Mårhøj Jættestue – ein Ausflug 5000 Jahre zurück in die Geschichte

Mårhøj Jættestue – ein Ausflug 5000 Jahre zurück in die Geschichte

Wer auf der dänischen Insel Fünen unterwegs ist, kann mit wenigen Schritten eine Zeitreise in die Geschichte unternehmen. Der Grabhügel von Mårhøj mit einem bestens erhaltenen Ganggrab aus der Jungsteinzeit ist ein beeindruckendes Zeugnis der Baukünste und Bestattungskultur dieser Zeit. Von außen ein recht unscheinbarer Grashügel in der Landschaft der nordost – fünischen Halbinsel Hindsholm eröffnet ein niedriger Gang dem mutigen Besucher den Einblick in die Vergangenheit von vor rund 5000 Jahren. Taschenlampe oder Kerzen nicht vergessen – in die Tiefe der Grabkammer gelangen nur wenige Strahlen des Tageslichts!

Mit dem Fahrrad über Hindsholm zum Ganggrab von Mårhøj

Da meine Ankunft in Kerteminde ungünstigerweise auf einen Montag fiel, an dem ja bekanntlich alle richtigen Museen auf der Welt geschlossen haben, suchte ich nach möglichen Abenteuern in der nahem Umgebung. Mit dem Fahrrad auf Fünen läßt sich schon allerhand erleben und „erradeln“ und die nördlich von Kerteminde gelegene Halbinsel Hindsholm versprach auch montags zugängliche Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten. Bereits vorab notierte ich mir aus einem Reiseführer das Ganggrab Mårhøj als mögliches Ziel in der Region, und der Hinweis „Taschenlampe mitbringen“ machte die Sache natürlich noch spannender. So erklärte ich den Montag nachmittag zur „Steinzeit – Exkursion“ und radelte von Kerteminde in Richtung Nordosten.

Der Grabhügel Mårhøj auf Fünen in der Nähe der dänischen Kleinstadt Kerteminde
Der Grabhügel Mårhøj

Die Entdeckung von Mårhøj

Ein Bauer, der seine Felder in der Nähe von Martofte auf der fünischen Halbinsel Hindsholm hatte, wollte endlich diesen lästigen Hügel abtragen und seine Fläche etwas ebener gestalten, damit die Pferde weniger im Bogen laufen mußten. Sein halbstarker Sohn begann im Jahre 1868 damit, die Erdmassen des Hügels umzugraben und in der Landschaft zu verteilen. Doch plötzlich traten große Findlinge zutage und dazwischen gähnte ein tiefes Loch. Nachdem sich der Bauernsohn von seiner Überraschung einigermaßen erholt hatte, begann er, den dunklen Schlund mithilfe einer Fackel zu erkunden. Tief öffnete sich ein niedriger Gang in den Hügel hinein. Zu beiden Seite war der Gang mit massiven Findlingen ausgekleidet, dazwischen sorgten Packungen aus kleineren Steinen für dichte, stabile Wandlagen. Im hinteren Bereich des Ganges stieß der junge Mann auf ein irdenes Gefäß mit Knochenresten – eine Urne.

Eingang zum Ganggrab Mårhøj auf der Halbinsel Hindsholm bei Kerteminde
Eingang zum Ganggrab

Nun war ihm schon klar, daß es sich bei dem Hügel um eine Grabstätte handeln mußte. Beeindruckt von dem soliden Bauwerk und dem Fund im Gang kroch er weiter. Überraschenderweise mündete der Gang nach rund 7m in eine größere Kammer, die quer zum Gang lag, so daß der Gang mit der Kammer die Form eines T bildet.

In der Kammer fand der Bauernsohn weitere Knochenreste sowie eine Bernsteinperle. Ansonsten war die Kammer leer. So oder so ähnlich hat sich die Entdeckung des Ganggrabs Mårhøj im Jahr 1868 zugetragen.

Bauer und Sohn waren von dem Fund schwer beeindruckt. Natürlich stand es für sie außerfrage, daß die ursprünglichen Pläne zur Planierung des Hügels aufgegeben wurden. Stattdessen pflegten sie den Hügel fortan bestens und bauten eine solide Tür vor der Gang, um die Grabkammer weiterhin zu schützen. Wer allerdings neugierig war und den unterirdischen Bau sehen wollte, konnte sich bei den Landeigentümern den Schlüssel ausleihen.

Der Gang zur Grabkammer des Hügelgrabs Mårhøj auf Fünen, Dänemark
Der Gang zur Grabkammer

Die Erschließung von Mårhøj als Denkmal

Zwanzig Jahre nach der Entdeckung wurde Mårhøj Jættestue (dän. für Ganggrab) auch von den offiziellen dänischen Denkmalbehörden registriert. Der Freiherr C. Brockdorff erfaßte 1888 den Rundhügel bei Martofte als steinzeitliches Ganggrab aus dem Zeitraum zwischen 3950 – 2801 v. Chr. Der Grabhügel ist als Erweiterung auf einer natürlichen Böschung oder Erhebung aufgetragen. Die Grabkammer ist ca. 10m lang und knapp 2m breit, etwa 1,60 hoch und von 18 Tragsteinen umfaßt. Sieben Decksteine bilden das Dach der Kammer.

Skizze des Ganggrabs Mårhøj
Skizze des Ganggrabs

Zum Gang gehörten 14 Tragsteine, von denen drei fehlen. Von vermutlich 5 Decksteinen ist der vorderste heute verschwunden. Der Gang, auch Stutzen oder Durchgangshaus genannt, war mit zwei Platten verschlossen. Die Bauweise der Ganggräber wird der Trichterbecherkultur zugeordnet.

Bei der in der Entdeckungsgeschichte erwähnte Urne geht man von einer prähistorischen Brandbestattung im Zeitraum zwischen 1100 v. Chr. – 375 n. Chr. (späte Bronzezeit oder Eisenzeit) aus.

Silberbecher zur Entschädigung von Grundbesitzern für den Zugang zu dänischen Bodendenkmälern
Silberbecher zur Entschädigung

Ein großer Teil der dänischen Bodendenkmäler wie der Grabhügel Mårhøj ist frei zugänglich. Bereits im 19. Jahrhundert trafen die Denkmalbehörden darüber Vereinbarungen mit den Landbesitzern. So wurden die Landeigentümer am Mårhøj Jættestue vom dänischen Staat für den freien Zugang zum Bodendenkmal mit einem Silberbecher entschädigt.

Besuch im Hügel Mårhøj Jættestue

Für mich war die Erkundung des Mårhøj Jættestue ebenso ein Erlebnis. Eigentlich liegt der Hügel einsam auf dem Acker. Von der schmalen Straße führt ein Trampelpfad etwa 200m über das kurz zuvor abgeerntete Feld. Ein einzelner Baum ist quasi die langlebige Blume am Grab. Zur Öffnung des Gangs führt eine Treppe aus hölzernen Stufen, die auf der Böschung eingelassen sind. Wer klaustrophobisch veranlagt ist, wird wohl schon beim Blick auf den schmalen Eingang, von dicken Steinbrocken gefaßt, schnell wieder umdrehen. Tief gebückt geht es ins Innere des Hügels.

Für mich war dabei noch bewegender, daß diese Steine bereits vor 5000 Jahren zum Gang und zu dieser Kammer zusammengefügt wurden. Dafür sieht alles doch sehr solide aus! In der Grabkammer, die ohne eigenes Licht nur von wenigen Strahlen durch den langen Gang beleuchtet wird, stand linkerhand ein frischer Blumenstrauß. Ein Apfel sollte wohl eine Opfergabe darstellen. Die Grabkammer ist etwas höher als der Gang, aber aufrecht stehen ist selbst mir als relativ kleiner Person nicht möglich.

In der Grabkammer des Hügelgrabs Mårhøj, Fünen, Dänemark
In der Grabkammer

Schalen von ausgebrannten Teelichtern störten mit neuzeitlichem Design und obsoleszent mangelhafter Wachsverwertung ein wenig die Zeitreise. Eigene Kerzen hätten die Atmosphäre im Erdinneren sicher noch verbessert – aber den Müll sollte man am Ende schon selbst entfernen. Leider hatte ich nur meine Stirnlampe, weniger romantisch. Doch so groß hätte ich mir das alles gar nicht vorgestellt. Da waren solide Handwerker am Bau! Heißt die Steinzeit deshalb Steinzeit? In der dunklen Kammer tief unter der Erde, abgeschirmt von allen Geräuschen der heutigen, hektischen Zeit kann man tatsächlich gedanklich mal auf Zeitreise gehen und sich vorstellen, wie es ausgesehen haben könnte, als dieser Hügel aufgeworfen und die Steine zusammengefügt wurden. Die Momente am Mårhøj Jættestue zählen für mich zu den Höhepunkten auf dieser Inselradtour in Dänemark.

Megalith – Gräber in der weiteren Umgebung von Martofte

Mårhøj ist nicht der einzige Grabhügel auf der Halbinsel Hindsholm. In der Umgebung von Martofte liegen mehrere weitere Megalith – Anlagen. Diese sind jedoch bei weitem nicht so eindrucksvoll wie Mårhøj Jættestue und zudem oft auf eingezäunten oder anderweitig abgetrennten Privatgrundstücken. Der Runddysse von Snave liegt bei Stubberup nur reichlich 1km weiter auf der schmalen Anliegerstraße in Richtung Nordosten. Da kommt man zwar ran, aber mehr als einen überwucherten Erdhügel konnte ich an der Snave Dyssekammer, wie das auf dänisch heißt, nicht erkennen.

Wer auf der Hauptstraße 315 noch ein Stück weiter nach Norden fährt, findet vielleicht beim Örtchen Brockdorff drei weitere Rundhügel.

Ich habe außer der Snave Runddysse noch versucht, östlich von Martofte am Søvej den Hesthøj (deutsch: Pferdehügel) zu finden. Der Weg war zwar ganz schön mit seinen urig aussehenden Kopf – Pappeln, doch das Grundstück mit dem Hesthøj war eingezäunt und von zwei sehr agilen schwarzen Hunden bewacht, die jede meiner Bewegungen mit grimmigem Gebell kommentiert haben. ‚Hunde die bellen, beißen nicht?‘ Ich hab keine Lust, zur Prüfung des Wahrheitsgehaltes dieser Redensart meinen Hosenboden zu riskieren…

Pappelallee mit "geköpften" Pappeln

Zwischen Mårhøj und Kerteminde unterwegs

Schloß Hverringe

Da ich die Hauptstraße (315) möglichst vermeiden wollte – obwohl sich der Autoverkehr einigermaßen in Grenzen hält – bin ich hinter’m Ortsausgang von Kerteminde zuerst in eher östlicher Richtung am Ufer des Großen Belt entlang gefahren. Das geht auf schmaleren Straßen. Zuerst kam ein Stück Wald, wo sich am Waldrand die Fasanen tummeln. Das ist mir an mehreren Waldrändern aufgefallen: Dutzende Fasane. Hinterm Wald liegt dann das Schloß Hverringe, zu dessem Gut wohl der Wald mit seinen Fasanen und das ganze Land ringsum gehört. Auch ein 5**-Zeltplatz am Belt – Strand gehört dazu. Der Hof Hverringe wurde 1350 erstmals erwähnt. Seit 1607 zählt zu den Ländereien des Guts auch die Insel Romsø. Das imposante Hauptgebäude von Schloß Hverringe stammt aus dem Jahr 1790.

Schloß Hverringe bei Kerteminde auf der dänischen Ostseeinsel Fünen im Abendlicht
Schloß Hverringe in der Abendsonne

Viby und Viby Mølle

Beeindruckt war ich vom Dörfchen Viby mit seinen zahlreichen gut erhaltenen Fachwerkhäusern und der Mühle auf einem Hügel am Ortsrand. Da im Ort kaum Autoverkehr ist, kann man in Viby die Ruhe genießen und sich um ein Jahrhundert zurückversetzt fühlen. Die Viby Mølle wurde 1873 als Ersatz für eine durch Blitzschlag in Brand geratene Mühle gebaut. Eine Mühlenzunft sorgt für die Erhaltung und den Betrieb der Mühle. Die Mühle ist von Ende Juni bis Ende August sonntags bis ca. 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 20DKK. Für Besuche außerhalb der Öffnungszeiten können Termine unter der Telefonnummer +45 21587390 oder per E-Mail an gormthor@outlook.dk vereinbart werden. Vom Mühlenberg hat man eine schöne Aussicht.

Dorfstraße in Viby, bei Kerteminde auf der dänischen Ostseeinsel Fünen
Dorfstraße in Viby
Fachwerkhaus in Viby, Halbinsel Hindsholm bei Kerteminde
Die Mühle von Viby, Halbinsel Hindsholm in Dänemark
Die Mühle von Viby

Die Landschaft ist relativ flach und gut mit dem Fahrrad zu bewältigen. Auf den Nebenstraßen geht es ruhig zu. Auch zwischen Dalby und Martofte kann man die Hauptstraße 315 vermeiden – dort gibt es einen Radweg über Stubberup, der auf einer alten Bahntrasse verläuft. Leider war ich angesichts der fortschreitenden Herbstzeit auf meiner Radtour zum Ende hin etwas limitiert. Ansonsten hätte es mir sicher gefallen, die Halbinsel Hindsholm noch weiter zu erkunden und bis zur Nordspitze mit Kap und Nehrung weiterzufahren. Auch für Naturfreunde bietet diese Region interessante artenreiche Gebiete.

Reisetips für Mårhøj und die Halbinsel Hindsholm

Radweg von Ladby nach Martofte auf der dänischen Ostseeinsel Fünen
Radweg bei Martofte

Wer sich über Anreise, Wetter und weitere Sehenswürdigkeiten in der Region erkundigen möchte, findet diese Informationen auf der gesonderten website zu Kerteminde – Reisetips.

Landschaft auf der Halbinsel Hindsholm nördlich von Kerteminde (Dänemark)

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