Buchtip: Die Säulen der Erde

Buchtip: Die Säulen der Erde

Ein historischer Roman von Ken Follett

„Säulen der Erde? Was? Wie? – Ist doch schon….“

Ja, richtig, „Die Säulen der Erde“ sind nun nicht gerade die neueste Empfehlung, die aktuell die Bücher – Charts stürmt. Genau genommen geht es eher um den 30. Jahrestag der deutschen Erstveröffentlichung. Denn nachdem das Buch unter dem Titel „Pillars of Earth“ im Jahr 1989 erstmals in englisch erschien, wurde es ab 1990 in der deutschen Übersetzung verkauft.

Und trotzdem ist es mir einen Buchtip wert:

Es gibt kaum weitere Historien – Romane, die derart detailgetreu den Lebensalltag der Menschen seiner Zeit wiedergeben. Neben der durchweg spannenden Handlung, die weitgehend glaubhaft Geschichte erzählt und mit oftmals verblüffenden, unerwarteten Wendungen die Neugier des Lesers lebendig hält, vermittelt das Buch einen tiefen Einblick in die Lebenswelt von einfachen Bauern, Adligen und den Klerus im beginnenden Hochmittelalter.

Nach der Veröffentlichung von „Die Säulen der Erde“ entwickelte sich der Sektor der Historien-Romane zumindest im deutschsprachigen Buchmarkt in unglaublicher Geschwindigkeit. Aber kaum eines der Bücher erreicht auch nur annähernd die Qualität dieses Buchs. Meist geht es bei der Masse der Schmökern um relativ einfach gestrickte Handlungsstränge vor einem mehr oder weniger grob umrissenen historischen Hintergrund. Das ist bei „Die Säulen der Erde“ deutlich anders.

Mehrere Protagonisten treffen auf mehreren Ebenen immer wieder aufeinander, kooperieren teilweise und loten die Möglichkeiten ihrer Zeit aus oder sie verstricken sich in endlose Fehden und Ränkeschmieden.

Da ist zum Beispiel die Familie des visionären Baumeisters Tom Builder, die hungernd und auf der Suche nach Arbeit die Region um Kingsbridge durchstreift. Oder der junge, energiegeladene und prinzipienfeste Mönch Philip, der zum neuen Prior des Klosters Kingsbridge gewählt wird und mit Tatkraft die Bewirtschaftung der Abtei reformiert. Baumeister und Prior bilden ein Gespann, welches das Gemeinwesen in Kingsbridge stärkt und entwickelt und gegen alle Widerstände für Prosperität und bessere Lebensumstände der Menschen am Ort sorgt.

Ärgste Widersacher sind der karrieresüchtige Bischof Waleran und die Adelsfamilie der Hamleighs – Emporkömmlinge, die in den Wirren des anhaltenden Erbfolgekriegs im Süden Englands eine Grafschaft erobern können. Durch zeitweilige Allianzen des intriganten Bischofs mit der herrschsüchtigen Grafenfamilie, denen es nur um die eigene Macht und den Status geht, scheint die Entwicklung von Kingsbridge und der Grafschaft Shiring immer wieder auf der Kippe zu stehen.

Eine dritte Kraft im Ringen um die Vorherrschaft in der Region sind die Kinder des alten, gestürzten Grafen. Aliena, vom brutalen Sohn der Hamleigh-Familie vergewaltigt und sämtlicher Mittel beraubt, baut mit zäher Arbeit und weitsichtiger Intelligenz einen Wollhandel auf, der ihr zu neuem Wohlstand verhilft. Mit diesem Reichtum unterstützt sie ihren Bruder Richard, dessen Ziel es ist, als Ritter die Grafschaft von den Hamleighs zurückzuerobern.

Getragen wird die Roman- Handlung auch von einer Liebesgeschichte. Wer über historisches Hintergrundwissen verfügt, wird möglicherweise etwas daran Anstoß nehmen. Denn Historiker meinen, daß das Konzept der Liebesheirat, welches hier recht zentral im Fokus steht, erst im 20.Jahrhundert in Europa weitgehend zum Tragen kam. Doch wird es Liebschaften und möglicherweise auch Liebesheiraten im Mittelalter schon gegeben haben, im Roman ist es außerdem nicht unbedingt als typisch für die Zeit beschrieben. Für den Leser ist durchaus glaubhaft, daß die selbstbewußte und intelligente Aliena keine arrangierte Verbindung zum Ausbau von Machtbeziehungen oder zur Mehrung von Vermögen anstrebt. Es ist vielmehr nachvollziehbar, daß sie sich einem Menschen öffnet, der für ihr Leben mit Klugheit, Einfühlsamkeit und Phantasie eine Bereicherung darstellt.

Wie eingangs bereits erwähnt – neben der spannenden Handlung liegt eine der Stärken des Buchs in der ausführlichen, detailreichen Darstellung der Lebensverhältnisse der Zeit. Der Autor hat offensichtlich keine Mühen gescheut, diese bis ins Kleinste zu recherchieren und für sich ein Bild zu entwerfen, was er dem Leser in einer Genauigkeit ausbreitet, daß man sich direkt in diese Welt des Hochmittelalters versetzt fühlt. Dazu verhelfen umfangreiche Beschreibungen der Abläufe auf den Baustellen genau so wie die Episode der Konstruktion von Walkmühlen als Beispiel für die Technologie-Entwicklung. Schwere körperliche Arbeit konnte mechanisiert werden und die Einnahmen wuchsen. Einigen Lesern mögen diese Schilderungen etwas langatmig erscheinen, sie sind meiner Meinung nach jedoch genau die Beigaben, die dieses Buch aus der Fülle von Historien-Romanen herausragen lassen. Gerade diese machen das Werk auch dreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung weiterhin lesenswert.

Außerdem vermittelt der Roman „Die Säulen der Erde“ ein wenig Hoffnung. Denn letztlich obsiegt der rechtstreue, menschenfreundlich agierende Prior Philip mit seinen Getreuen über die machtbesessenen Ränkeschmiede von Bischof und Adelskreisen. Das erscheint nicht einfach nur dem „happy end“ – Verlangen für einen guten Roman geschuldet, sondern wirkt überzeugend als Triumph von Rechtschaffenheit und Sinn für Gemeinwohl. Auch wenn Wollhändlerin, Baumeister und selbst die Priorei jeder auf seine Weise durch harte Arbeit und Kooperation zu Wohlstand und Ansehen gelangen, behalten sie alle doch gleichzeitig das Wohl ihres Umfeldes, ihrer Gemeinde im Blick. Kluge Ideen, die das Gemeinwohl stärken, bringen die Menschen enger zusammen und lassen sie widerstandsfähiger werden gegen äußere Mißstände wie habgierige Neider oder auch Naturkatastrophen.

„Die Säulen der Erde“ – ein Langzeit – Buchtip!

Insofern – eine volle Empfehlung für „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett als historischen Roman- Bestseller. Dieses Buch setzt Maßstäbe! Am Schönsten vielleicht als Abend- oder Begleitlektüre für einen Besuch ländlicher Regionen in England oder in Wales oder auf einer „Schlösser- und Burgen-Tour“ im zeitlichen Kontext des Hoch-Mittelalters (im Roman etwa von 1135 – 1175)

Wer den gesamten Kingsbridge – Romanzyklus lesen möchte, sollte mit dem – allerdings weniger tiefgründigen – Vorgeschichten- Buch „Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ beginnen.

Das Buch „Die Säulen der Erde*“ von Ken Follett ist in deutsch erschienen im Verlag Lübbe und erhältlich als hardcover, Taschenbuch, e-Book und audio-book zum direkt-download*. Es umfaßt ca. 1150 Seiten (Taschenbuch).

Buchtip: Ken Follett Säulen der Erde

Das englische Original „Pillars of Earth„* ist ebenfalls im deutschen Buchhandel erhältlich, leider als eBook mit einem „harten“ Kopierschutz nach DRM (digital rights management), der eine Anmeldung des download-Geräts beim amerikanischen Konzern Adobe erforderlich macht.

Pillars of Earth - booktitle Ken Follett

Schade – ich wollte mir das eBook zum Englisch-Lernen kaufen, zumal es nur noch wenige Euro kostet. Aber eine Anmeldung bei Adobe mache ich nicht (keine Daten an amerikanische Firmen!). Im deutschen Sprachraum sind die Verlage zum Glück fast durchgängig zum „weichen“ Kopierschutz mit Wasserzeichen übergegangen, so daß der eBook-download unkompliziert und ohne Dritt-Parteien im epub-Format möglich ist.

Das Lesen der englischen Ausgabe als e-Book auf einem eReader ist in sofern von großem Vorteil, daß man sich ein Wörterbuch dazuladen kann und mit einfachem markieren und Clicken quasi in Echt-Zeit die Übersetzung einzelner Wörter bekommt.

Wer das nicht braucht, kann die „Pillars of the Earth“ auch als englisches hardcover Buch* oder Taschenbuch* erwerben. Für ausdauerndes englisch – Hören gibt es das „Pillars of the Earth“ Audiobuch auf CD*.

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Quelle Produkt-Bilder: Hersteller/ Händler

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