Sohn und Schwiegertochter führten das Haus fast 70 Jahre lang unter dem Namen „Madam Børgesen“ weiter als Gasthaus, Zimmervermieter und Veranstalter bedeutender Feste wie mondäne Hochzeiten und königliche Besuche.

Nach dem Tod der Madam Børgesen folgten verschiedene Nutzungen des Hauses u.a. als Technische Schule oder Privatschule. Um 1900 ging der Besitz an die Stadt über.

Anne Hvides Gård in Svendborg
Anne Hvides Gård

Schub in der Entwicklung im 19. Jahrhundert

Nach den napoleonischen Kriegen in Europa nahm die Stadt Svendborg einen weiteren Aufschwung. Der Hafen wurde erweitert und den größeren Schiffen der Zeit angepaßt. Im Jahr 1873 wurde der Fährverkehr zu den Inseln wie Langeland und Tåsinge aufgenommen, außerdem Fähren nach Lübeck und Kiel eingerichtet. Eine Sydfynske Dampskibsselskab – südfünische Dampfschiffgesellschaft wurde gegründet und baute die Seeverbindungen mit Linienfahrten immer stärker aus. Die Verkehrswege über Land verbesserten sich, ab 1876 entstand eine Eisenbahnverbindung nach Svendborg.

Reisetips für Svendborg

Anreise

Svendborg ist von der Inselhauptstadt Odense per Bahn erreichbar. In Odense besteht der Anschluß an die dänische Ost – West – Hauptstrecke von (Malmö) Kopenhagen nach Jütland und Schleswig-Holstein.

Da die Gesellschaft Fynbussen ein dichtes Busnetz auf der Insel Fünen betreibt, sind auch Anreisen von anderen Orten wie z.B. Nyborg per öffentlichem Bus möglich.

Karte Dänemark mit Hervorhebung Svendborg

Wer es abenteuerlich z.B. per Rad mag, kann aus südlichen und der Ostrichtung teils per Fahrrad über Straßen und Brücken, teils per Fähre anreisen. So führt von Falster/ Lolland eine Fähre auf die Insel Langeland, von dort Straßen und Brücken nach Svendborg. Aber auch Inselhopping ist möglich z.B. von Rudkøbing mit der Fähre auf Aerø und von dort nach Svendborg.

Mit dem Auto gibt es Brückenverbindungen nach Fünen zum Festland über Schleswig-Holstein und Jütland (Autobahn E20). Ab Odense kann man die Schnellstraße 9 nach Svendborg benutzen. Aus Richtung Osten gibt es von der dänischen Insel Seeland (mit Kopenhagen) die Öresund – Brücke (mautpflichtig, Autobahn E20) oder die bereits erwähnte Verbindung von Falster/ Lolland per Fähre nach Langeland und weiter über die Insel Tåsinge mit Brücken ohne Maut.

Wetter in Svendborg

Das Wetter am Svendborgsund kannst Du auf der nebenstehenden Übersicht voraussehen. Scheint die Sonne für den Stadtbummel oder ist der Museumsbesuch vorzuziehen?

Eine Wollboutique in Svendborg's Altstadt

Mehr Abenteuer auf der Insel Fünen?

Renaissance Schloß Egeskov auf der dänischen Insel Fünen

Schloß Egeskov – ein Wasserschloß mit Park, Gärten und vielen Ausstellungen in der Nähe von Svendborg

Kerteminde Altstadt am Fjord

Die Kleinstadt Kerteminde – Studiere die Wasserwelt im Fjord- und Beltzentrum

Ladby Dragon - Replik des Wikingerschiffs aus dem Grabhügel

Das Ladby Schiffsgrab – ein Wikingermuseum der besonderen Art

Marhoj Grabhügel aus dem Neolithikum

Der Grabhügel Marhoj – 7m und 5000 Jahre Zeitreise

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back to top