Nyborg – dänische Geschichte am Großen Belt

Nyborg – dänische Geschichte am Großen Belt

Im Osten der Insel Fünen, aber mitten in Dänemark liegt die Stadt Nyborg am Großen Belt. Schon seit Jahrhunderten ist Nyborg ein Bindeglied im Königreich Dänemark, auch wenn die Vollendung der „Großen Belt – Brücke“ 1998 mit Schließung der Fährhäfen die Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt etwas reduziert hat. Ein farbenfrohes Stadtzentrum mit alten Kaufmannshäusern sowie das Schloß Nyborg sind den Besuch des geschichtsträchtigen Ortes wert.

Beschauliche Stadt mit Königsschloß – Nyborg

Stadtbummel in der alten Königsstadt

Ein buntes Stadtzentrum

Eigentlich habe ich Nyborg auf meiner Radtour über die dänischen Inseln nur angesteuert, weil mir ‚gar nichts anderes übrig blieb‚. Denn Nyborg ist nach wie vor der Ort im Osten der Insel Fünen, von dem aus man den Sprung über den Großen Belt zur Insel Seeland startet. Da es keine Fähren mehr gibt, bleibt mir als Radfahrer nur die „Bahnverladung“ – sprich, ich muß mal kurz den Zug nutzen, um über die Storebelt – Brücke und ein Stück auch durch den Tunnel bis Korsør zu fahren.

Begegnung mit der Olsenbande

Naja, das kann ich morgen noch machen – wenn ich schon mal da bin, schaue ich mir Nyborg auch mal an: Und mein Besuch beginnt mit einer Überraschung – die Olsenbande ist da und weist mir den Weg ins Stadtzentrum! Die Entdeckung des dänischen Gaunertrios ist mir gleich einen Stop und ein Fotoshooting wert! Als „Ossi“ bin ich in den 80er Jahren mit den Olsenbanden – Filmen groß geworden. (Die laufen auch heute noch fast jedes Jahr in den ostdeutschen Fernsehkanälen). Ein neuer Olsenbanden – Film war immer ein Kino – Ereignis! Warum steht die Olsenbande in Nyborg und nicht in Kopenhagen? Der Regisseur Erik Balling, der 2005 verstarb, stammt aus Nyborg. Am Rande der Fußgängerzone ( und natürlich direkt neben einem Kino) ist ein Platz nach ihm benannt – und genau dort traf ich auf die lebensgroßen Silhouetten von Egon, Benni und Kjeld im Licht der tiefstehenden Nachmittagssonne.

Die Olsenbande am Erik Ballings Plads in Nyborg
Die Olsenbande am Erik Ballings Plads

In der Fußgängerzone zum Markt

Durch eine Seitenstraße komme ich in die Fußgängerzone. Gleich neben mir ist Leben im Freisitz eines Cafés. Ansonsten macht der Boulevard einen ruhigen Eindruck. Boutiquen reihen sich aneinander, von kleinen Cafés und snack -bars unterbrochen. Am Ende der Straße betrete ich einen großen Platz, der sich als Marktplatz herausstellt – neben mir steht offensichtlich das Rathaus, nur leider eingerüstet.

Von drei Seiten ist der Markt durch Häuserreihen geschlossen, nach Westen hin öffnet sich das Ganze jedoch zu grünen Flächen. Dort fließt auch noch ein Graben, was ich so richtig allerdings erst bemerke, als ich näher dran bin. Der flache Fluß unterquert eines der Gebäude auf der rechten Seite der Marktbebauung. Das ist ein kastenförmiger Industriebau mit roter Backsteinfassade, großen Fenstern mit weißen Rundbogen und kleinen Türmchen an der Dachkante. Bei der Annäherung erkenne ich dann auch die Beschriftung „Slotmølle“ – Schloßmühle, von 1901. Offenbar wurde diese zumindest in der Anfangszeit durch Wasserkraft betrieben. Heute befindet sich in der alten Schloßmühle ein Theater.

Radhus Nyborg Torvey
Das Rathaus

Das Schloß verlangt Phantasie

Die grünen Flächen am westlichen Ende des Marktplatzes können über eine Brücke erreicht werden. Begrenzt werde sie von einem weiteren Backsteingebäude – dem Schloß. Oder sagen wir – einem verbliebenen Gebäude des Schlosses. Die grünen Flächen entpuppen sich als früheres Schloßgelände, auf dem sich Nyborg viel vorgenommen hat: Von der archäologischen Untersuchung bis zur teilweisen Wiedererrichtung des Schlosses. Bisher bedarf es einiger Phantasie, um sich die Ausmaße des ehemaligen Palastes vorstellen zu können.

Ich wende mich allerdings erstmal noch vor dem Mühlgraben nach links und laufe entlang des weiten Bogens am Ufer. Zahlreiche farbenfrohe Häuser aus verschiedenen Zeitepochen säumen die Straße. Fast geradeaus komme ich auf ein auffallend rotes Fachwerkhaus zu – ein typisches Kaufmannshaus des beginnenden 17.Jahrhunderts. Das ist der Borgmestergården – heute das kulturhistorische Museum von Nyborg.

Borgmestergården - Museum
Borgmestergården – heute Stadtmuseum

Straße und Flußlauf vollenden das U am Schloßgebäude. Der Treppengiebel geht an der Westseite in einen Eckturm über, was den Charakter des Gebäudes prägt. Auch am anderen Ende schließt sich so ein Backstein – Turm an. Das Schloß Nyborg spielt in der dänischen Geschichte eine ziemlich bedeutende Rolle als Königspalast und Parlamentssitz, wurde aber nach 1660 eher als „Steinbruch“ benutzt und zu großen Teilen abgetragen. Deshalb ist von der glorreichen Vergangenheit im Moment von steinernen Zeugen nicht allzu viel zu erfahren. Hinter dem Schloßgebäude erzählen Wallanlagen und Gräben von der Zeit als Festungsstadt u.a. während der napoleonischen Kriege.

Nyborg Schloß und Schloßsee
Schloßteich und Schloß

Die Liebfrauenkirche und der Hafen von Nyborg

Am anderen Ende der Fußgängerzone steht die Nyborger Liebfrauenkirche, die 1428 vollendet wurde. Zur Grundsteinlegung 1388 war die dänische Königin Margarete I. angereist. Am augenfälligsten ist der viereckige Turm mit seiner steil in den Himmel ragenden Spitze, der erst 1589 vollendet wurde.

Immer neugierig auf maritime Einflüsse wende ich mich dem Hafen zu. Direkt am Zugang zu den Hafenanlagen steht eine kleine Säule als Erinnerung an die Aktivitäten der dänischen Touristenvereinigung – bereits von 1900! Die stadtnahen Teile des Hafens sind wie so oft inzwischen weitgehend Freizeithäfen für lokale Wassersportler und Segeltouristen. An der östlichen Pier ziehen sich neugebaute Apartmenthäuser hin, die teilweise wohl gleich Liegeplätze mit anbieten. Ich folge den Gleisen einer alten Hafenbahn. Hinter den Apartmentanlagen entdecke ich die Fingerpier der früheren Fähranlieger. Das Gelände ist verwaist, nur noch einzelne Angler stehen auf den Mauern und genießen die vor 25 Jahren eingekehrte Ruhe. Offenbar wurden mit den Apartmenthäusern die alten Wartespuren vor den Fährterminals und die Bahnanlagen überbaut.

Stadthafen

Holländermühle am Stadtrand

Über den Strandvejen erreiche ich die Ausfallstraße in Richtung Süden. Hier hat auch Nyborg seine Mühle. Die Dyrehave Mølle von 1858 ist mitsamt dem Komplex von Wohnhaus und Speichern erhalten und bestens in Schuß – erst zum Beginn der 2020er Jahre erfolgte eine vollständige Sanierung des denkmalgeschützen Ensembles.

Dyrehave Mølle in Nyborg
Dyrehave Mølle

Durch einen Waldstreifen verlasse ich das Stadtgebiet und komme an den Nyborg – Fjord. Auf einem Parkplatz stehen dort schon mehrere Fotografen mit langen Teleobjektiven und sind ganz aufgeregt. Vor untergehender Sonne flattert eine Vielzahl an Wasservögeln über den Fjord oder schwimmt auf der glatten, spiegelnden Wasserfläche. Da ich auf dieser Tour mein Fernglas vergessen habe und mit einem kleinen Reise-Zoomobjektiv gegenüber den dicken Kanonen der locals etwas hilflos aussehe, genieße ich zum Ausklang des Tages lieber den Sonnenuntergang mit seinen beeindruckenden Wolkenformationen.

Schloß – und Stadtgeschichte von Nyborg

Die Geschichte der Stadt Nyborg ist eng mit der Entwicklung um die Burg bzw. das Schloß verknüpft. Die Stadt entstand im Schatten der Burg.

Als der König Waldemar im Jahr 1157 die Alleinherrschaft in Dänemark erringt, beginnt an strategisch wichtigen Orten der Bau von Burgen und Schlössern. Das Nyborg mit seiner Lage am Store Belt gegenüber der großen Insel Seeland so eine wichtige Lage besitzt, ist ohne Zweifel. Nicht so recht bekannt ist, ob mit dem Bau des Schlosses in Nyborg von Grunde auf neu begonnen oder ob dieses anstelle einer bereits vorhandenen Burg errichtet wurde. Die schriftliche Ersterwähnung von Schloß Nyborg ist für 1193 festgehalten. Neben der inneren Stabilisierung Dänemarks war die erste Aufgabe vor allem der Schutz gegenüber den Wenden, slawischer Volksstämme, die zu dieser Zeit den östlichen Raum des Festlandes an der Ostsee beherrschten.

Tagungsort der Adligen – der Danehof

In der ersten Bauform dominierten Wallanlagen und eine fast 10m hohe Ringmauer die Befestigung. Auch die halbrunden Türme des noch bestehenden Gebäudes im Westen entstanden bereits in dieser Bauphase. Um die Burggräben zu fluten, wurde Wasser vom Vindinge Å in einer aufwendigen Kanalanlage über fast 5km herangeführt, was bis heute so geschieht.

Mit der Unterzeichnung einer ‚Handfeste‘ im Jahr 1282, einer ersten Verfassung für Dänemark, ging die Gerichtsbarkeit vom König auf den Danehof über. Diese Versammlung des dänischen Adels tagte zwischen 1250 bis 1400 im Schloß Nyborg. So war das Schloß Tagungsstätte und Gerichtsort.

Etwa im Jahr 1300 entstand der große Wachtturm, dessen Reste heute noch sichtbar sind. Seine Höhe soll ca. 35 m betragen haben.

Auch wenn König Erik VII. 1413 nach Kopenhagen übersiedelte, blieb Nyborg weiterhin Königsschloß.

Schloß und Wallanlagen
Schloßgebäude und Wallanlagen

Nur kurze Renaissance – Umbau und Verfall

Der Reichsrat ernannte Nyborg 1525 zur ersten offiziellen Hauptstadt von Dänemark. Dem Stil der Zeit und der neuen Würde entsprechend wurde die Burg zum Renaissance – Schloß umgebaut. König Christian III. wollte mit dem Umbau von Schloß und Stadt auch ein Zeichen für die neue Staatsreligion im Zeichen der Reformation setzen. Gleichzeitig begann der Ausbau der Wehranlagen um Schloß und Stadt zur Festung. Doch nach 1560 begann der Verfall des Schlosses. Die Hauptstadtfunktion war entgültig nach Kopenhagen verloren.

Während der Schwedenkriege ab 1650 wurde Nyborg mehrmals besetzt sowie von Niederländern bombardiert. Das Schloß wurde zu 3/4 zerstört. In der Folgezeit wurde desöfteren Baumaterial abgetragen, so z.B. für den Bau des Schlosses in Odense.

Erst zum Beginn des 20. Jahrhunderts begann man, das Schloßareal in Nyborg unter Schutz zu stellen und systematisch archäologisch zu untersuchen. Heute, rund 100 Jahre später, gibt es ehrgeizige Pläne zum teilweisen Wiederaufbau der Schloßanlage. Im erhaltenen Rittersaal finden im Sommerhalbjahr regelmäßig Kammerkonzerte statt.

Die Liebfrauen – Kirche

Neben dem Schloß ist die Liebfrauen – Kirche (Vor Frue Kirke)von Nyborg eine der Sehenswürdigkeiten dieser Stadt.

Liebfrauenkirche (Vor Frue Kirke) Nyborg

Erbaut zwischen 1388 und 1428 ist sie Teil eines Ensembles aus Backsteinbauten am mittelalterlichen Kreuzbruderhof (Korsbrødregård). Im 15.Jh. war das Gelände noch von einer Mauer gen Osten hin abgeschlossen. Die Kirche hat eine bedeutende neuere Orgel aus dem Jahr 1973 vom dänischen Orgelbauer Poul-Gerhard Andersen. Darin sind Teile von zwei älteren Orgeln integriert.

Das Altarkreuz (2011) in Form eines stilisierten Lebensbaums sowie das Altarfenster mit Auferstehungsmotiv (2015) schuf die dänische Künstlerin Maja Lisa Engelhardt.

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Reisetips für Nyborg auf Fünen

Museen in Nyborg

  • Schloß Nyborg
  • Borgmestergården auch: Mads Lerches Gårdkunsthistorisches Museum, historisches Kaufmannshaus, wurde ab 1601 vom Bürgermeister Mads Lerche gebaut. Verschiedene Ausstellungen im Haus zeigen das Leben in Ostfünen im Querschnitt der Jahrhunderte.
  • Dyrehave Mølle – Galeriemühle im holländischen Stil von 1858 mit Gebäudekomplex (Speicher, Scheune, Wohnhaus..)
Slotsmølle - Theater Nyborg
Slotsmølle, heute Theater – Spielstätte

Anreise

Aufgrund der zentralen Lage in Dänemark ist Nyborg verkehrsgünstig gelegen. Die Storebelt – Brücke mit Autobahn und Eisenbahn – Linie stellt die wichtigste Ost – West – Verbindung Dänemarks dar und passiert Nyborg unmittelbar. Fähren gibt es allerdings seit 1998 keine mehr.

Mit dem Auto

Die einfachste Anreise mit dem Auto ist über die Ost – West – Autobahn E20 (Kopenhagen – Fredericia). Von Kontinentaleuropa kannst Du über Jütland und die Fünenbrücke (also von Westen) mautfrei bis Nyborg fahren. Die Storebelt – Brücke (von Osten, Kopenhagen) ist mautpflichtig.. zumindest noch bis ca. 2034, dann sollen die Baukosten für die Brücke eingespielt worden sein. Abfahrten sind Nyborg Vest und Nyborg Ø, wobei letztere dichter am Stadtzentrum liegt.

Storebelt Bro - Großer Belt - Brücke
Store Belt Brücke im Morgendunst

Mit der Bahn oder Fernbussen

Von Kontinentaleuropa gibt es z.T. durchgehende Züge nach Schweden, die über Fünen und Seeland fahren und die Storebelt- sowie Öresund – Brücke nutzen. Ein Beispiel wäre die Verbindung von Hamburg nach Kopenhagen. Ob Dein gewünschter Zug auch in Nyborg hält, mußt Du selbst nachsehen. Ansonsten kannst Du schon in Odense (Inselhauptstadt von Fünen) aussteigen und mit einem dänischen InterCity bis Nyborg weiterfahren.

Es fahren von Norddeutschland aus auf der gleichen Fernstrecke auch Fernbusse* nach Kopenhagen. Dazu ist es ebenfalls sinnvoll, ggf. in Odense auszusteigen und bis Nyborg entweder mit dem lokalen Zug oder den Bussen von Fynbus weiterzufahren.

Mit dem Fahrrad

Auf einer Fünen – Radtour kannst Du unkompliziert auch Nyborg ansteuern. Es gibt viele kleinere Straßen in Dänemark, die nur dem örtlichen Verkehr dienen und unbeschwertes Radfahren erlauben. Kommst Du von Seeland (aus Richtung Kopenhagen), dann mußt Du allerdings spätestens ab Korsør den Zug benutzen, um über die Storebelt – Brücke zu kommen. Radfahren ist da leider nicht erlaubt. Es ist möglich, im IC der dänischen Bahn Fahrräder mitzunehmen – das kostet allerdings Fahrradzuschlag und Platzreservierung für Räder, auch für die kurze Strecke durch den Tunnel. Sowohl Fahrkarte als auch Fahrradreservierung bekommst Du an Fahrkartenautomaten, die sich auch auf englische oder deutsche Sprach einstellen lassen. Bezahlung erfolgt mit Kreditkarte.

Wetter in Nyborg

Damit Du Deinen Stadtbummel in Nyborg besser planen kannst, findest Du in der nebenstehende Übersicht die Wetter – Vorschau für heute und drei Tage.

Sonnenuntergang am Nyborg Fjord
Sonnenuntergang am Nyborg Fjord

Mehr Abenteuer auf der Insel Fünen?

Ein Tag im Schloß Egeskov – die Sehenswürdigkeit auf Fünen überhaupt!

Der Ladby Dragon – ein Schiffsgrab aus der Wikingerzeit im Wikingermuseum Ladby

Der Grabhügel von Mårhøj – Ein 5000 Jahre altes Ganggrab *Taschenlampe empfohlen!

Kerteminde – Beschaulich am Großen Belt *mit Fjord – und Belt – Center

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